Sportwagenfahrer demonstrierten auf dem Kasseler Königsplatz

Wie man eine Automacke kriegt

Thomas Ring aus Fuldatal mit seinem Ferrari 308 GTSI.
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Hat sich einen Traum erfüllt: Thomas Ring aus Fuldatal mit seinem Ferrari 308 GTSI.

Sportwagenfahrer demonstrierten am Samstag auf dem Kasseler Königsplatz gegen das Vorurteil, dass sie alle Raser und Poser sind.

Kassel- Dass man den Königsplatz mit dem Auto anfahren konnte, das ist schon einige Jahre her. Ältere und etwas ältere Menschen wurden am Samstag an diese alten Zeiten erinnert. Plötzlich standen um die 60 Autos auf der südlichen Seite des Königsplatzes. Und was für Fahrzeuge. Wahre Schätze: Ferrari, Porsche, Audi, Ford, BMW, Mercedes, Lotus und VW parkten auf dem Platz. Alle äußerst PS-stark und sehr sportlich.

Es handelte sich allerdings nicht um eine Werbeaktion eines Autohauses, sondern um eine Demonstration, zu der Daniel Sinha aus Kassel aufgerufen hatte. Der Sportwagenfan wollte mit dieser Aktion darauf aufmerksam machen, dass nicht alle Autoliebhaber Raser sind. In jüngster Zeit habe sich das Verhältnis zwischen Polizei, Autofans und Bevölkerung in Kassel merklich verschlechtert, so der 41-Jährige. Seitdem die Polizei die AG Poser gegründet hat und regelmäßig Raser aus dem Verkehr zieht, sei der Eindruck entstanden, dass alle Sportwagenfahrer rücksichtslos seien, so Sinha. Mit diesem Vorurteil wollten die Männer und Frauen am Samstag aufräumen. Sie boten den Besuchern der Innenstadt an, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, wie man so „eine Automacke“ bekommt.

Die Passanten ließen sich nicht lange bitten. Viele zückten ihre Handys, um die Schätze auf vier Rädern zu fotografieren oder mit den Fahrern zu fachsimpeln.

Thomas Ring aus Fuldatal war mit seinem Ferrari 308 GTSI, Baujahr 1981, auf den Königplatz gefahren. Das ist das selbe Modell, das der Schauspieler Tom Selleck in der Serie „Magnum“ gefahren ist. Der Wagen von Thomas Ring, den er sich vor zwei Jahren in Beverly Hills (Los Angeles) gekauft hat, ist schwarz. Damit habe er sich einen Traum erfüllt, so der 56-Jährige, den er sich nicht leisten konnte, als er noch jung war. Mit solch einem Auto fahre man aber keine Rennen.

„Ich rase nicht, obwohl ich es mit diesem Auto könnte“, sagt Michael Mangold aus Eschwege, der Oldtimer sammelt. Sein Bricklin SV 1 mit Flügeltüren ist ein wahrer Hingucker. In Deutschland gebe es das Auto des kanadischen Herstellers Bricklin nur drei Mal, erzählt Mangold. Natürlich fahre er mit dem Wagen, den er mit einem auffälligen Muster foliert hat, nicht zehn Mal vor derselben Eisdiele hin und her, wie es manche Autoposer gern auf der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel machen und dadurch andere nerven.

Durch solch ein rücksichtsloses Verhalten würden durch wenige schwarze Schafe alle Sportwagenliebhaber in Misskredit gezogen, so Sinha. Er kritisiert auch die Autohersteller. Im Prinzip dürfe sich niemand ein Fahrzeug mit über 500 PS kaufen, der nicht nachweisen könne, ein Fahrsicherheitstraining gemacht zu haben.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Er sammelt flotte Oldtimer: Michael Mangold aus Eschwege kam mit einem Bricklin SV 1 auf den Königsplatz. Von diesem Modell gibt es laut Mangold nur drei Exemplare in Deutschland.
Organisierte die Demo: Daniel Sinha aus Kassel.

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