Stadt will Bäume nicht aus Schutzsatzung streichen

Pappeln köpfen ist in Kassel tabu - Fällung bei Problemen erlaubt

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Um diese Bäume geht’s: Die etwa 30 Meter hohen Pappeln am Sitz des Kasseler Beton-Betriebs (KBB) an der Gartenstraße. Laut Geschäftsführung stellen herabfallende Äste eine Gefahr für Mitarbeiter und Nutzer des nahen Rad- und Fußweges dar. Das Unternehmen würde die Bäume gerne auf eine Höhe von drei bis fünf Metern „köpfen“. Das aber ist laut Baumschutzsatzung verboten.

Kassel. Pappeln stehen in Kassel unter Schutz – und daran soll auch die Eingabe eines Betriebs aus dem Wesertor nichts ändern.

Veränderungen an den Weidengewächsen sind nach der städtischen Baumschutzsatzung tabu und bedürfen der Genehmigung. Wer einfach so die Axt oder Säge an seinen Pappeln ansetzt, dem droht ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.

An dieser Vorgabe hält die Stadt fest. Die klare Mehrheit des Eingabeausschusses folgte am Dienstag der Auffassung des Magistrats, dass Pappeln, Weiden und deren Hybride (Kreuzungen) „aufgrund ihrer wichtigen ökologischen und gestalterischen Funktionen im Stadtgebiet“ nicht aus der Baumschutzsatzung herausgenommen werden sollten.

Eben diese Herausnahme wünscht die KBB Kasseler Beton-Betrieb GmbH & Co. KG. Geschäftsführer Matthias Nörthen fragte im Ausschuss, ob diese „gefährlichen Bäume“ im verdichteten Raum, wie ihn das Kasseler Stadtgebiet darstelle, unter Schutz stehen müssten. Dem Betrieb an der Gartenstraße bereiteten die schnell wachsenden Bäume mit ihren brüchigen Ästen Probleme. Vor Jahrzehnten zur Einfriedung des Grundstücks gepflanzt, seien die Pappeln jetzt 30 Meter hoch. Da diese Baumart zur Vermehrung auch gesunde Äste abwerfe, stelle dies eine Gefahr für die Mitarbeiter dar.

Links verbotenerweise „geköpft“, rechts gewachsener Bestand: Die Pappeln an der Rückseite des Betriebs. Wegen der Schäden durch den starken Wurzelwuchs der Bäume hat die Stadt den Geh- und Radweg bereits erneuert.

Wie Nörthen berichtete, hatte vor eineinhalb Jahren das Tiefbauamt darauf hingewiesen, dass die hohen Pappeln über den angrenzenden Rad- und Gehweg reichten. Da man Gefahr im Verzug gesehen habe, seien sie in diesem Bereich „geköpft“ – also auf drei bis fünf Meter Höhe zurückgeschnitten – worden. Dies sei auf Kritik der Stadt gestoßen. Zudem habe auch die Stadt Göttingen Pappeln und Weiden aus der Baumschutzsatzung genommen, so Nörthen.

Besser fällen

Fürs Köpfen habe es auch keine Genehmigung gegeben, betonte Uta Sarrazin vom Umwelt- und Gartenamt. Der Baum faule dann nämlich weg. Auf Antrag genehmige die Stadt daher bei Problemen mit Pappeln eine Fällung. Für jeden gefällten Baum müsse laut Satzung eine Neuanpflanzung vorgenommen werden.

Nach Sarrazins Angaben befinden sich viele Kasseler Pappeln in versiegelten Bereichen

Würden Pappeln und Weiden aus der Satzung genommen, müssten sie nach der Fällung nicht ersetzt werden. Wichtige Baumstandorte gingen dann verloren.

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