Verein stellte sich der Diskussion im Ortsbeirat – Kritik an der Stadt

Die Moschee im Wesertor ist willkommen

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Nur Schilder weisen auf die Moschee hin: Das Gebäude am Franzgraben soll mit Minaretten ergänzt werden, sobald der türkische Kulturverein genügend Geld zusammen.

Wesertor. Die fast fertiggestellte Moschee im türkischen Kulturzentrum ATIP am Franzgraben scheint – anders als vor Jahren die Errichtung des islamischen Gotteshauses in Oberzwehren – im Wesertor keine Diskussionen auszulösen. Im Ortsbeirat gab es jedenfalls keine Kritik an dem Vorhaben, auch nicht von Seiten der wenigen Besucher.

„Der Standort scheint mir ziemlich gelungen“, sagte Armin Schreier, stellvertretender Ortsvorsteher (Grüne). Auch die von dem Trägerverein geplanten Minarette, die bis zu 20 Meter hoch werden können und laut dem Verein rein symbolische Funktion haben sollen, lösten kaum Besorgnis aus. Kritik musste nur die Stadt einstecken. Der Ortsbeirat sei über dieses sensible Projekt viel zu spät informiert worden, sagten mehrere Gremiumsmitglieder.

Aus Insolvenzmasse gekauft

Der ATIP-Verein hatte Grundstück und Gebäude am Franzgraben vor einem Jahr aus einer Insolvenzmasse erworben und war von seinem zu eng gewordenen Domizil an der Josephstraße dorthin umgezogen. Muammar Saygili vom Vorstand des Vereins stellte das Projekt vor. Geplant sei ein Hochzeitsraum für 350 Gäste, der auch als Mehrzweckraum dienen solle. Daneben werde es getrennte Gebetsräume für Männer und Frauen, Werkstätten, eine Teestube und Unterrichtsräume sowie Zimmer, die an Studenten vermietet werden sollen, geben. Insgesamt investiere der Verein 800.000 Euro, die durch einen Bankkredit und Spenden aufgebracht würden.

Das Kulturzentrum werde ein offenes Haus sein, sagte Saygili. „Wir würden uns freuen, wenn auch andere Gruppen den Mehrzweckraum anmieten“, erklärte er.

Wegen der hohen Kosten sei derzeit der Bau der Minarette nicht möglich. Wenn es zum Bau komme, würden diese nur „symbolischen Charakter“ haben, versicherte Saygili. Zugleich betonte er, es gebe unter den 170 Vereinsmitgliedern (zuzüglich der Familienangehörigen) viele, denen die Minarette als sichtbarer Ausdruck ihrer islamischen Religion wichtig seien.

Ängste vor der Errichtung einer „Parallelgesellschaft“ in dem Kulturzentrum, wie sie mehrfach im Internet geäußert worden seien, seien unbegründet.

Carsten Onderka, Leiter des integrativen Jugendprojekts in der benachbarten Freestyle-Halle, bekundete allerdings gewisses Unbehagen über die Minarette. Das Jugendprojekt sei überkonfessionell.

Mit dem Kauf des Grundstücks am Franzgraben ist der ATIP-Verein auch Vermieter der Freestyle-Halle geworden. ATIP beabsichtige, die Vermietung fortzuführen, sagte Saygili.

Man sei sogar in Gesprächen, die Nutzung der Halle durch die Jugendlichen auf eine langfristige Basis zu stellen.

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