"Braumanufaktur Steckenpferd"

Studenten gründen Brauerei: Kassel bekommt handgemachtes Bier

Ihr Steckenpferd: Bier brauen. Erik Schäfer (links) und Johannes Alt wollen bald mit ihrer eigenen Kleinbrauerei durchstarten – und Craft Beer in Kassel anbieten. Foto: Dittrich

Kassel. Zwei Kasseler Studenten wollen auf den Trend zu selbstgemachtem Bier aufspringen: Unter dem Namen Braumanufaktur Steckenpferd wollen sie mit einer eigenen kleinen Brauerei durchstarten.

Die beiden Studenten heißen Erik Schäfer und Johannes Alt. Und Räume haben sie für ihre Brauerei schon: eine alte Metzgerei im Stadtteil Wesertor.

„Mit Bier sind viel komplexere Geschmacksnoten möglich als mit Wein“, erklärt Schäfer selbstbewusst. Alleine 120 Hopfensorten seien als Basiszutat für Bier nutzbar, von speziellen Gär- und Brautechniken ganz zu schweigen, erklärt der 28-Jährige.

Dabei fing bei den beiden Studenten, die sich seit zweieinhalb Jahren kennen, alles in der gemeinsamen Küche an, erzählt Schäfer: „Wir kochen beide sehr gern.“ Daraus sei die Idee entstanden, auch mal Bier zu brauen. „Das war aber irgendwie ziemlich aufwendig“, erinnert sich Alt - zumindest für die geringen Mengen, die auf dem heimischen Herd möglich waren. Die Idee, größere Töpfe zu kaufen, empfanden die beiden als unverhältnismäßig teuer - außerdem fehlte der Platz.

„Die alte Metzgerei stand schon länger leer“, erinnert sich Schäfer. Mit ihren Ersparnissen mieteten sie im Oktober die Räume in der Kastenalsgasse, die ideal für ihr Vorhaben sind, denn Kühlräume und Arbeitsbereich sind bereits vorhanden.

Aus dem Verkaufsbereich soll später ein kleiner Gastronomiebereich für Verköstigungen werden - dafür muss nur die alte Verkaufstheke raus. So weit es geht, wollen die beiden Studenten alles selbst bauen - erste Sitzgelegenheiten haben sie schon zusammengeschraubt. „Es ist noch viel zu tun“, sagt Schäfer, „aber in den nächsten Monaten passiert hier noch einiges.“

Die Brauanlagen wollen sie ebenfalls selbst bauen - dafür ist der 30-jährige Alt zuständig, der erneuerbare Energien studiert hat. Gebraut wird mit möglichst wenig Technik, handwerklich, in kleinen Mengen, mit besonderen Zutaten. Eine erste eigene Biersorte haben sie schon vorzuweisen: Ein Ale mit einem Zitrushopfen - geschmacklich ähnelt es einem Alster.

Neben dem eigenen Gastronomiebereich hoffen die beiden Studenten vor allem auf Restaurants und Kneipen, die das Spezialbier als regionales Produkt anbieten. „Wir sind mit einigen Wirten im Gespräch und haben bereits viele positive Rückmeldungen erhalten“, erklärt Schäfer, der einen Abschluss in bildender Kunst hat und derzeit visuelle Kommunikation studiert.

Eines wollen die beiden garantiert nicht: billiges Bier, das so schmeckt wie jede andere Sorte, die es bereits gibt. Alt: „Wir haben Bock zu experimentieren.“

Hintergrund

Als Craft Beer wird handwerklich gebrautes Bier bezeichnet. Das Bier wird für gewöhnlich nur in kleinen Mengen und mit ausgewählten Zutaten gebraut. Damit werden neue Varianten abseits der gewöhnlichen Biersorten und der üblichen Brautechniken ausprobiert. Die Bandbreite reicht von sehr starken, dunklen und bitteren Bieren bis hin zu leichten Sorten mit wenig Kohlensäure. Auch Biersorten abseits des deutschen Reinheitsgebotes, also mit Zusätzen wie Kaffee, Kakao oder mehr, sind auf dem Markt. Aufgrund der geringen Mengen macht sich Craft Beer aber auch im Preis bemerkbar: Das Spezialbier liegt preislich über einem normalen Pils. Als Ursprungsland für das Craft Beer gelten die USA, inzwischen ist der Trend auch in Deutschland angekommen. Auch die Hütt Brauerei bietet Craft Beer an. (bdi)

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