Junge Frau musste für einen Landsmann in Kassel anschaffen

Zuhälter wurde wegen Zwangsprostitution in Kassel verurteilt

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Lukrative Einnahmequelle: In dem Laufhaus an der Schützenstraße 57 musste die 20-jährige Frau aus Rumänien Ende 2016 anschaffen. Der Vermieter dieser Immobilie kassiert laut Aussage von Zeugen pro Frau am Tag 70 Euro Miete.

Kassel. Ein 25-jähriger Rumäne ist vor dem Kasseler Amtsgericht wegen Zwangsprostitution in Tateinheit mit Zuhälterei zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt worden.

Als „Hilferuf aus der Schützenstraße“ bezeichnete eine Polizeibeamtin den Anruf einer 20-jährigen Rumänin am 28. Dezember 2016 bei deren Tante. Die Beamtin, die im Polizeipräsidium beim Kommissariat 12 für Sexualdelikte arbeitet, war am Mittwoch vor dem Kasseler Amtsgericht als Zeugin geladen.

Der Tante hatte die junge Frau damals mitgeteilt, dass sie von einem Rumänen aus Kassel in dem Laufhaus an der Schützenstraße 57 zur Prostitution gezwungen wird. Die Tante alarmierte die Polizei, die sich in das Gebäude im Stadtteil Wesertor begab. „Die Frau war sehr glücklich über unser Erscheinen“, erinnerte sich die Ermittlerin.

Am Mittwoch wurde der junge Rumäne wegen Zwangsprostitution in Tateinheit mit Zuhälterei vor dem Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 1000 Euro an die Baunataler Werkstätten zahlen.

Richter Leyhe hielt in der Urteilsbegründung dem Angeklagten zugute, dass der Sachverhalt allein aufgrund seiner Aussage vor Gericht rekonstruiert werden konnte. Dadurch konnte der jungen Frau, die mittlerweile wieder in Rumänen lebt, eine Aussage vor Gericht erspart werden. Zudem zeigte der 25-Jährige Reue. Es tue ihm extrem leid, er werde so etwas nie wieder tun.

Die junge Frau war 2016 von Rumänien nach Ingolstadt gekommen, weil sie sich eine Beziehung mit einem Mann erhofft hatte. Nachdem diese nicht zustande kam, habe sie Kontakt zu dem Rumänen aus Kassel aufgenommen, den sie von früher kannte. Sie wollte auf keinem Fall Deutschland verlassen, kam deshalb im Dezember 2016 nach Kassel.

Vor Gericht räumte der damals arbeitslose 25-Jährige ein, dass es seine Idee gewesen sei, dass die Frau sich prostituieren soll. Sie sei damit einverstanden gewesen. Zunächst habe sie für zwei Tage freiwillig in einem Saunaklub in der Forstfelderstraße in Kassel angeschafft. Dort habe sie in Unterwäsche an der Bar sitzen und bei Bedarf mit den Freiern auf ein Zimmer gehen müssen.

Mann hatte ihr Gewalt angedroht

Sie habe dem Rumänen mehrfach gesagt, dass sie keine Lust mehr auf Prostitution habe. Daraufhin habe ihr der Mann gedroht, sie zu schlagen und ihr die Haare abzurasieren. Das hatte die Frau bei der Polizei ausgesagt. Die Vernehmung wurde vor Gericht verlesen. Da der Rumäne mit den Einnahmen aus dem Saunaklub nicht zufrieden war, besorgte er ihr ab dem 19. Dezember ein Zimmer in dem Laufhaus an der Schützenstraße.

Dass auch die Vermietung solcher Zimmer sehr lukrativ sein kann, wurde durch die Aussagen der Ermittler und des Angeklagten deutlich: Der Vermieter dieses fünfgeschossigen Hauses kassiert demnach täglich von jeder Prostituierten 80 Euro Miete.

Sie musste den Großteil der Einnahmen abgeben

In ihrer polizeilichen Aussage hatte die Frau angegeben, dass sie im Schnitt nach Abzug der Miete 150 Euro pro Tag eingenommen habe. Für 15 Minuten bekam die Sexarbeiterin 30 Euro, 100 Euro für eine Stunde. Das Gros der Einnahmen habe sie dem 25-Jährigen abgeben müssen. „Das ist typisch für Zuhälterei“, sagte der Richter zu dem Angeklagten. Die Frau müsse die Arbeit erledigen, der Arbeitsaufwand des Mannes gehe hingegen gegen Null.

Der Angeklagte bestritt vor Gericht, dass er der Frau mit Schlägen gedroht habe. Er räumte nur ein, ihr gedroht zu haben, die Haare abzurasieren, nachdem sie ihm am drittletzten Tag gesagt habe, sie wolle nicht mehr für ihn anschaffen.

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