Wildpinkler und Gegröle

Alkoholverbot auf Wesertorplatz ist wirkungslos: Werkstatt hat Ärger mit Trinkerszene

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Schild ohne Wirkung: Auf dem Wesertorplatz gilt seit 2009 ein Alkoholverbot. Laut eines Anliegers und der Ortsvorsteherin wird das täglich missachtet.

Kassel. Joseph Barons Gefühlslage schwankt zwischen Wut und Resignation. Der Chef einer Autowerkstatt an der Weserspitze hat seit über zehn Jahren Ärger mit der Trinkerszene auf dem benachbarten Wesertorplatz.

Wildpinkler und Gegröle gehören – trotz eines Alkoholverbotes auf dem Platz – zur Tagesordnung. Auch Angriffe auf ihn hat er schon erlebt. „Die Situation wird immer unerträglicher“, sagt Baron.

Baron ist eng mit dem Stadtteil Wesertor verbunden. Schon sein Vater betrieb die Autowerkstatt an der Weserspitze, die er heute leitet. „Eigentlich hat sich der Stadtteil gut entwickelt. Inzwischen zählen auch immer mehr Studenten zu meinen Kunden“, erzählt er. Doch die Situation auf dem Wesertorplatz überschatte die positive Lage.

Erst kürzlich sei eines der ihm anvertrauten Kundenfahrzeuge durch eine Person aus der Trinkerszene mit einer Whiskey-Flasche beschädigt worden. „Die Polizei konnte nichts machen, weil der Verantwortliche nicht eindeutig zu identifizieren war. Und selbst wenn man die verantwortliche Person ausfindig machen würde, ist da kein Geld zu holen“, sagt Baron.

Hat Ärger mit den Trinkern: Joseph Baron

Der Firmenchef betont, er habe nicht grundsätzlich ein Problem mit Alkoholikern. „Da sind viele darunter, die einfach nur auf den Bänken sitzen und in Ruhe ihr Bier trinken. Dagegen habe ich nichts.“ Baron wünscht sich allerdings, dass die Wand seines Hauses nicht länger als öffentliche Toilette dient. Er fordert deshalb den Aufbau eines Toilettenhäuschens. Zudem fordert er häufigere Kontrollen durch das Ordnungsamt. In seiner jetzigen Form sei das 2009 eingeführte Alkoholverbot wirkungslos. Die Bänke auf dem Platz nutzten ohnehin fast nur die Trinker.

„Kürzlich wurde ich von Ordnungsbeamten zu Recht ermahnt, weil ich als Gewerbetreibender Pappen in den Altpapiercontainer geworfen habe“, sagt Baron. Weil aber gleichzeitig etliche Stadtteilbewohner Sperrmüll und auch Fleischabfälle in und um die Müllcontainer herum entsorgten, sehe er die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt.

Ortsvorsteherin Ingeborg Jordan (SPD) kennt die Situation am Wesertorplatz. Sowohl dort wie auch am benachbarten Park an der Sodensternstraße hielten sich täglich Trinker auf. „Ein Alkoholverbot allein hält aber niemanden davon ab, sich dort zu betrinken“, sagt Jordan. Da seien nur regelmäßige Kontrollen des Ordnungsamtes hilfreich.

Aus Sicht der Stadt stellt sich die Situation etwas anders dar. Aus dem Rathaus heißt es, Ordnungsbeamte kontrollierten in den Sommermonaten verstärkt den Wesertorplatz. „Die Probleme mit der Trinkerszene, die damals zum Alkoholkonsumverbot geführt haben, sind seit dem stark zurückgegangen“, teilt ein Stadtsprecher mit. Bei den Kontrollen würden aktuell drei bis fünf, in Einzelfällen sieben bis acht Trinker festgestellt. Konsumenten härterer Drogen seien nicht darunter. Die Trinker würden nach Aufforderung durch das Ordnungsamt den Platz in der Regel „widerstandslos“ verlassen. Streetworker kümmerten sich um den Personenkreis.

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