Neugründung Revolute

Kasseler Start-up-Unternehmen "Revolute" will den Getriebebau revolutionieren

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Wollen mit ihrer Entwicklung den Getriebebau revolutionieren (von links): Patrick Harms und Daniel Schlereth. Allerdings gibt es bislang nur ein Modell und Computer-Animationen. 

Kassel. Mit einem völlig neuen Ansatz könnten fünf junge Leute aus Kassel für einen tiefgreifenden Umbruch  den Getriebebau sorgen. 

Fünf junge Männer aus Kassel und Umgebung schicken sich an, den Getriebebau zu revolutionieren, weshalb sie ihre Entwicklung und das in Gründung befindliche Unternehmen kurz Revolute getauft haben. Im Frühjahr räumte das Team um Logistik-Manager Patrick Harms (32) und Maschinenbauer Daniel Schlereth (31) den zweiten Preis beim Gründerwettbewerb Promotion Nordhessen ab und kassierte 9000 Euro. Zum Team gehören ferner die drei Maschinenbau-Doktoranden Jakob Glück, Adam Fros und Sascha Haase.

Die Entwicklung der jungen Tüftler klingt so unglaublich wie sensationell. Ihr Getriebe ist um die Hälfte leichter und preiswerter als herkömmliche Produkte, nimmt zwei Drittel weniger Raum ein und kommt mit nur einem Drittel der Bauteile aus. Weil diese Antriebskomponente zu den teuersten Bauteilen an einem Auto gehört und deutlich weniger Gewicht und Platzbedarf eine kompaktere Konstruktion ermöglichen, könnte die Entwicklung aus Kassel sehr attraktiv für Autobauer sein.

Keine Hydraulik

Wie das alles funktioniert? Statt aufwendiger Hydraulik-Technik arbeitet die Entwicklung von Revolute mit kleinen, elektrischen Stellmotoren, wodurch sich eine andere Anordnung der Zahnränder ergibt und deren Zahl dadurch erheblich auch reduziert werden kann. Im Modell funktioniert das Getriebe laut Harms gut. Den Beweis, dass es auch in der Praxis läuft, muss das Quintett aus Kassel aber erst noch antreten.

Derzeit verhandeln die jungen Tüftler mit mehreren Autobauern. Am weitesten sind die Gespräche mit Volkswagen gediehen. „Der Kontakt entwickelt sich sehr positiv“, sagt Harms. Das größte Problem von Revolute sind die Finanzen. Denn der Bau von Prototypen und Nullserien sowie aufwendige Versuche auf Prüfständen und Praxiserprobung sind extrem teuer. „Ohne einen starken Partner kriegen wir das nicht hin“, so Harms. Selbst kleinste Entwicklungsschritte kosteten enorme Summen, „die wir nicht stemmen können“.

Auch für Busse und Lkw

Die Neuentwicklung aus Kassel eignet sich laut Harms nicht nur für Pkw in all seinen Variationen (Verbrenner, Hybride und reine Elektroautos), sondern auch für Lkw, Busse und Baumaschinen.

Und warum sind die großen Auto- und Getriebebauer mit ihren Entwickler-Armeen angesichts der hohe Sparpotenziale, des erheblichen niedrigeren konstruktiven Aufwands und der Ressourcenschonung nicht selbst auf die Idee gekommen, Hydraulik durch elektronisch gesteuerte Stellmotoren zu ersetzen?

Auf Bewährtes gesetzt

Harms weiß es auch nicht genau, vermutet aber, dass die Entwickler der Autoindustrie zu lange an einer Technik festgehalten haben, die aus den 1960er-Jahren stammt. Zwar seien die Getriebe immer weiter entwickelt worden, das technische Prinzip der hydraulischen Steuerung sei aber unverändert geblieben. „Das würden wir gern ändern“, sagt der Kasseläner Logistikexperte und hofft auf Unterstützung aus der heimischen Autoindustrie.

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