Plötzlich müssen Radfahrer aus Weserstraße ausweichen

Hier verzweifeln Radfahrer: Irrsinnige Verkehrsführung an der Uni Kassel

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Hier endet auf dem Fußweg die Freigabe für Radfahrer: Wer auf der Weserstraße in Richtung Weserspitze weiterfahren will, müsste für 200 Meter auf die Straße ausweichen. Dann ist der Fußweg wieder für Räder nutzbar.

Im Umfeld der Universität Kassel, wo täglich Hunderte Studenten mit dem Fahrrad unterwegs sind, gibt es zwei Beispiele von unklarer Verkehrsführung für Radfahrer.

Veronika Lichtenfeld, die vergangenes Jahr zum Studieren von Nürnberg nach Kassel zog, ist regelmäßig mit dem Rad unterwegs. Sie kam angesichts der Beschilderung schon oft ins Grübeln. „In Nürnberg war auch nicht alles gut. Aber hier in Kassel habe ich erst gemerkt, wie schlecht es sein kann. Das ist kein Radwegenetz, das ist ein Flickenteppich“, sagt die Studentin.

Beispiel Weserstraße

Wer als Radfahrer aus der Innenstadt kommt und auf der Weserstraße in Richtung Katzensprung unterwegs ist, kann theoretisch auf der Fahrbahn fahren. Dies tun wegen des starken Auto- und Lkw-Verkehrs aber nur besonders Mutige. Die meisten nutzen den Fußweg, der auch für Radfahrer freigegeben ist. Auch hinter der Kreuzung Katzensprung gilt diese Regelung zunächst weiter. Allerdings nur für 50 Meter. Dann endet die Freigabe für Radfahrer. An der Stelle beginnt ein Parkstreifen und verengt den Fußweg.

Erst nach 200 Metern, auf Höhe des Stadtteilzentrums Wesertor, darf der Fußweg wieder von Radfahrern benutzt werden, um etwa zur Weserspitze zu gelangen. „Ich müsste mein Rad entweder 200 Meter schieben oder an dieser unübersichtlichen Stelle auf die viel befahrene Weserstraße ausweichen“, sagt Lichtenfeld.

Beim Versuch, sich vor dem Parkstreifen in den fließenden Verkehr einzuordnen, hat die Studentin erlebt, dass die Autofahrer dies mit wildem Hupen quittieren. Den Autofahrern macht sie nicht mal einen Vorwurf: Die wissen ja nichts von dieser unsinnigen Verkehrsführung.

Die Stadt verweist darauf, dass Radfahrer nicht auf die Weserstraße ausweichen müssen. Es gebe die Möglichkeit, von dort die Radrouten über die Gartenstraße oder die Mönchebergstraße zu nutzen. Für Radfahrer, die in Richtung Weserspitze wollen, sind diese aber keine echte Alternative.

Im Verkehrsentwicklungsplan 2030 der Stadt ist die Weserstraße als Hauptroute für den Radverkehr gekennzeichnet. „Die Integration von Radverkehrsanlagen ist aber nur langfristig umsetzbar“, sagt ein Stadtsprecher.

Beispiel Artilleriestraße

Im Bereich des Pferdemarktes leben viele Studenten. Wenn diese zum Campus der Uni Kassel gelangen wollen, nutzen sie in der Regel die Artilleriestraße, wo erst vor Kurzem ein großes Studentenwohnhaus eröffnet hat. Auch die Stadt spricht von einer „wichtigen Radverkehrsverbindung zwischen Innenstadt und Universität“. Doch an der Einmündung zur Kurt-Wolters-Straße wissen viele Radfahrer nicht mehr weiter. Denn die sichere Ampel, die über die vierspurige Verkehrsachse auf das Campusgelände führt, liegt noch vor dem Einmündungsbereich.

Radfahrer sollen in den Gegenverkehr fahren: Wer aus der Artilleriestraße zur Ampel über die Kurt-Wolters-Straße will, muss sich hier einordnen.

Die Studentin Lichtenfeld hat hier lange gerätselt: Müssen Radfahrer in den Gegenverkehr fahren, um zur Ampel zu gelangen? Erst beim genauen Hinsehen entdeckte sie zwei fast komplett ausgewaschene Rad-Piktogramme in der Mitte der Artilleriestraße – zwischen den beiden Fahrbahnen. In diesem Bereich sollen sich Radfahrer aufstellen, um dann, bei Beachtung des Gegenverkehrs, die Artilleriestraße zu queren, erläutert ein Stadtsprecher. Dort wird dann über eine Rampe der Gehweg erreicht, der zur Ampel führt.

Lichtenfeld findet diese Regelung schwer nachvollziehbar – zumal das Fahren in den Gegenverkehr im Einmündungsbereich nicht ungefährlich sei.

Derzeit finden dort, wie auch an der Weserstraße, Bauarbeiten statt, was die Verkehrssituation zusätzlich unübersichtlich macht. Die Stadt bittet um Verständnis für die aktuellen Einschränkungen.

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