3000 Euro Preisgeld

Carl-Schomburg-Schüler mit Videopreis für "Beste Story" ausgezeichnet

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Wurden mit dem hr-Videopreis für die „Beste Story“ ausgezeichnet (von links): Mehmet Sunay, Enejola Ramizi, Gülizar Görmez, Eren Bektas, Vanessa Schubert und Isak Basic aus dem DS-Kurs der Carl-Schomburg-Schule. Nicht im Bild: Israa Kamil.

Kassel. Sie filmten die beste Story: Sieben Schüler aus dem Kurs Darstellendes Spiel der Carl-Schomburg-Schule im Stadtteil Wesertor haben beim Schul-Videowettbewerb  „Meine Ausbildung – Du führst Regie“ des Hessischen Rundfunks abgeräumt.

Welcher Lebensweg ist der richtige für mich? Soll ich nach der Schule an die Uni gehen oder doch besser eine Ausbildung anfangen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich sieben Schüler aus zwei neunten Klassen des Realschulzweigs der Carl-Schomburg-Gesamtschule im Kurs Darstellendes Spiel (DS). Der sechsminütige Kurzfilm „Lebenswege“, der dabei entstanden ist, hat nun den mit 3000 Euro dotierten Preis in der Kategorie „Beste Story“ beim Schul-Videowettbewerb „Meine Ausbildung – Du führst Regie“ des Hessischen Rundfunks gewonnen.

Aber was gehört eigentlich zu einer guten Story? „Dass sie einfallsreich ist und sich von der Masse abhebt“, sagt Vanessa Schubert (16), die als Protagonistin in „Lebenswege“ auf der Suche nach ihrer beruflichen Zukunft ist. „Sie darf aber auch nicht zu verrückt sein“, sagt Isak Basic (15), der die Kamera geführt hat. Und was war nun das Besondere an der Geschichte, die sich die Gruppe, zu der auch Enejola Ramizi, Israa Kamil, Eren Bektas (alle 15), Gülizar Görmez (16) und Mehmet Sunay (17) gehören, ausgedacht haben? „Dass wir mit Humor gezeigt haben, dass eine Ausbildung nicht schlechter ist als ein Studium“, sagt Vanessa.

„Wir haben Schwierigkeiten, viele Eltern über den Wert von Ausbildung aufzuklären“, sagt Lehrerin Julia Wöllenstein (42), die den Kurs und die Arbeiten an dem Film angeleitet hat. Dies sei gerade bei Eltern aus Kulturkreisen und Ländern, in denen Handwerksberufe unter dem Titel Studium laufen und eine Ausbildung in der öffentlichen Wahrnehmung kaum einen Wert habe, ein Problem.

Auch Wöllensteins siebenköpfige DS-Gruppe kennt dieses Problem. Bei einigen von ihnen würden die Eltern erwarten, dass sie nach ihrem Realschulabschluss das Abitur machen und studieren gehen, obwohl sie sich selbst auch eine Ausbildung – etwa als Friseur, Krankenpflegerin oder Erzieherin – vorstellen könnten.

„Es ist schwierig, dass das Abitur von vielen immer noch als das große Ziel begriffen wird“, sagt Wöllenstein. Der Film zeige, dass womöglich gerade Abitur und Studium für weniger Klarheit bei der eigenen Zukunftsplanung sorgen könnten. Denn: „Wer die Wahl hat, hat auch die Qual.“

Das Preisgeld von 3000 Euro fließt in zukünftige kulturelle Projekte der Carl-Schomburg-Schule.

„Lebenswege“ ist im Internet zu sehen, zu finden unter diesem Link

Kurzkritik zu "Lebenswege"

Der Kurzfilm „Lebenswege“ zeigt die schwierige Entscheidung der Schülerin Vanessa darüber, was sie mit ihrem bestandenen Abitur in der Tasche anfangen soll. Studiengänge gibt es wie Sand am Meer, und alle klingen aufregend, auch wenn Vanessa gar nicht so recht weiß, was es mit „Fennistik“ (Finnland-Studien) oder „Agri- und Hortibusiness“ (Wirtschaftsingenieurwesen im Agrar- und Lebensmittelsektor) auf sich hat. 

Augenzwinkernd kommentieren die sieben Schüler den Selbstverwirklichungszwang junger Menschen, denen nur vermeintlich alle Türen offen stehen. Dazu entwerfen sie für die kryptischen Titel der Studiengänge vollkommen neue Arbeitsfelder. Wenn Fennistik für Vanessa etwa bedeutet, den ganzen Tag alte Münzen zu polieren oder sie in Agri- und Hortibusiness hyperaktive Hortkinder im Zaum halten muss, ist das als ironischer Seitenhieb auf ihre eigene Generation der „Millennials“ und die Diskrepanz zwischen deren Erwartungshaltung an ihren Job und der späteren Realität zu verstehen. 

Ihr Glück findet Vanessa bei alldem nicht. Zumindest bis sie in einer türkischen Bäckerei, fasziniert vom Backwerk in der Auslage, feststellt, dass nicht für jeden tollen Beruf ein Studium notwendig ist. Manchmal ist eine Ausbildung für einen selbst der passendere Weg.

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