Promotion-Preisträger erfolgreich

Kasseler Firma Prosumergy sorgt für sauberen Mieterstrom vom Dach

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Verhelfen Mietern zu Strom vom eigenen Dach: Christopher Neumann und Lena Cielejewski. Unser Foto zeigt sie vor dem Haus Riedwiesen 47. Dritter im Bunde ist Daniel Netter. Hinzu kommen ein angestellter IT-Fachmann sowie studentische Aushilfen. 

Kassel. Eigenheimen und Gewerbe-Immobilien- Besitzer profitieren schon lange von Einspeisevergütung und den Verbrauch von günstigem Eigenstrom. Nicht so Mieter größerer Wohnhäuser.

Das ändert sich zusehends, denn immer mehr Mietergemeinschaften, Vermieter und Bürgerenergiegenossenschaften entdecken die Vorteile von Strom, der aus Anlagen auf ihren Wohnhäusern kommt – erst recht seit dem Inkrafttreten des Mieterstromgesetzes im Sommer 2017, das Erzeugung von Ökostrom auf dem eigenen Dach und Eigenverbrauch zusätzlich begünstigt.

Allerdings unterliegen Planung, Bau und Betrieb derartiger Anlagen sowie die Vermarktung des so gewonnenen Stroms einer komplexen Regulatorik und hohen technischen Auflagen, was die meisten Mieter überfordert. In diese Lücke ist die Prosumergy GmbH gestoßen und leistet seit fast zwei Jahren bundesweite Pionierarbeit.

Das kleine Kasseler Unternehmen, das beim Gründerwettbewerb Promotion Nordhessen 2017 den vierten Platz belegte und zusätzlich einen Sonderpreis abräumte, plant die Mieterstromanlagen, lässt sie von Partnern bauen und betreibt sie anschließend als Versorger. Mieter, die freiwillig Vertragskunde von Prosumergy werden, profitieren von einem günstigeren Strompreis, weil etwa ein Drittel des Jahresverbrauchs aus der Anlage vom eigenen Dach stammt.

Nach Angaben von Prosumergy-Mitgründer Christopher Neumann liegt die jährliche Ersparnis der acht Haushalte in dem neuen Wohngebäude der Erbbau-Genossenschaft in den Riedwiesen 47 bei etwa 100 Euro je Haushalt. Die Bewohner müssen sich – wie bei anderen Versorgern auch – um nichts kümmern. Die gesamte Abrechnung übernimmt Prosumergy.

Etwa 20 Projekte haben Neumann und dessen Partner Lena Cielejewski und Daniel Netter bereits umgesetzt. Eine ganze Reihe weiterer befindet sich in Planung. Und leben können die jungen Gründer auch schon von ihrer Arbeit, wenn auch auf „niedrigem studentischen Niveau“, wie Neumann erklärt.

Aber die drei Absolventen der Kasseler Uni, die Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftspolitik beziehungsweise Ingenieurwesen mit Schwerpunkt Erneuerbare Energien studiert haben, sind sicher, dass ihre Geschäftsidee großen Potenzial hat und sich durchsetzt. Zumal sie nach eigenen Angaben der einzige Anbieter vergleichbarer Leistungen sind, der komplett unabhängig von Anlagenherstellern und Versorgern arbeite, die natürlich die eigenen Produkte vermarkten wollten.

So kooperiert Prosumergy laut Cieleweski mit wechselnden Anbieter. „Wir wählen immer den Partner aus, der am günstigsten für die Mieter ist“, sagt die junge Frau. Das sei von Fall zu Fall und regional sehr unterschiedlich. Manche Stadtwerke stünden ihrer Geschäftsidee sehr aufgeschlossen gegenüber, andere nicht.

Mehrere Eigentümermodelle

Im Falle der Riedwiesen gehören Haus und Anlage der Erbbau-Genossenschaft. Es gibt aber auch Modelle, bei denen sich die Anlage im Besitz der Prosumergy GmbH befindet – in Niestetal und Frankfurt. Ein weiteres Modell ist, dass die Anlage einer Bürgerenergiegenossenschaft gehört, die die Dachfläche anmietet. Wie auch immer, das junge Kasseler Unternehmen plant, betreibt, wartet und rechnet ab. Und längst gehen die jungen Gründer, die demnächst vom Inkubator-Gebäude der Uni in der Gottschalkstraße in den Science Park umziehen, einige Schritte weiter.

Die Solaranlagen lassen sich mit Wärmepumpen, Speichertechnik, Ladestationen für Elektroautos und Blockheizkraftwerken für die Wärmegewinnung kombinieren. Das neue Haus in den Riedwiesen hat auch gesellschaftlich Modellcharakter. Es ist barrierefrei und damit seniorengerecht. Die Bewohner sind zwischen Anfang 60 und über 80 Jahre. 

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