Die ungewöhnliche Laufbahn einer Konditormeisterin in Kassel

Manufaktur für Torten und Gebäck hat am Kasseler Pferdemarkt neu eröffnet

+
Hier entstehen Köstlichkeiten: Konditormeisterin Veronika Mühlenberend in ihrer Torten- und Patisseriemanufaktur „210 Grad“ am Pferdemarkt. Aus den früheren Räumen eines Pflegediensts ist eine komplett ausgestattete Backstube geworden. 

Kassel. An den Fenstern des neuen Geschäfts am Pferdemarkt 16 drücken sich viele Passanten die Nasen platt: Die kunstvollen Torten, Petits Fours und Macarons, die Konditormeisterin Veronika Mühlenberend dort in ihrer Backstuben-Werkstatt herstellt, machen schon beim Anschauen Appetit.

„Viele bedauern, dass ich hier kein kleines Café mit Verkauf betreibe“, sagt die gebürtige Ungarin. Doch die Idee der Gründerin ist eine andere.

Nur auf Bestellung produziert Veronika Mühlenberend mit Handwerkskunst und viel Liebe zum Detail ihre süßen Kunstwerke – etwa für Familienfeiern, Hochzeiten und andere Festlichkeiten. Alles wird frisch und aus hochwertigen Zutaten produziert, bis in 50 Kilometer Umkreis liefert die Gründerin ihre Kreationen aus.

Über nahezu jeden Kundenwunsch lässt die 43-Jährige mit sich reden, doch bei der Qualität mag sie zugunsten eines günstigeren Preises nur bedingt Kompromisse machen. Dafür hat Mühlenberend zu hart für ihre ungewöhnliche Laufbahn gearbeitet.

Nachdem ihr ungarischer Ökonomie-Abschluss nicht in Deutschland anerkannt wurde, hat sie an der Uni Kassel noch mal ein komplettes BWL-Studium drangehängt und anschließend eine Zeit bei SMA gearbeitet, bevor sie sich mit Ende 30 entschied, ihrem Leben noch einmal eine ganz andere Richtung zu geben: „Die Büroarbeit war letztlich nichts für mich. Ich habe aber schon immer leidenschaftlich gern gebacken.“

Zum Anbeißen: So zum Beispiel sieht ein Süßer Tisch aus, der von Veronika Mühlenberend nach Kundenwunsch samt kompletter Deko konzipiert wird. 

Es folgten 20 Monate Lehrzeit beim Kasseler Konditormeister Klaus Nenninger, den sie als Profi und als Mensch verehrt, dann die Gesellenprüfung als Innungsbeste und schließlich binnen nur eines halben Jahres auch der Meisterbrief.

Den Pferdemarkt hat sich die zielstrebige Frau für ihre Gründung ausgesucht, weil sie dort zu Studienzeiten wohnte, das Viertel liebt und an dessen Zukunft glaubt. Ihre Torten- und Patisseriemanufaktur habe sie eigentlich „180 Grad“ nennen wollen, erzählt sie – doppeldeutig lesbar als Ofentemperatur und für die 180-gradige Wende in ihrem Lebenslauf. „Aber dieser Name war als Internet-Adresse schon belegt.“ So sind es nun 30 Grad mehr geworden: „210 Grad“ steht auf Türschild und Visitenkarten.

Einen Namen machen möchte sich die Konditormeisterin mit einem Trend, der in Kassel bisher noch nicht so richtig angekommen ist: Sie bietet Komplett-Konzepte für sogenannte Süße Tische (Sweet tables) bei Festlichkeiten an. Das ist eine üppig dekorierte Tafel mit einer Vielfalt süßer und auch herzhafter Konditoreiprodukte inklusive Blumenschmuck und farblich abgestimmter Deko. Nach einer Vorbesprechung wird alles am Pferdemarkt gebacken und dann direkt am Fest-Ort der Auftraggeber aufgebaut – ein Werk von durchschnittlich drei Tagen Arbeit.

Das hat auch einen gewissen Preis. Veronika Mühlenberend setzt darauf, dass sie mit Qualität überzeugen kann: „Ich möchte, dass die Leute meinen Stil kennenlernen.“

Weitere Infos hier: www.210grad.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.