Stadt will Abriss im Wesertor nicht anordnen

Gefahr in Kassel: Haus droht auf Park und Gärten zu stürzen

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Das ist das Haus im Wesertor: Es besteht Einsturzgefahr, doch die Stadt Kassel will den Abriss nicht anordnen. 

In Kassel droht ein Haus einzustürzen. Es bestehe Handlungsbedarf, die Sicherheit sei nicht mehr gegeben, heißt es in einem Vermerk der Stadt. Doch den Abriss des Gebäudes will sie nicht anordnen.

In einem Vermerk der Stadt Kassel vom 23. November 2018 spiegelt sich die Dramatik wider: Darin ist zu lesen, dass für das Hinterhaus des Gebäudes Ysenburgstraße 28 die Standsicherheit „nicht mehr gegeben ist." "Es besteht sofortiger Handlungsbedarf. Eine Gefährdung des Umfelds ist nicht auszuschließen“, heißt es weiter.

Weil das seit mehr als 20 Jahren leer stehendeGebäude auf den benachbarten Park an der Sodensternstraße im Stadtteil Wesertor und die Gärten der Nachbarhäuser zu stürzen droht, hat die Stadt alles weiträumig absperren lassen. Doch es steht zu befürchten, dass die Gefahrensituation nicht kurzfristig gebannt wird. Denn die Eigentümer der maroden Immobilie sind sich uneins über einen Abriss und führen einen langwierigen Rechtsstreit.

„Der Prozess läuft vor dem Amtsgericht. Wer unterliegt, wird sicher in Berufung gehen“, sagt Markus Freiboth, einer der Miteigentümer der Immobilie. Aus Sicht von Freiboth gibt es keine Alternative zum Abriss. Die Bausubstanz sei nicht zu retten. Andere Eigentümer fordern die Sanierung.

Einsturzgefährdetes Haus im Wesertor: Dach völlig marode

Bilder aus dem Inneren des Gebäudes zeigen, dass das Dach völlig marode ist und ein Großteil der Zwischendecken nicht mehr existiert. Der HNA liegt ein Schreiben einer Dachdeckerfirma vor, die das Dach provisorisch sicher sollte. Darin ist zu lesen, dass sich die Dachdecker geweigert hatten, das Dach überhaupt zu betreten.

Blick in das Innere des Gebäudes: Das Foto zeigt, dass die Zwischendecken nicht mehr erhalten sind.

Miteigentümer Freiboth berichtet von einem Gutachten, nachdem ein Einsturz des Daches auch den Zusammenbruch der Außenwände zur Folge haben könnte. „Weil sowohl für einen Abriss wie für einen Wiederaufbau des Hauses die Einstimmigkeit der Eigentümer erforderlich ist, wird sich eine Entscheidung hinziehen“, sagt Freiboth. Er fordert deshalb, die Stadt möge den Abriss anordnen. Dies ist nach Paragraf 179 des Baugesetzbuches möglich. Die Kosten müssten dann von den Eigentümern getragen werden.

Wegen Einsturzgefahr: Auch Garten nicht benutzbar

„Das ist eine hochgefährliche Lage“, sagt Freiboth. Zumal die Absperrungen niemanden daran hinderten, sich doch auf der benachbarten Grünanlage aufzuhalten. Er habe viel in die Sanierung des Vorderhauses investiert und wolle dafür sorgen, dass auch das Umfeld an Attraktivität gewinnt. Derzeit können die Bewohner des Vorderhauses ihren Garten wegen der Einsturzgefahr nicht nutzen. Auch Nachbargärten sind davon betroffen.

Die Stadt will den Abriss aktuell nicht anordnen. Dies stelle einen unumkehrbaren Eingriff in die Rechte der Eigentümergemeinschaft dar, so ein Stadtsprecher. Aufgrund der Absperrungen bestehe keine Gefahr für die Öffentlichkeit.

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