SPD-Politiker erlag einem Krebsleiden

Kümmerer vom Wesertor: Ortsvorsteher Gerhard Franz ist gestorben

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Er hatte ein Herz für das Wesertor: Gerhard Franz war 25 Jahre lang im Ortsbeirat aktiv und davon 13 als Vorsitzender. Er hat die positive Entwicklung des Stadtteils mitgeprägt. Unser Foto entstand im Jahr 2003.

Gerhard Franz war nicht nur in seiner Funktion als langjähriger Ortsvorsteher des Wesertors ein wahrer Kümmerer. Am Dienstag ist er im Alter von 72 Jahren an Krebs gestorben.

Er war ein Sozialdemokrat alter Schule, der die Ehrenbezeichnung „Stadtältester“ trug. Der Stadtteil Wesertor, in dem Franz fast 50 Jahre lebte, hat ihm eine Menge zu verdanken. Nicht zuletzt die Fußgängerampel, die in den nächsten Tagen an der Weserstraße aufgestellt wird, geht auf seine Initiative zurück. Aber auch für die Umgestaltung der Bleichwiesen in eine Parkanlage, der Kinderbauernhof und der Bürgipark waren ihm Herzensanliegen, in die er viel Zeit und Kraft investierte.

Das „Urgestein der SPD“, wie ihn der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Dietmar Bürger nennt, führte 13 Jahre lang den Ortsbeirat und hat dank des Förderprogramms „Soziale Stadt“ den Ruf des Stadtteils verbessert.

In seiner Funktion scheute er nie den Konflikt. So legte er sich auch mit der Rathausführung an – etwa als es um den Trinkraum an der Kurt-Schumacher-Straße ging. Dabei war er zwar hart in der Sache, aber immer fair im Ton.

Als er 2014 als Ortsvorsteher zurücktrat, ließ er es aber auch nicht ruhig angehen. Denn als Ortsgerichtsvorsteher war er weiterhin gefragt.

Franz wurde 1946 in Wabern (Schwalm-Eder-Kreis) geboren, wo er auch aufwuchs. Er begann in Kassel eine Brauer-Lehre bei der damaligen Herkules-Brauerei, die 1972 von Binding übernommen wurde. Mit seiner Frau, mit der er zwei Töchter bekam, zog er schließlich nach Kassel ins Wesertor.

Als Betriebsratsvorsitzender von Binding versuchte er lange die Schließung des Kasseler Standortes abzuwenden, die 1999 doch kam.

„Franz war ein großer Kämpfer und Kümmerer“, sagt der Landtagsabgeordnete Wolfgang Decker (SPD) über seinen Genossen und Weggefährten. Er habe auch seine Krankheit mit Fassung getragen und die Hoffnung nie aufgegeben.

Den Ausgleich fand Franz in der Familie, den drei Enkeln und im Kleingartenverein Schützenplatz, dessen Vorsitzender er lange war.

Als „zuverlässigen und höchst sympathischen Genossen und ehrlichen Gefährten“, bezeichnet Stadtrat Hendrik Jordan seinen Freund. Gerade dessen Ehrlichkeit finde man nicht oft.

Wie pflichtbewusst Franz war, beschreibt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Bürger. Als er ihm vor drei Wochen gemeinsam mit Decker und Jordan die Willy-Brandt-Medaille für verdienstvolle Sozialdemokraten überreichte, sprach dieser davon, dass er unbedingt noch einen Brief aufsetzen müsse, um vom Amt als Ortsgerichtsvorstehers zurückzutreten.

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