Polizei verteilte Flugblätter in der Kolonie Schützenplatz

Tote Frau an der Fulda: Was sahen die Kleingärtner?

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Jeden Tag an der Fulda, aber nichts bemerkt. Klaudia Bauer und Esad Basic mit ihrem Belgischen Schäferhund Scheyla und dem Hund des Nachbarn, Chato.

Kassel. Es ist eine Idylle: Vor der Gaststätte im Kleingartenverein Schützenplatz im Wesertor blinzeln Kaffeetrinker in die Maisonne. Wenig weiter schlecken Kinder Eis, andere spielen Fangen. Überall wird in den Gärten gewerkelt.

In Wirklichkeit ist die Stimmung aber nicht so heiter wie das samstägliche Wetter - sie ist eher getrübt. Denn nur wenige Schritte von Kartoffeläckern, Bohnenstangen und Hollywood-Schaukeln entfernt wurde am 6. Mai die Leiche einer Frau gefunden. Die Polizei ist sich sicher: Die bisher Unbekannte wurde Opfer eines Gewaltverbrechens.

Ermittlungen laufen

Auch er hat von dem Fund der toten Frau am Fulda-Ufer gegenüber dem Hafen erst aus den Medien erfahren: Kleingärtner Atila Bekir.

Und so könnten die Kleingärtner in unmittelbarer Nähe zum Leichen-Fundort an der Fulda wichtige Zeugen sein. Die Polizei verteilte deshalb am Samstag unter den Kleingärtnern Flugblätter mit der Beschreibung der Toten. Auch damit erhofft man sich Hinweise - die Ermittlungen der Sonderkommission laufen auf Hochtouren.

Natürlich wollen die Kleingärtner helfen - ob sie es auch können, steht auf einem anderen Blatt. Die, mit denen die Polizei am Samstag spricht, liefern keine besonderen Hinweise auf die Frau. „Wissen Sie“, sagt Kleingärtner Sven Tjahjadi- Hupfeld, „die Tore sind hier offen. Und darum laufen auch viele Fremde übers Gelände.“

Lässt seine Kinder nur noch in Begleitung ans Ufer: Mehmed Küpükcü.

Ein Stückchen weiter haben der gebürtige Bosnier Esad Basic (51) und seine Partnerin Klaudia Bauer ihre Parzelle. Jeden Tag gehen sie mit ihrer Belgischen Schäferhündin Scheyla am Fulda-Ufer spazieren - von einer Leiche haben sie aber nichts bemerkt. Sie sind erschüttert, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihrem Garten möglicherweise ein Gewaltverbrechen abgespielt hat. Esad Basic: „Mir dreht sich der Magen um und blutet das Herz: Da wurde eine Frau getötet und wie ein Stück Dreck ins Gebüsch geschmissen. Das kennt man sonst nur aus Filmen. Und jetzt passiert so was vor unserer Haustür - furchtbar.“

Die Polizei verteilte Informationszettel: Auch an Kleingärtner Sven Tjahjadi-Hupfeld.

Mehmed Küpükcü (51) und Atila Bekir (52) sind seit Jahrzehnten in Deutschland, wohnen in Kassel, und ihre Enkel sind hier geboren. Schon lange haben sie ihre Kleingärten in der Kolonie am Wesertor, Manchmal gehen sie mit den Kindern auch ans Fulda-Ufer, und oft auch allein auf eine Flasche Bier, wenn es im Kleingarten zu eng wird. Jetzt werden sie sich nicht mehr so unbefangen ans Fulda-Ufer setzen, um gemütlich zusammenzusitzen, Enten zu füttern oder einfach nur den Booten auf dem Fluss zuzuschauen. „Das ist schon ein mulmiges Gefühl, das man jetzt hat“, sagt Mehmed Küpükcü.

Und die kleinen Kinder, die so oft zum Spielen an das nahe Fulda-Ufer liefen, wird man jetzt wohl künftig nicht mehr ohne Begleitung dort hinlassen. „Da haben wir jetzt schon ein wenig Angst.“

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