Am Montag in Freiheit entlassen

Jung-Uhu vom Lutherturm verbrachte sein Wochenende im Papageienkäfig

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Wieder in Freiheit: Eulenschützer Raymund Brunner ließ den Uhu auf einem Gartengrundstück am Wesertor frei und hofft, dass ihn die Mutter wieder annimmt. Im Hintergrund (von links) Avdo Glusac und Grundstückseigentümer Horst Kuhn.

Kassel. Einer der jungen Uhus vom Lutherturm hat das Wochenende bei einer Hausgemeinschaft am Wesertor in einem Papageienkäfig verbracht.

Die Bewohner hatten den Jungvogel vorübergehend eingefangen, um ihn vor Krähen und anderen feindlichen Tieren zu schützen.

Am Montag wurde der Uhu wieder freigelassen. Vogelschützer hoffen nun, dass ihn die Mutter wieder annimmt. Laut dem Eulenexperten Raymund Brunner wird es noch vier bis sechs Wochen dauern, bis der Jungvogel ohne Anleitung selbstständig jagen kann.

Am Samstagnachmittag hatten Hauseigentümer Horst Kuhn und sein Mieter Avdo Glusac bemerkt, dass sich die stattliche junge Eule im weitläufigen Hinterhof des Grundstücks niedergelassen hatte. Das Geschrei eines Krähenschwarms hatte sie aufmerksam gemacht. „Das waren bis zu zehn Krähen, die sich ständig auf den Uhu stürzten und ihn attackierten“, berichtete Kuhn.

Als es Abend wurde, kauerte die junge Eule immer noch neben dem Haus am Boden. „Wir hatten einfach Angst, dass irgendein Tier den Uhu dort während der Nacht verletzen könnte“, sagte Kuhn. Der Tierfreund hat noch einen alten, geräumigen Papageienkäfig im Schuppen stehen. Da also sollte die junge Eule erst mal hinein.

Avdo Glusac: „Von mir lässt sich der Uhu sogar streicheln“

Packt man den stattlichen Vogel so beherzt und versiert, wie es Profi Brunner am Montag tat, bekommt man Respekt: Der Uhu faucht wie eine Katze und hackt mit dem kräftigen, messerspitzen Schnabel klappernd nach allen Seiten um sich. Nun ist Avdo Glusac vom Naturell her kein Draufgänger, sondern ein Kunstmaler mit feinen, zurückhaltenden Manieren. Gegen 20.30 Uhr am Samstag zog er sich feste Arbeitshandschuhe an, nahm den Uhu und steckte ihn in den Käfig.

Glusac war es auch, der dem Vogel am Wochenende zweimal täglich kleingeschnittenes Rindfleisch mit einer Pinzette zu fressen gab. Das nahm der Uhu bereitwillig und mit regem Appetit an. „Ich habe keine Angst vor ihm“, sagte Glusac: „Von mir lässt sich der Uhu sogar streicheln.“

Behausung für ein Wochenende: In einen Papageienkäfig quartierten Horst Kuhn (links) und Avdo Glusac den Jung-Uhu vorübergehend ein, damit ihm keine anderen Tiere gefährlich werden konnten.

Nach knapp 40 Stunden war das Käfig-Intermezzo für die junge Eule vorüber. Nachdem Horst Kuhn den vorübergehenden tierischen Gast gemeldet hatte, rückte Eulenschützer Brunner an und hatte aus einer Tiefkühltruhe einige tote Hühnerküken gegen den Uhu-Hunger mitgebracht. In einer schattig-versteckten Ecke des Hofs wurde der Uhu wieder in die Freiheit entlassen und hockte sich sogleich hinter einen Baumstamm. Wahrscheinlich sei es ein Weibchen, sagte Brunner: „Die sind kräftiger.“

Jetzt hoffen alle, dass die Uhumutter ihr Junges wieder annimmt und noch weiterfüttert. Die Chancen seien gut, sagte Brunner, die Vögel mit dem höchst empfindlichen Gehör würden nachts durch ihre Rufe zueinander finden.

Der Eulenexperte will sich nun täglich nach dem Stand der Dinge erkundigen. Sei der junge Uhu aber nach drei, vier Tagen noch immer am selben Fleck allein, müsse er notfalls wieder eingesammelt und zu einer Auswilderungsstation gebracht werden.

Jung-Uhu vom Lutherturm im Papageienkäfig

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