Attraktion am Finkenherd

Aufwertung für die ganze Stadt: Surfer-Welle auf der Fulda in Kassel geplant

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Am Finkenherd: In diesem Bereich sollen auf einer künstlichen Welle bald Surfer auf der Fulda unterwegs sein. An welcher Stelle genau, das steht noch nicht fest.

Die Eisbachwelle in München ist eine Attraktion für Touristen und Einwohner gleichermaßen. Kassel könnte bald einen ähnlichen Anziehungspunkt am Fuldaufer bekommen.

Surfen auf der Fulda, das könnte am Finkenherd bald möglich werden. Marius Klauenberg, Vorsitzender des 1. Wellenreitvereins Kassel, spricht im Interview über die Besonderheiten und den Reiz einer innerstädtischen Surfmöglichkeit.

Herr Klauenberg, kann man sich als Kasseler dann bald den Urlaub an der Nordsee sparen?

Ja, wenn alles so läuft, wie wir das uns vorstellen, dann kann man sich tatsächlich bald die Reise zum Meer sparen und auf einer stehenden Welle in der Fulda surfen.

Wie muss man sich so eine Welle vorstellen?

Die Kasseler Welle soll ähnlich wie die Eisbachwelle in München sein. Allerdings um einiges ruhiger und sauberer und eben in einer geordneten Umgebung, was die Bedingungen angeht. Im Endeffekt wird Wasser angeströmt, das auf ein Hindernis trifft. So wird eine Welle erzeugt, auf der man dann endlos hin und her surfen kann.

Endlos?

Vielleicht nicht, was die Größe betrifft, aber was das Vorhandensein der Welle angeht. Wir wollen eine Fläche des Seitenarms am Finkenherd nutzen – in etwa sechs bis acht Meter. Genau wird man das aber erst sagen können, wenn die Machbarkeitsstudie vorliegt, die derzeit noch erstellt wird. Auch der genaue Standort steht noch nicht fest.

Welche Voraussetzungen sind dafür notwendig?

Es reicht, wenn fließendes Wasser auf stehendes Wasser trifft. Man braucht einen kleinen Höhenunterschied und eine gewisse Wasserströmung. Dadurch, dass die Strömung abgebremst wird, entsteht die surfbare Welle.

Wie stellt man sich das vor Ort vor?

Es wird dann von beiden Seiten Einstiegsmöglichkeiten geben. Geplant ist, dass sowohl Surfer als auch Wildwasserkanuten die Welle nutzen können. Die Surfer können dann von einer Plattform einsteigen, die Kanuten in einem Kehrwasser, also einem Bereich, indem sich die Strömung umkehrt, das heißt: stark verlangsamt.

Sehen Sie die Welle als Aufwertung für die Fulda?

Ich sehe das nicht nur als Aufwertung für die Fulda, sondern für die ganze Stadt. Ich denke, die Nähe zur Universität ist perfekt. Viele Studenten werden Interesse haben. Der Finkenherd wird bislang aus meiner Sicht oft unterschätzt. Wellenreiten ist ein Sport, der gerade explodiert und überall präsent ist. Surfen erfordert eigentlich eine riesige Reisebereitschaft. Gerade in Zeiten, in denen Reisen mit Blick auf den Klimawandel in der Kritik steht, ist Surfen vor der Haustür ein Gewinn. Man kann also ohne jegliche Klimaschädigung mitten in der städtischen Umgebung und der Nähe der Uni diesem Sport nachgehen.

Hat man denn dann wirklich das Gefühl, wie auf dem Meer zu surfen?

Das Gefühl ist tatsächlich fast wie auf dem Meer. Allerdings hat die urbane Welle den Vorteil, dass sie immer da und wind- und wetterunabhängig ist. Man startet quasi stehend in die Welle, im Meer paddelt man sie an. Auf der stehenden Welle ist Surfen außerdem unabhängig vom Alter noch schneller zu erlernen. Mein Wunsch wäre, dass sich hier der 60-Jährige vom Zwölfjährigen Tipps holt.

Ist die Welle für geübte Surfer dann auch eine Trainingsmöglichkeit?

Definitiv. Vor allem auch mit Blick darauf, dass Surfen im kommenden Jahr auch olympisch wird. Auf stehenden Wellen kann man junge Talente sichten. Bei der Deutschen Meisterschaft schneiden Eisbachsurfer aus München immer mit am besten ab. Man lernt, viel Gefühl für die Welle zu haben, was sich im Meer schnell umsetzen lässt.

Wer wird die Kasseler Welle nutzen können?

Jeder kann die Welle nutzen, unabhängig vom Alter. Mein Wunsch wäre, dass das Surfen dort auch kostenlos ist. Auf dem Eisbach in München ist es das auch. Deutschlandweit erleben künstliche Wellen derzeit einen Aufschwung, vieler Angebote mit riesigen Pumpensystemen und gekühlten Becken schießen aus dem Boden. Dort wird viel Energie benötigt, und eine Stunde kostet zwischen 35 bis 55 Euro.

Das wäre in Kassel dann anders?

Unser Plan ist es, die Fuldaströmung zu nutzen, sodass dafür eben keine Energiekosten entstehen. Die Strömung wäre an der Stelle auch ausreichend dafür.

Seit wann gibt es den Verein?

Den Verein gibt es seit ungefähr zwei Jahren. Mittlerweile haben wir gut 80 Mitglieder. Wir bieten, um die Fulda zu beleben, Stand-up-Paddling-Kurse an und haben für den Winter Surfskateboards organisiert. Ein festes Vereinsheim gibt es im Stadtgebiet allerdings noch nicht.

Kann man in der Region Wellenreiten?

Nein, in der Region kann man nur Windsurfen oder Wasserskifahren. Ich hab ein Semester in den Niederlanden am Meer studiert, da gehörte Surfen zum Alltag, das könnte ich mir auch mit der stehenden Welle auf der Fulda vorstellen. Da kann man dann mal eben von der Universität rüberlaufen.

Zur Person

Marius Klauenberg (30) ist in Kassel geboren und aufgewachsen. Über seine Freundin ist er vom Wasserskaten zum Wellenreiten gekommen und seitdem von der Sportart fasziniert. In einem Auslandssemester in den Niederlanden hat Klauenberg, erlebt, wie es ist, wenn man das Meer und Surfmöglichkeiten vor der Haustür hat, so kam die Idee für Kassel auf. Klauenberg studiert an der Uni Kassel Wirtschaftspädagogik und Sport. Er ist Vorsitzender des 1. Wellenreitvereins Kassel.

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