31-Jähriger leidet an paranoider Schizophrenie

Wohnung an Ysenburgstraße angezündet: Brandstifter muss in Psychiatrie

Kassel. Der Brandstifter aus der Ysenburgstraße ist für seine Tat vom September 2014 „strafrechtlich nicht zur Verantwortung zu ziehen“.

Das entschied jetzt die 5. Große Strafkammer am Landgericht Kassel und ordnete die weitere Unterbringung des Mannes im Maßregelvollzug in der forensischen Psychiatrie in Haina (Bad Emstal) an. Damit folgte das Gericht der Forderung von Staatsanwältin Verena Bring. Die Verteidigung hatte gefordert, die Unterbringung des an paranoider Schizophrenie erkrankten 31-Jährigen zur Bewährung auszusetzen.

Der Algerier hatte in den frühen Morgenstunden in seiner Wohnung in einem fünfgeschossigen Mehrfamilienhaus Feuer gelegt. Zeitungen im Toaster entfachten einen Gardinenbrand in der Küche, der aber wieder erlosch. Im kombinierten Wohn-Schlaf-Raum brannten ein hölzernes Bettgestell und Kleidung des Asylbewerbers im Bettkasten ab. Durch die Hitzeeinwirkung zerbarst die Fensterscheibe, der Kunststofffensterrahmen schmolz, Putz platzte von der Decke und den Wänden ab, die Unterkunft wurde unbewohnbar, der Sachschaden auf 10 000 Euro geschätzt. Zwei von 15 Bewohnern des Hauses erlitten eine leichte Rauchgasvergiftung.

Weil er einen Geist habe vertreiben wollen, hätte er das Feuer gelegt, sagte der 31-Jährige im Prozess aus. Seit Jahren werde er von Albträumen, Verfolgungswahn und Depressionen geplagt, meine den Teufel zu sehen, selbst ein Wolf zu sein oder höre Stimmen. Seinem Wunsch, in eine Einrichtung im Sauerland überstellt zu werden, folgte das Gericht nicht. Das sei ebenso wenig zu verantworten wie eine Bewährung, argumentierte der Vorsitzende Richter Jürgen Stanoschek. Denn: „Im akuten Zustand weiß der Beschuldigte nicht mehr, was er tut.“

Immer wieder entzog sich der Algerier der Behandlung im Akutkrankenhaus, nahm Kokain und konsumierte Alkohol in großen Mengen. „Das ist der Treibstoff, aus dem die Psychose erst richtig befeuert wird“, so der Richter.

Bereits 2012 wurde die paranoide Schizophrenie diagnostiziert, nachdem der Algerier in einem Asylbewerberheim in Ihringshausen randaliert hatte. Dennoch hatte das Amtsgericht damals einen Antrag auf Unterbringung des Mannes im Maßregelvollzug abgelehnt. Später wurde er nackt vor der Synagoge von einer Streife aufgegriffen.

Von dieser Verwirrung war im Prozess nichts zu erkennen. Ruhig und eher teilnahmslos verfolgte der übergewichtige Mann die Beweisaufnahme. Durch die Medikamente sei er eine „völlig andere Persönlichkeit“ geworden, lobte sein Betreuer. Auch dass der Algerier inzwischen als Flüchtling anerkannt sei, nehme diesem Druck und trage zu einer guten Sozialprognose bei. Dennoch müsse seine Behandlungsbereitschaft erst geweckt werden, sagte der Richter. (and)

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