"Moskauer Circus"

Tiger in der Manege: Kasseler Tierschützer ruft zu Zirkus-Boykott auf

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Tiger mit Zirkusdirektor: Fernando Frank verteidigt den Auftritt der Raubkatzen in dem "Moskauer Circus".

Karsten Plücker, Leiter des Kasseler Tierheims Wau-Mau-Insel, rät von einem Besuch des "Moskauer Circus" ab. Grund: Zu dem Zirkus gehören auch fünf Tiger. 

Überall in der Stadt hängen Plakate, die für den „Moskauer Circus“ werben, der ab Donnerstag auf einem Platz an der Wilhelm-Speck-Straße im Stadtteil Wesertor gastiert. Und auf den Plakaten sind Tiger abgebildet, die in dem Zirkus auftreten.

Karsten Plücker, Chef des Tierheims

Drei Jahre lang habe im Stadtgebiet Kassel kein Zirkus mit Wildtieren gastiert, sagt Karsten Plücker, Chef des Tierheims Wau-Mau-Insel. „Und das ist auch gut so, denn in zahlreichen Städten Deutschlands und vielen europäischen Ländern sind Wildtiere im Zirkus mittlerweile verboten.“ Umso mehr kritisiert er das aktuelle Gastspiel und ruft zum Boykott auf. Kasseler Bürger sollten die Tierquälerei in Zirkussen nicht durch einen Besuch unterstützen, erklärt Plücker in einer Pressemitteilung. Er betont, dass es ihm nicht um ein Verbot von Zirkussen im Allgemeinen, sondern lediglich um die nicht artgerechte Haltung von Tieren in „Zirkusunternehmen wie dem Moskauer Circus“ gehe.

„Ich lache darüber, das ist die beste Werbung für uns“, sagt Fernando Frank am Mittwochnachmittag beim Aufbau des „Moskauer Circus“. Er sei der Leitende Direktor des Zirkus, die richtigen Chefs kämen aus Russland. „Ein deutsches Unternehmen baut für die Russen auf“, erklärt Frank die Strukturen.

Moskauer Circus - Tiere in der Manege

Er weist die Kritik des Tierschützers zurück. Alle fünf Tiger, die mit dem Zirkus leben, seien auch hier geboren. Die Tiere würden in der Manege nur das machen, was sie in der Natur machen würden. „Sie müssen auch nicht mehr durch Feuerreifen springen. So wie früher“, sagt Frank.

Davon abgesehen, dass es den drei weißen und den zwei braunen Tigern in dem Zirkus gut gehe, wollten viele Menschen Wildtiere im Zirkus sehen. „Bei uns in Russland würde sich niemand über Wildtiere im Zirkus aufregen. Die gehören dazu“, sagt Frank.

Die Nachfrage sei aber auch in Kassel überaus groß. „Wir haben schon viele Karten verkauft und die Telefone laufen heiß“, sagt Frank. Deshalb habe man sich auch dazu entschieden, das Gastspiel um ein weiteres Wochenende zu verlängern. Ein Veterinär der Stadt sei schon vor Ort gewesen, um sich die Tiere anzusehen. Neben den Tigern gibt es noch Hunde und Ponys.

Zirkus in Kassel mit Tieren

Apropos Stadt: In Kassel gab es schon vor Jahren Bestrebungen, ein Wildtierverbot durchzusetzen. Ohne Erfolg. „Ein allgemeines Verbot, solche Tiere auftreten zu lassen, ist derzeit rechtlich nicht möglich“, so Stadtsprecher Michael Schwab. Derzeit dürfen in Kassel Wildtiere in Zirkussen auftreten, wenn die Vorgaben nach dem Hessischen Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie nach dem Tierschutzgesetz eingehalten werden. Dies werde von den zuständigen Fachbereichen der Stadtverwaltung in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft. 

Vor einem Jahr sorgte das Festival der Artisten Flic Flac für Aufsehen: Eine Nummer mit Hunden und Pferd war nach heftiger Kritik und sogar Drohungen abgesagt worden. Am Ende fand die Show nur mit menschlichen Artisten statt.

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