Auch Lehrer werden angepöbelt

Schule am Wall: Kinder werden nachmittags von Jugendlichen bedroht

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Um diesen Bolzplatz geht es: Die direkt an der Schule Am Wall (Bildhintergrund) gelegene Spielfläche ist öffentliches Gelände. Aus Sorge um ihre Schüler möchte die Schulleitung die Nutzung einschränken. Foto: Schaffner

Wesertor. Kinder der Schule Am Wall können während der Nachmittagsbetreuung nicht mehr ungestört auf dem anliegenden Bolzplatz spielen. Jugendliche aus anderen Stadtteilen beanspruchen die Sportfläche am Schützenplatz zunehmend für sich.

Sie vertreiben die Schüler und schrecken offenbar selbst vor Drohgebärden gegen Lehrer nicht zurück. Das berichtete Schulleiterin Hannelore Siewert bei der jüngsten Ortsbeiratssitzung im Stadtteil Wesertor.

„Unsere Schüler und Pädagogen werden teils übel beleidigt und räumen dann, um weitere Konflikte zu vermeiden, lieber das Feld“, sagte Hannelore Siewert. Obwohl der Bolzplatz direkt neben dem Schulgebäude liegt, hat die Schulleitung keine Handhabe gegen die Störenfriede.

Platz steht für alle offen

„Seitdem der Platz mit EU-Mitteln finanziert worden ist, ist er öffentliches Gelände“. Zwar habe der Sportplatz vor dem Umbau im Jahr 2000 auch nicht zum Schulgelände gehört. Doch damals war die Fläche lediglich ein unattraktiver Schotterplatz, zudem bot die Schule noch keine Nachmittagsbetreuung an. „Jetzt ist der Bolzplatz der einzige allwettertaugliche Bolzplatz in der Gegend und deshalb nachmittags auch bei Jugendlichen aus anderen Stadtteilen beliebt“, sagt die Schulleiterin.

Versuche, bei der Stadt ein Schild anzufordern, das die Nutzung während der Unterrichtszeit zugunsten der Kinder regelt, blieben aus rechtlichen Gründen erfolglos. „Grundsätzlich darf dort jeder spielen“, sagte der Leiter der städtischen Kinder- und Jugendförderung, Thomas Reuting, auf HNA-Anfrage.

Auf anderen öffentlichen Plätzen, wie dem Friedrichsplatz, könne man schließlich auch kein Schild aufstellen, das bestimmten Personengruppen den Zugang verwehrt. „Es darf nicht sein, dass friedlich spielende Schüler und Lehrer von Jugendlichen bedroht und vertrieben werden“, sagte Ortsvorsteher Gerhard Franz (SPD). Der Ortsbeirat sicherte der Schule seine Unterstützung zu und forderte den Magistrat einstimmig auf, die öffentliche Nutzung des Bolzplatzes während der Schulzeit zu beschränken.

Da die Jugendlichen laut Schulleitung auch Alkohol auf dem Gelände trinken, solle die Stadt auf dem Schützenplatz zudem ein Alkoholverbot aussprechen. „Damit wäre gewährleistet, dass das Ordnungsamt regelmäßig vorbeischaut“, sagte Franz.

Jugendarbeit macht sich ein Bild

Thomas Reuting kündigte an, der Situation auf dem Bolzplatz nachzugehen: „Wir schicken unsere Kollegen von der mobilen Jugendarbeit dorthin, die sich dann vor Ort ein Bild machen und auch die Jugendlichen anhören werden“. Wenn es tatsächlich Probleme gebe, dann werde die Stadt auch eine Lösung suchen, sagte der Leiter der Kinder- und Jugendförderung.

Von Sebastian Schaffner

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