Ortsbeirat fordert Transparenz

Türkisches Kulturzentrum entsteht im Wesertor - Vorerst keine Minarette

Viel investiert: Der Verein Türkisches Kulturzentrum hat das ehemalige Gewerbe-Areal für 800 000 Euro gekauft.

Kassel. Seit gut einem Jahr baut der Verein Türkisches Kulturzentrum im Wesertor sein neues Domizil auf. Für 800 000 Euro hatte der Verein das 6000 Quadratmeter große Areal am Franzgraben 58 gekauft.

Ursprünglich war dort ein Geschäft für Malerbedarf beheimatet. Im Ortsbeirat gab es jüngst Irritationen wegen der Pläne des Vereins, zwei bis zu zehn Meter hohe Minarette zu errichten. Der Vereinsvorsitzende Hüseyin Sahin sagte aber im HNA-Gespräch, vorerst würden keine Minarette gebaut. Auch sonst wolle er den Dialog mit dem Ortsbeirat und den Nachbarn suchen.

Sie kümmern sich um die Finanzen des Vereins: Die Kassenwarte Kenan Yilmaz und Ahmet Kocer (rechts) in einem der zwei Gebetsräume. Fotos: Ludwig

Aus der einst maroden Immobilie am Franzgraben hat der Verein mithilfe von Spenden und der Eigenleistung seiner 175 Mitglieder ein modernes Kulturzentrum mit Gebetsräumen, einem Vereinslokal, mehreren Gemeinschaftsräumen, Küchen und sogar einem Friseursalon gemacht. Es ersetzt den alten Standort der Gemeinde an der Josephstraße. Für Aufsehen sorgte das noch nicht abgeschlossene Umbauprojekt nun im Ortsbeirat Wesertor. Auslöser war vor allem der von der türkischen Gemeinde beantragte und von der Stadt genehmigte Bau zweier Minarette.

Der Ortsbeirat fühlte sich vom Stadtplanungsamt nicht richtig informiert. Ein solches Projekt müsse offen diskutiert werden, damit es die Akzeptanz im Stadtteil finde. Der Vereinsvorsitzende S¸ahin beruhigt: „Wir sind ein offener und demokratischer Verein. Jeder kann zu uns kommen und schauen, was wir machen. Der Bau von Minaretten ist verschoben. Dafür haben wir derzeit ohnehin nicht genug Geld.“ Zudem seien die Minarette nur aus optischen Gründen geplant gewesen – einen Muezzin oder sonstige Beschallung habe es nie geben sollen.

Dennoch hat der Ortsbeirat für den 24. Februar eine Sondersitzung zu dem Bauprojekt beantragt. Zu dieser will er den Verein und einen Vertreter der Stadt einladen.

Während vorerst kein Minarett entsteht, plant der Verein dennoch einen weiteren Umbau. So sollen noch Wohnungen für Studenten entstehen. Auch mehrere Räume für den Nachhilfeunterricht von Kindern und ein Treffpunkt für die Jugendlichen sind noch in Arbeit. „Weil wir auf Spenden angewiesen sind, wird das alles nach und nach kommen“, sagt S¸ahin.

Der türkische Kulturverein gehört zur Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa. Zu dem Areal des Vereins gehört auch die Freestyle-Halle des Vereins Dynamo Windrad. Windrad mietet die Halle für seine Jugendprojekte vom benachbarten türkischen Verein an.

Von Bastian Ludwig

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