Harter Drogenkonsum hat im Stadtteil zugenommen

Harte Drogen: Streetworker berichtet von den Brennpunkten im Kasseler Wesertor

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Beliebter Treffpunkt der Alkohol- und Drogenszene: Der Wesertorplatz ist bei schönem Wetter belagert.

Kassel. Michael Fichtelmann ist seit fünf Jahren als Streetworker im Wesertor unterwegs. Der Sozialarbeiter hat beobachtet, dass sich nicht mehr nur die ortsansässige Trinkerszene dort versammelt.

Seit der Schließung des städtischen Trinkraumes und in Folge der Vertreibung der Drogenszene aus der Innenstadt hätten die Probleme im Stadtteil zugenommen – vor allem der Konsum harter Drogen habe Einzug gehalten.

„Mein Job ist natürlich vor allem eine Saisonarbeit. In diesem Sommer war es besonders extrem“, sagt Fichtelmann. Dies habe sicherlich auch mit dem guten Sommer zu tun gehabt. Als Fichtelmann Anfang dieser Woche bei Regen und acht Grad seine regelmäßige Runde durch das Viertel dreht, war entsprechend wenig los. Bei schlechtem Wetter bleiben die Szenemitglieder lieber im Trockenen.

Normalerweise gehören der Wesertorplatz, der Sodensternpark, die Gartenstraße, die Parkplätze am Real-Markt und am Edeka-Getränkemarkt sowie die Bleichwiesen zu den Brennpunkten. „Früher hatte ich hier nur mit etwa 20 bis 25 Alkoholikern aus dem Stadtteil zu tun, inzwischen sehe ich viele fremde Gesichter“, sagt Fichtelmann.

Seit fünf Jahren als Streetworker im Einsatz: Sozialarbeiter Michael Fichtelmann ist regelmäßig im Wesertor unterwegs. Er sagt, seine Klientel hole sich unter anderem in der Kneipe „Zur Anstalt“ günstigen Alkohol.

Während er zu den Altbekannten einen guten Draht hat und diese regelmäßig in allen Lebensfragen berät, bei Behördengängen unterstützt und Therapien vermittelt, bereiten ihm die aus anderen Stadtteilen Zugewanderten Sorgen. „Wer Alkohol und illegale Drogen oder Medikamente in Kombination einnimmt, der wird unberechenbar“, sagt der Soziotherapeut.

In den Nachtstunden traut er sich deshalb nicht allein in die dunklen Winkel des Viertels. Im Sodensternpark an der Sodensternstraße hat sich aus seiner Beobachtung die Drogenszene ein Domizil geschaffen. Zahlreiche Plastiktütchen, Alufolie, die zum Erhitzen von Heroin genutzt wird, sowie leere Heroin-Plomben zeugen von den nächtlichen Treffen. Es gab dort bereits Polizeirazzien. Die Polizei bestätigt, dass sich dort ein Schwerpunkt des Drogenhandels entwickelt hat, der auch mittels verdeckter Fahnder beobachtet werde. Es gab bereits mehrere Festnahmen.

Spuren des nächtlichen Drogenkonsums: Plastiktütchen und Alufolie im Sodensternpark. Foto: Bastian Ludwig

Eine Anwohnerin, die regelmäßig auf dem Spielplatz an der Sodensternstraße mit ihrer Tochter spielt, schildert ihre Beobachtungen. Häufig beobachte sie die Szenemitglieder auch auf dem Spielplatz. „Die lassen zum Teil ihre Hunde hier frei laufen“, sagt die 29-Jährige. Das sorge für ein mulmiges Gefühl.

Mehr Personal nötig

Zwölf Stunden pro Woche werden dem Streetworker für seine Arbeit vom Sozialamt finanziert. „Nötig wären doppelt so viele“, sagt Fichtelmann. Zudem würde er sich über einen weiteren Kollegen freuen. Dafür müsste die Stadt mehr Geld bereitstellen.

Trotz der Zunahme an sozialen Brennpunkten beobachtet Fichtelmann aber auch die positive Entwicklung des Stadtteils. Durch die steigende Nachfrage nach Wohnungen sei in viele Immobilien investiert worden. Langfristig sieht er das Wesertor deshalb auf einem guten Weg.

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