Kassel

Mord an Walter-Lübcke: Wie die Ermittler auf Stephan Ernst kamen

Der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke Stephan Ernst auf der Anklagebank mit gesenktem Gesicht
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Stephan Ernst hat den tödlichen Schuss auf Walter Lübcke vor Gericht gestanden.

Dass sich Stephan Ernst vor Gericht verantworten muss, weil er den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschossen haben soll, hat auch mit der Arbeit von Dr. Harald Schneider zu tun. 

Der 59 Jahre alte Molekularbiologe aus Battenberg ist Regierungsdirektor beim Hessischen Landeskriminalamt und begab sich mit seinen Mitarbeitern auf die Suche nach DNA-Spuren, die Hinweise auf den Täter geben.

Gestern sagte Schneider im Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt als Zeuge mehrere Stunden lang aus – und gab einen Einblick in seine Tätigkeit, die vor allem Geduld erfordert. Schneider und seine Kollegen untersuchten Gegenstände vom Tatort auf mögliche DNA-Spuren: Gläser etwa, eine Weinflasche, Zigarettenkippen – insgesamt 200 Asservate, sie investierten insgesamt 1500 Arbeitsstunden.

Den entscheidenden Hinweis – so führte es der Molekularbiologe aus – fanden sie letztlich auf dem Hemd, das Walter Lübcke in der Tatnacht trug. Es war im Krankenhaus Wolfhagen schon in einem Müllsack entsorgt worden, weil erst Stunden nach der Tat überhaupt festgestellt wurde, dass Lübcke einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein muss.

Trat als Zeuge auf: Dr. Harald Schneider.

Von diesem Hemd entnahmen die Ermittler zunächst einzelne Partikel, Nummer 283 führte sie auf die Spur zu Stephan Ernst. Die dort gefundene DNA hatte nämlich einen Treffer in der bundesweiten Datenbank ergeben, in der mehr als 800 000 Menschen erfasst sind. Letztlich fand sich ein zweiter Partikel auf dem Hemd, der das Ergebnis bestätigte. Nach diesen Erkenntnissen wurde Ernst festgenommen.

Der 47-Jährige wird auch verdächtigt, 2016 einen Mann, der aus dem Irak geflüchtet war, in Kassel mit einem Messer angegriffen zu haben. Aber gibt es dafür auch Beweise? Ein von Schneider und seinem Team untersuchtes Messer des Hauptangeklagten könnte Hinweise darauf geben. Das wurde gestern deutlich.

Auf dem Messer haben sich demnach Spuren gefunden, die von dem Opfer stammen könnten. Zumindest stimmen sie mit bestimmten DNA-Merkmalen des Irakers überein. Um einen Anhaltspunkt für die Einordnung zu geben, verwies Schneider auf die Datenbank mit mehr als 800 000 Personen. Dort hätte es keinen Treffer gegeben. (Von Florian Hagemann)

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