Regen, Nebel und Gewitter haben einen geringen Einfluss auf die Zugverspätungen der Bahn

Das Wetter ist nicht allein schuld

Einfahrt in Wilhelmshöhe: Im Juli war jeder dritte Fernzug am Kasseler IC-Bahnhof verspätet. Abends sind mehr Verbindungen unpünktlich als noch am Morgen. Archivfoto: Camrath

Kassel. Die Deutsche Bahn hatte im Juli wieder verstärkt mit Verspätungen zu kämpfen. Am IC-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe war jeder dritte von 3685 Fernzügen (34,4 Prozent) mehr als fünf Minuten hinter dem Fahrplan. Im Vormonat lag die Quote noch bei 25,3 Prozent.

Das war allerdings kein rein Kasseler Problem, denn an vielen Fernbahnhöfen mit mehr als 1000 Verbindungen pro Monat gab es im Juli mehr Verspätungen. Spitzenreiter war Bielefeld, wo 58,2 Prozent der Züge unpünktlich waren. Wilhelmshöhe lag in der Rangliste der großen Fernbahnhöfe mit Platz 23 weiterhin im vorderen Mittelfeld (Juni: 29).

Dass die Züge deutschlandweit häufiger unpünktlich waren, könnte an den Wetterkapriolen im Juli gelegen haben. Die erste Monatshälfte war von Stürmen, reichlich Regen und niedrigen Temperaturen geprägt; wenige Tage später zeigte das Thermometer über 30 Grad an.

Grund genug für die Experten von Eoda, den Zusammenhang zwischen Wetter und Verspätungsquote zu untersuchen. Dafür haben sie die Verspätungen auf der Strecke Hamburg – Kassel – München von Februar bis Juli mit den Messwerten von 20 Wetterstationen entlang der Strecke verglichen. Die Daten stammen von www.wunderground.com, das weltweit Wetterangaben sammelt.

Auf den ersten Blick werden die Erwartungen erfüllt: Züge, die durch Gewitter oder Schneefall fahren, sind häufig verspätet. Doch extreme Wetterlagen sind selten. Welchen Einfluss haben alltägliche Ereignisse wie Nebel und Regen?

„Es gibt einen Einfluss, aber er ist nicht so ausgeprägt, wie man vielleicht annimmt“, sagt Eoda-Geschäftsführer Oliver Bracht. Denn die Auswirkungen des Wetters überlagern sich mit anderen Faktoren aus dem Betriebsablauf der Bahn.

Bekannt ist, dass die Zahl der Verspätungen im Laufe des Tages zunimmt. Im Juli waren am Bahnhof Wilhelmshöhe in den ersten beiden Betriebsstunden noch neun von zehn Zügen pünktlich, mittags mussten die Fahrgäste schon auf jeden dritten Zug warten, nach 20 Uhr sogar auf jeden zweiten (Grafik).

Deshalb dürfe man das Wetter nicht unabhängig betrachten, sagt Bracht. Die statistische Analyse von Wetter, Tageszeit und Verspätungsquote relativiert den Einfluss von Regen und Schnee auf die Pünktlichkeit der Bahn. Da sich zum Beispiel Gewitter häufig gegen Abend ereignen, lasse sich kaum differenzieren, ob ein Zug wegen des Sturms unpünktlich ist oder es einfach daran liegt, dass Züge abends grundsätzlich häufiger verspätet sind. „Es liegt nicht allein am Wetter, dass die Bahn zu spät ist“, sagt Bracht.

Nach Angaben der Bahn waren ein Unwetter und ein umgestürzter Baum im Juli für zwei der fünf längsten Zugverspätungen in Wilhelmshöhe verantwortlich (100 und 140 Minuten). Insgesamt gingen zehn von 1268 Verspätungen auf das Konto der Natur.

Von Marcus Janz

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