Verkehr

Neue Radwege in Kassel sorgen für Diskussionen

Radwege in Kassel
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Die neuen Radwege in Kassel rufen sowohl Lob als auch Kritik hervor. (Symbolfoto)

In Kassel erntet der Bau eines neuen Radweges sowohl Lob als auch Kritik. Insbesondere die Trennung von Rad- und Fußweg wird bemängelt.

Kassel – Vor zwei Wochen wurde der Umbau der Kreuzung Katzensprung und der Kurt-Wolters-Straße abgeschlossen. Verbesserungen hatte die Stadt beim Umbau vor allem für Radfahrer versprochen.

Doch die Rad-Lobby sowie Angehörige der Hochschule, die diese Strecke oft fahren, äußern neben Lob auch Kritik am Ergebnis.

Kassel: „Wirklich große Verbesserung“ - Neuer Radweg am Katzensprung erntet Lob

Mehrheitliches Lob gibt es für den Umbau der Kreuzung Katzensprung. „Das ist wirklich eine große Verbesserung, die Radverkehrsfurten sind echt gut“, sagt Thomas Hofmann vom Radentscheid Kassel. Auch wenn er es noch besser gefunden hätte, wenn die Aufstellflächen für Fußgänger und Radfahrer vor den Ampeln getrennt worden wären. „So lassen sich Konflikte vermeiden. Am Altmarkt wurde das so umgesetzt“, sagt Hofmann.

Lob für getrennten Rad- und Fußweg in Kassel: Allerdings wird dieser nicht über die komplette Länge der Kurt-Wolters-Straße durchgehalten. Dafür bietet er Radfahrern und Fußgängern viel Platz.

Als gelungen bezeichnet Robert Wöhler, Vorsitzender des ADFC Kassel, die getrennten Fuß- und Radwege entlang der Kurt-Wolters-Straße. Dies sei auch die Forderung des ADFC gewesen. „Die Radwege sind asphaltiert und der Gehwegbereich ist mit Pflaster versehen. Durch eine optische und haptische Trennung können Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern verhindert werden. Dies sollte zum Standard in Kassel werden“, sagt Wöhler.

Radentscheid und ADFC sind zudem froh, dass der neue Radweg zwischen Katzensprung und Einmündung „An der Ahna“ in beide Richtungen befahren werden darf. Viele Studenten und Mitarbeiter der Hochschule würden diesen Weg täglich in beide Richtungen nutzen. Ein Wechsel der Straßenseite sei unnötig aufwendig. Auch Prof. Jan Hemming vom Institut für Musik, der die Strecke regelmäßig fährt, hält diese Entscheidung für wichtig.

Kassel: Keine klare Trennung von Rad- und Fußweg stößt auf Kritik

Kritik gibt es von Radentscheid und ADFC dafür, dass der getrennte Rad- und Fußweg nicht auf der kompletten Länge der Kurt-Wolters-Straße umgesetzt wurde. In Höhe der Straße „An der Ahna“ werden Radfahrer auf einen gemischten Fuß-/ Radweg geführt, der bis kurz vor den Holländischen Platz reicht (Markierungen auf Asphalt sind ausgewaschen), sich dann aber verliert.

Nur ein schmaler Fußweg: Auf der südlichen Seite vor der Schule am Wall (Kassel) fehlt der Radweg völlig.

Gleiches Stückwerk gibt es auf der Gegenseite. Nur zwischen Einmündung Artilleriestraße und Katzensprung gibt es einen getrennten Rad- und Fußweg. Davor befindet sich ein kurzes Stück Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Auf den 200 Metern bis zum Holländischen Platz gibt es für Radfahrer überhaupt keine Infrastruktur. Viele Radfahrer schlängeln sich über den schmalen Fußweg, weil ihnen die Fahrbahn zu gefährlich ist, berichtet Jan Hemming von der Uni. Aus Sicht von ADFC und Radentscheid wurde es versäumt, diese Lücke im Zuge des Umbaus zu schließen. „Wir haben das schon vor anderthalb Jahren kritisiert“, sagt Hofmann vom Radentscheid.

Kurzes Stück Radfahrstreifen: Auf 100 Metern auf der südlichen Seite kurz vor der Artilleriestraße in Kassel.

Wegen Nähe zur Uni in Kassel: ADFC fordert Umbau des Gehwegs

ADFC und Radentscheid fordern den Gehweg an der Weserstraße (vor Autoverleih Sixt), der auch für Radfahrer in beide Richtungen freigegeben ist, zügig umzubauen. Dieser Abschnitt werde stark genutzt und sei entsprechend konfliktträchtig.

Prof. Hemming ist es ein Anliegen, dass der Holländische Platz grundsätzlich angegangen wird. Es sei eine Zumutung, dass Radfahrer die Unterführung nutzen müssten. Es handele sich nicht um irgendeine Kreuzung, sondern durch die Nähe zur Uni um eine, die von hunderten Radfahrern täglich genutzt werde. Man könne hier nicht viele Jahre warten, bis klar sei, ob eine Straßenbahnanbindung nach Harleshausen gebaut wird. Diese hätte nämlich Einfluss auf die Gestaltung der Kreuzung.

So reagiert die Stadt Kassel auf die Kritik und die Forderungen

Die Stadt verweist auf die ursprüngliche Planung des Bauvorhabens. Zunächst sei nur die Neugestaltung der Kreuzung Katzensprung selbst enthalten gewesen. „Während der Planungsbearbeitung wurde entschieden, auch die Radverkehrsanlagen in der Kurt-Wolters-Straße bis zur Straße „An der Ahna“ zu verbessern, um eine Anbindung an die Universität und die Artilleriestraße zu gewährleisten“, so ein Stadtsprecher. Man könne einzelne Projekte während der Bearbeitung nicht immer weiter vergrößern, weil man sonst nie ins Bauen käme. Ziel sei es gewesen, den Katzensprung so schnell wie möglich umzubauen.

Der Knotenpunkt Holländischer Platz mit seinen Zufahrten sei separat zu betrachten, so der Sprecher weiter. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass in den Planungen für eine Tram nach Harleshausen eine Variante über den Holländischen Platz führe. Dies alles müsse bei der Planung von Radwegen berücksichtigt werden.

Stadt Kassel plant weitere Umbauten - Grunderwerb der Grundstücke erforderlich

Zur Frage, warum am Katzensprung keine getrennten Aufstellflächen für Radfahrer und Fußgänger geschaffen wurde, teilt die Stadt mit: „Im Bereich der Ahnabrücke ist kein Platz für getrennte Aufstellflächen.“ Im Sinne einer einheitlichen Gestaltung der Kreuzung sei daher entschieden worden, komplett auf Mischflächen zu setzen.

In der Weserstraße sei geplant, auf der östlichen Seite einen Zweirichtungsradweg und einen separaten Gehweg anzulegen. „Für die Maßnahme ist Grunderwerb von den angrenzenden Grundstücken erforderlich, weil der alternativ denkbare Rückbau einer Fahrspur mit Blick auf die Kfz-Verkehrsstärken und die Funktion der Weserstraße als Bundesstraße nicht realistisch erscheint“, so der Sprecher. Die Eigentümer hätten noch nicht über einen Verkauf entschieden. (Bastian Ludwig)

In einem weiteren Stadtteil von Kassel sorgt ein plötzlich endender Radweg für Gefahr im Straßenverkehr.

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