Nach 24 Jahren

Er prägte Kassels Kinderklinik: Prof. Tegtmeyer geht in den Ruhestand

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Bis zum letzten Tag voll im Einsatz: Prof. Dr. Friedrich K. Tegtmeyer untersucht die kleine Amelie in der Kinderklinik des Klinikums Kassel.

Als ärztlicher Direktor des Kinderkrankenhauses Park Schönfeld und als Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Kassel hat Prof. Friedrich Tegtmeyer viele Patienten begleitet. 

Nun geht er nach 24 Jahren in den Ruhestand. Mehrere Umzugskartons stapeln sich im Büro, einige Regale sind schon leer geräumt. Die Vorbereitungen für seinen Ruhestand Ende Januar sind bereits in vollem Gange – obwohl er eigentlich selbst noch von diesem neuen Lebensabschnitt überrascht sei, wie Prof. Dr. Friedrich K. Tegtmeyer sagt. „Die Zeit vergeht dann doch schneller, als man merkt.“

Auch für seine Patienten sei sein Fortgang unerwartet. „Sie wünschen sich, dass es so weitergeht wie bisher“, sagt er. Viele liebe Geschenke von Eltern und Kindern hätten ihn erreicht. Von Karten, Briefen und Bildern bis hin zu Bastelarbeiten. Ein Lächeln huscht dem 65-Jährigen über das Gesicht. „Das ist sehr rührend.“

Als ärztlicher Direktor des Kinderkrankenhauses Park Schönfeld und als Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Kassel hat Tegtmeyer schon viele Patienten begleitet. Einige seit über 20 Jahren. Oft sind sie chronisch oder schwerstkrank.

Viele Patienten sind ans Herz gewachsen

„Viele von ihnen sind mir sehr ans Herz gewachsen“, sagt Prof. Tegtmeyer. Er habe gesehen wie sie aufwachsen sind, wie ihre Eltern für ihre Gesundheit kämpften, als sie noch klein waren, und wie die Kinder selbst, je älter sie wurden, selbst Verantwortung für ihre Krankheit übernahmen.

In den 24 Jahren, die Tegtmeyer in Kassel lebt, ist einiges auf sein Engagement hin in der Kinderklinik geschehen. 1995 kam der gebürtige Duisburger nach Kassel ans Kinderkrankenhaus Park Schönfeld. Mit im Gepäck: das Ziel, die medizinische Versorgung für Kinder zu verbessern. „Kindermedizin galt damals als Stiefkind“, sagt er. „In den 90er-Jahren waren Erwachsene in der Versorgung bessergestellt als Kinder.“

Der Mediziner, zu dessen beruflichen Stationen auch die Unikliniken Mainz und Lübeck zählen, wollte es dabei nicht belassen. Kinder- und Jugendmedizin sollte mit anderen medizinischen Fachgebieten vernetzt werden, in der Hoffnung, so auch den Aufwand für Familien zu verringern. „Eltern sollten alles unter einem Dach finden.“ Das habe man in Teilen umsetzen können. Dennoch war Tegtmeyer bewusst, dass der Neubau einer Kinderklinik in Kassel nötig, nicht aber möglich am Standort Park Schönfeld war. Also übernahm er die Leitung der kindermedizinischen Angebote am Klinikum Kassel.

Innerhalb der Kindermedizin gut vernetzt

Nach fast zehn Jahren des Parallelbetriebs beider Standorte wurde Ende 2011 das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Kassel eröffnet. Innerhalb der Kindermedizin sei man besser vernetzt und auch ein enger Austausch mit weiteren Fachbereichen finde statt. „Das hat sich hier am Klinikum sehr gut entwickelt und das ist vielen zu verdanken“, sagt Prof. Tegtmeyer.

Mit dem Ruhestand macht Tegtmeyer nun einen Schnitt. Ein Nachfolger steht schon fest: Prof. Dr. Andreas Jenke, derzeit Chefarzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am evangelischen Krankenhaus Oberhausen (NRW), folgt im Februar.

„Ich möchte nun das machen, was immer zu kurz kam“, sagt Tegtmeyer. Viel Zeit für seine Familie und Freunde will er sich nehmen. Vier Kinder hat er, ein erstes Enkelkind ist schon da. Dann stehen Lesen, Reisen und Sport wie Laufen auf seiner Liste. Kassel bleibe er weiterhin verbunden. „Es ist ganz wunderbar, wie sich die Stadt entwickelt hat,“ sagt er.

Ganz Schluss mit der Medizin ist jedoch noch nicht. Als Professor an der Justus-Liebig-Universität betreut Tegtmeyer weiterhin Doktoranden.

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