Wegen Trockenheit

50.000 Euro Strafe drohen: Stadt Kassel untersagt Wasserentnahme aus den Bächen

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Kein Wasser mehr aus Bächen verwenden: Wegen der Trockenheit sind die Wasserstände der Bäche wie der Ahne (im Bild) niedrig. Es ist deshalb bis Ende Oktober verboten, Wasser beispielsweise für die Gartenbewässerung zu entnehmen.

Kassel. Wegen der anhaltenden Trockenheit der vergangenen Monate sind die Fische und Pflanzen in Kassels Bächen gefährdet. Deshalb untersagt es die Stadt nun, Wasser aus Kassels Bächen zu entnehmen.

Vor allem Kleingärtner und Anlieger nutzen diese Möglichkeit. Das Verbot gilt ab kommenden Samstag und bis Ende Oktober. Die Fulda ist davon ausgenommen. Laut Gesetz ist es grundsätzlich erlaubt, Wasser aus Bächen für den Eigenbedarf mit Kannen und Eimern zu entnehmen, wenn dadurch „die natürlichen und schadlosen Abflussverhältnisse“ nicht beeinträchtigt sind – also etwa das Wasser zur Entnahme nicht vorher aufgestaut wird.

Weil aber nach Auskunft der Stadt die Wasserstände von Drusel, Ahne, Losse und Co. derzeit sehr niedrig sind, hat die Untere Wasser- und Naturschutzbehörde nun einen Riegel vorgeschoben. Andernfalls sei die natürliche Selbstreinigung der Bäche gestört und die Tier- und Pflanzenwelt bedroht.

Ein deutlicher Anstieg der Wasserstände ist nach Einschätzung der Behörde in nächster Zeit nicht zu erwarten. Daran änderten auch die Regenschauer der vergangenen Tage nichts – die Regenmengen lägen weit unter dem Durchschnitt.

65 Bäche in der Stadt

Damit darf aus den 65 Kasseler Bächen mit einer Gesamtlänge von 124 Kilometern kein Wasser mehr geschöpft werden. Die Verwendung von Pumpen ist ohnehin nicht zulässig. Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren und einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen.

Die meisten Kasseler Gewässer haben ihren Ursprung im Habichtswald. Ein kleinerer Teil wird aus Quellen in der Söhre und im Kaufunger Wald gespeist, andere nur aus Regenwasser. Sie alle münden in die Fulda. Ein Großteil der Bäche fällt im Stadtbild nicht auf, weil 30 Kilometer unterirdisch in Rohren und Kanälen verlaufen.

Kein Trinkwasser für Rasen

Schon vor zwei Wochen hatten die Städtischen Werke Netz + Service GmbH (NSG) wegen der Trockenheit zu einem sorgsamen Umgang mit Trinkwasser aufgerufen. Die Gewinnung aus Tiefbrunnen und Quellen laufe am Rande der Fördergrenze.

Zusätzlich bittet die NSG die Kasseler nun darum, die Gartenbewässerung und Autowäsche mit Trinkwasser zu unterlassen. Vor allem auf das Wässern der Rasenflächen sollte verzichtet werden, da eine weitere Steigerung der Trinkwasserförderung nicht möglich sei, sagte NSG-Sprecher Ingo Pijanka. Zuletzt waren in Kassel 50 000 Kubikmeter Wasser pro Tag gefördert worden, in normalen Sommern sind es 33 000 Kubikmeter. In Folge der jüngsten Regenfälle war der Bedarf etwas zurückgegangen.

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