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Nolda: Autofrei-Versuch am Stern war ein Erfolg

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Von: Axel Schwarz

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Vier Wochen lang keine Autos: Im September vorigen Jahres war die Untere Königsstraße zwischen Stern und Uni vorübergehend verkehrsberuhigt worden, um eine mögliche Verlängerung der Fußgängerzone zu testen. Archi
Vier Wochen lang keine Autos: Im September vorigen Jahres war die Untere Königsstraße zwischen Stern und Uni vorübergehend verkehrsberuhigt worden, um eine mögliche Verlängerung der Fußgängerzone zu testen. Archi © Axel Schwarz

Im September 2021 wurde die Untere Königsstraße zwischen Stern und Uni für vier Wochen zur Fußgängerzone auf Probe. Für das Verkehrsexperiment liegt nun eine Auswertung vor

Kassel – Vier Wochen lang keine Autos zwischen Stern und Holländischem Platz, dafür Kulturangebote, Café- und Kneipentische auf der Fahrbahn, die Radlern und Fußgängern vorbehalten war – dieses Verkehrsexperiment fand im September vorigen Jahres statt. Jetzt liegt eine umfangreiche Auswertung vor, die nach Angaben der Stadt Kassel positiv ausgefallen ist und Chancen für eine künftige Aufwertung der Problem-Meile bietet. Vielen gilt sie als sozialer Brennpunkt mit hoher Kriminalitätsrate.

In Kooperation mit Stadt, Uni und vielen weiteren Akteuren hatte das Kultur- und Beteiligungskollektiv Raamwerk rund 70 Attraktionen und Aktivitäten an der verkehrsberuhigten Unteren Königsstraße auf die Beine gestellt. Gastronomen weiteten ihre Tische auf den Straßenraum aus. Nur Straßenbahnen und zu bestimmten Zeiten Lieferverkehr waren dort zugelassen. Für einen begrenzten Zeitraum sollte ausprobiert werden, ob die Untere Königsstraße ab dem Stern als Verlängerung der Fußgängerzone und als Brücke zwischen Innenstadt und Uni-Campus entwickelt werden kann.

Vier Wochen lang wurde beobachtet, wie sich die Sperrung auf das umliegende Straßennetz der Innenstadt auswirkt. Dazu wurden zu bestimmten Tageszeiten die durchschnittliche Fahrtzeit auf einzelnen Abschnitten protokolliert und mit den entsprechenden Werten aus 2019 und 2020 verglichen. Die Analyse hat laut Stadtbaurat Christof Nolda gezeigt, „dass die Verkehrsberuhigung zu keinen bedeutenden Auswirkungen auf das Gesamtnetz“ geführt habe, der Verkehr mit anderen Worten also weitgehend störungsfrei geflossen sei. Mit der Analyse habe sich bereits der Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität und Verkehr des Stadtparlaments befasst.

Mit mehreren Befragungen vor, während und nach dem Verkehrsexperiment hatten die Initiatoren die Meinung von Passanten, Anwohnern und geschäftlichen Anliegern abgefragt. Letztere hatten im Vorfeld Bedenken mit Blick auf ihre Erreichbarkeit geäußert, bei der Abschluss-Befragung gab jeder zweite Gewerbetreibende an, sich die Untere Königsstraße als dauerhaft verkehrsberuhigt vorstellen zu können. Von den anderen befragten Gruppen wurde eine solche Perspektive weit überwiegend begrüßt.

Stadtbaurat Nolda sprach von inspirierenden und wertvollen Erfahrungen, die der Verkehrsversuch erbracht habe. Er plädierte dafür, mittelfristig eine „Umgestaltung der Verkehrsführung“ in diesem Innenstadtbereich politisch in den Blick zu nehmen – darin liege eine „wesentliche Chance für die Entwicklung der Unteren Königsstraße und für ein stärkeres Zusammenwachsen der Innenstadt“. Da am Stern „früher oder später die Straßenbahngleise wieder ausgetauscht werden müssen“, sei ein rechtzeitiger Einstieg in entsprechende Planungen ratsam, sagte Nolda.

Nachlesen kann man die Dokumentation des Verkehrsexperiments am Stern samt den Fahrtzeit-Auswertungen und Befragungsergebnissen hier auf der Website der Stadt Kassel.

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