Mitarbeiter der Kliniken streikten erneut – Betrieb lief mit Notdienst weiter

Wicker streicht Angebot

Kämpfen für einen Tarifvertrag: Etwa 60 Beschäftigte der Habichtswaldklinik in Kassel haben gestern an einem Streik der Gewerkschaft Ver.di teilgenommen. Foto: Koch

Kassel. Erneut haben die Mitglieder der Gewerkschaft Ver.di die Wicker-Kliniken bestreikt, um einen Tarifvertrag für alle Beschäftigten zu erzwingen. Gestern waren fünf Kliniken in Kassel, Bad Zwesten und Bad Wildungen sowie eine in Bad Homburg von einem ganztägigen Ausstand betroffen. Der Krankenhausbetreiber hat daraufhin sein Angebot an die Gewerkschaft zurückgezogen.

An der Kasseler Habichtswaldklinik beteiligten sich nach Angaben von Streikleiterin Heike Grau 60 Mitarbeiter an dem Ausstand. Aus ganz Nordhessen seien etwa 250 Wicker-Bedienstete in Bussen zur gemeinsamen Kundgebung in Bad Homburg gefahren. Dort forderten 600 Gewerkschaftsmitglieder einen Tarifvertrag für alle Angestellten des Bad Wildunger Klinikbetreibers Werner Wicker KG.

„Wir fordern den Wicker-Konzern auf, seine Hinhaltetaktik aufzugeben und sofort ernsthafte Verhandlungen aufzunehmen“, teilte die Gewerkschaft mit. Der Klinikkonzern will Tarifgespräche erst im August 2013 aufnehmen, weil bis dahin an den meisten Häusern Betriebsvereinbarungen gelten.

Ver.di verlangt einen Tarif, der sich am öffentlichen Dienst orientiert. Eine Krankenpflegerin in vergleichbaren Krankenhäusern verdiene 10 000 Euro im Jahr mehr als die Wicker-Bediensteten. „Der Stundenlohn ist teilweise so niedrig, da fragt man sich, wie die Kollegen ihre Rechnungen bezahlen können“, sagte Grau.

Wicker-Geschäftsführer Dr. Karl-Heinz Vornholt wertete die ganztägige Aktion nicht mehr als Warnstreik, sondern als Arbeitsniederlegung. Der Betrieb sei mit Notdiensten aufrechterhalten worden. Es habe keine wesentlichen Beeinträchtigungen gegeben, aber einzelne Therapien seien ausgefallen.

Mindeststundenlohn

Der Konzern habe Ver.di am Dienstag noch einmal ein erweitertes Angebot unterbreitet mit mehreren Einmalzahlungen, einem auf 8,50 Euro erhöhten Mindeststundenlohn und zusätzlichen Leistungen für einzelne Berufsgruppen. Auch das habe Ver.di abgelehnt. „Nach unserer Einschätzung ist damit die Zielsetzung, ab 1. August 2013 mit Ver.di Tarifverhandlungen zu führen, leider hinfällig geworden“, teilte Vornholt mit. Der Konzern ziehe seine bisherigen Angebote zurück.

Vornholt stellte die Forderungen der Mitarbeiter als unerfüllbar dar. Dafür seien die politischen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen und vor allem an Reha-Kliniken verantwortlich. Würden die privaten Wicker-Kliniken ihre Mitarbeiter nach dem Tarif im öffentlichen Dienst bezahlen, wäre der Betrieb wie in vielen öffentlichen Krankenhäusern defizitär.

Von Marcus Janz

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