Wand ist seit Bau 1971 schief

Städtische Werke: Becken im Hallenbad Süd für Wettkämpfe zu kurz

+
Es fehlen drei Zentimeter: Das Hallenbad Süd, das 1971 gebaut wurde, war offenbar niemals wettkampftauglich. Laut Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke, wurde dieser Fehler bei der Sanierung des Bades festgestellt.

Kassel. Das für sieben Millionen Euro frisch sanierte Hallenbad Süd in Oberzwehren ist nicht wettkampftauglich. Grund: Eine Wand des Schwimmerbeckens aus dem Jahr 1971 ist schief.

Das 25-Meter-Becken sei an einer Stelle nur 24,97 Meter, an einer anderen dafür 25,02 Meter lang, bestätigt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke. Der Fehler sei den Werken bei einer 3 D-Vermessung im Rahmen der Sanierungsarbeiten aufgefallen.

Bis zu 300 000 Euro teurer

Man habe daraufhin mit der Projektsteuerung und der Stadt Kassel gesprochen, sagt Pijanka. Um das Bad wettkampftauglich zu machen, hätte eine Betonwand des Beckens versetzt werden müssen. „Das hätte 200 000 bis 300 000 Euro zusätzlich gekostet“, sagt der Werke-Sprecher.

Mit Blick darauf, dass das Kombibad, das am Auedamm gebaut wird, ein wettkampftaugliches 50-Meter-Becken bekommen soll, habe man auf die Mehrkosten im Hallenbad Süd verzichtet. „Das wäre ein Verbrechen am Steuerzahler - ein Fall für das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes“, sagt Pijanka. Man habe zudem darüber mit zwei Vereinen gesprochen. Deren Vertreter hätten mitgeteilt, dass sie die nicht korrekte Beckenlänge als „nicht so dramatisch“ betrachten würden.

Bei den Schwimmabteilungen des TSV 91 Kassel-Oberzwehren, der TSG 1887 Kassel-Niederzwehren und der Wassersportvereinigung Cassel (WVC) scheint man über das zu kurze Becken allerdings nicht informiert worden zu sein.

Überraschte Vereine

„Ich bin überrascht“, sagte gestern Rolf-Peter Apel, Abteilungsleiter des TSV 91. Der Oberzwehrener Verein habe seit Eröffnung des Bades im Jahr 1971 immer wieder Wettkämpfe im Hallenbad Süd veranstaltet. „Es war nie Thema, dass das Becken nicht lang genug ist“, sagt Apel. Auch nicht nach der Sanierung.

„Es wäre fair gewesen, wenn man uns darüber informiert hätte“, sagt Bernd Heyrodt, Abteilungsleiter bei der TSG. Der Niederzwehrener Verein hatte kürzlich noch überlegt, ob sein Schwimmfest, bei dem auch Pflichtzeiten für Meisterschaften erreicht werden können, im neuen Bad stattfinden soll.

Keine Zeittests

Für das Training spiele es in der Regel keine Rolle, ob das Becken zu kurz oder zu lang ist, sagt Heyrodt. Zeittests könne man künftig im Süd allerdings vergessen. Bei 1500 Meter Freistil machten drei Zentimeter eine Menge aus. „Da geht es um bis zu zwei Sekunden“, sagt Heyrodt.

Die Richtlinien des Deutschen Schwimmverbands (DSV), der seinen Sitz in Kassel hat, sind eindeutig. Nach Angaben von DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff darf ein 25-Meter-Becken keinesfalls kürzer sein und eine maximale Abweichung (nach oben) von zwei Zentimeter haben. Wenn das Becken im Hallenbad Süd drei Zentimeter zu kurz sei, sei es nicht wettkampftauglich und die Zeiten könnten nicht anerkannt werden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.