Nachwirkungen von Friederike auch Freitag noch zu spüren

Das lange Warten auf den Zug: Der Bahnhof Wilhelmshöhe nach dem Sturm

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Warteraum auf Rädern: Die Bahn stellte gestern einen „Aufenthaltszug“ auf Gleis 2 des Wilhelmshöher Bahnhofs zur Verfügung.

Kassel. Am Bahnhof Wilhelmshöhe lief der Fernverkehr einen Tag nach dem großen Sturm nur ausgesprochen schleppend an.

Immer wieder wurden die zahlreichen Fahrgäste, die vor der Anzeigetafel standen, vertröstet. Aus 40 Minuten angekündigter Verspätung wurden 90, mehrfach auch ein Komplettausfall. Mitten im Getümmel mühten sich die an den roten Schirmmützen erkennbaren Informationsmitarbeiter der Bahn redlich, die Kundschaft mit Informationen zu versorgen. Sofern sie denn selbst wussten, was angesichts all der Behinderungen auf den Strecken noch zu erwarten war.

Überall standen Gruppen von Reisenden und tauschten sich darüber aus, wie und ob es für sie weitergeht. Wer eine Aufwärmpause brauchte, konnte einen auf Gleis 2 abgestellten ICE nutzen. Der diente gestern als Warteraum auf Rädern.

Mitten in dem Getümmel treffen wir auf eine Frau, die angesichts der teilweise chaotischen Bedingungen ausgesprochen ruhig wirkt. „Es hilft ja nicht, wenn ich mich aufrege“, sagt Doris Iding. Sie wohnt in München und will nach einem beruflich bedingten Ausflug nach Bad Driburg zurück nach Bayern. „Eigentlich sollte ich jetzt schon angekommen sein“, sagt die 55-Jährige und lächelt. Nein, von ein paar Störungen im Bahnbetrieb lässt sie sich nicht die Laune verderben, da steht sie drüber.

Tief durchatmen

Doris Iding ist Meditationslehrerin und Achtsamkeitstrainerin. Gerade hat sie wieder ein Seminar geleitet und den Teilnehmern beigebracht, wie man entspannt besser durchs Leben kommt. Ob sie wohl einen Tipp für all diejenigen hat, die den erneuten Chaostag bei der Bahn nicht ganz so ruhig betrachten können? „Meistens“, sagt sie, „hilft es schon, wenn man ein paar Mal ganz tief ein- und ausatmet.“ Und dann hat sie noch eine Lebensweisheit parat. Kein Mensch sei in der Lage, die Wellen des Meeres zu stoppen. Aber jeder von uns könne lernen, auf den Wellen zu reiten.

Vier Stunden Verspätung hatte sie bis dahin schon angehäuft. Der ICE nach München sollte eigentlich in einer guten halben Stunde um 12.23 Uhr abfahren. Er hatte dann 80 Minuten Verspätung. Außerdem konnte er nicht wie geplant auf Gleis 2 einfahren, denn da stand ja der Zug zum Aufwäremen. Die Reise ging auf Gleis 1 in einem pickepacke vollen Zug weiter. Doris Iding hat das völlig gelassen zur Kenntnis genommen.

Einen Überblick über alle Folgen des Sturmtiefs Friederike finden Sie hier.

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