Interview mit Kantor Peter Hamburger

Gospelchor liefert Kirchentag-Song: „Wie Nummer eins in den Charts“

Der Landesgospelchor „Get Up!“ der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck auf der Grimmwelt.
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Singen den Mottosong für den ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt: Der Landesgospelchor „Get Up!“ der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck auf der Grimmwelt.

Der Landesgospelchor „Get Up!“ der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck liefert mit „Schaut hin!“ den Mottosong zum ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt. Projektleiter Peter Hamburger im interview.

Kassel/Frankfurt - Hamburger verrät, wie es zum Kirchentags-Song kam, mit welchen Herausforderungen während der Produktion gekämpft wurde und welche wichtige Botschaft mit dem Song vermittelt werden soll.

Herr Hamburger, sind Sie stolz, dass der Mottosong zum ökumenischen Kirchentag 2021 aus Nordhessen kommt?

Natürlich bin ich stolz. Es ist eine ganz besondere Ehre, dass der Song ganz vorn im Liederbuch steht und damit so herausgehoben wird. Das ist für das Team, den gesamten Chor, eine tolle Sache.

Haben Sie im Vorfeld damit gerechnet, dass das Lied bei den Organisatoren des Kirchentags so gut ankommen wird?

Nein, das nicht. Wobei ich schon versucht habe, einen Hit zu komponieren. Ich wollte das Lied in einem Stil produzieren, der für Großveranstaltungen geeignet ist. Dass das Lied jetzt beim Kirchentag die Nummer eins im Liederbuch ist, ist ja fast wie eine Nummer eins in den Charts. Das ist etwas Besonderes. So was passiert mir wohl kein zweites Mal.

Wie kam es überhaupt dazu, dass ein nordhessischer Chor den Mottosong zum Kirchentag in Frankfurt liefert?

Zum Kirchentag gibt es immer eine Liederwerkstatt, dort machen mehr als 50 Liedermacher aus ganz Deutschland mit und liefern Musik. Ich habe auch mitgemacht. Drei meiner Lieder wurden dann für das Liederbuch ausgewählt. Und eines hat es ganz nach vorn geschafft.

Ihr Song thematisiert eine Bibelstelle, in der es um die wundersame Brotvermehrung geht. Welche Botschaft wollen Sie mit Ihrem Lied vermitteln?

Wichtig ist, dass die Menschen immer darauf schauen, was sie haben. Und nicht darauf, was ihnen fehlt. Der Mangel sollte nie im Vordergrund stehen. Das ist gerade in der Coronazeit eine ganz wichtige Botschaft.

Hatte das Virus Einfluss auf Ihr Projekt?

Absolut. Es hat uns vor allem in der Produktion des Songs vor Herausforderungen gestellt.

Welche waren das?

Das fing schon mit den Proben an. Zu Beginn haben wir mit 24 Chormitgliedern per Videokonferenz geprobt. Das hat aber nicht so gut geklappt. Dann haben wir uns auf einem Parkplatz getroffen und dort gesungen, um die Hygienevorschriften einzuhalten. Auch im Tonstudio mussten wir die Coronaregeln beachten und jeden Sänger einzeln aufnehmen. Das Video zum Song haben wir extra draußen gedreht.

Auf der Dachterrasse der Grimmwelt.

Genau. Wir sind sehr dankbar, dass die Grimmwelt uns diesen Platz zur Verfügung gestellt hat und ihre Terrasse für drei Stunden für Besucher absperrte. Und das an einem Sonntag. Der Videodreh konnte auch nur an diesem Septembertag stattfinden, weil wir dort eigentlich ein Konzert im Staatstheater gehabt hätten. Das musste jedoch leider entfallen. Aber so war es natürlich etwas einfacher, die Chormitglieder für den Dreh zu versammeln, weil sie sich den Tag sowieso freigehalten hatten.

Wie kamen Songproduktion und Videodreh für den Kirchentag bei Ihren Chormitgliedern an?

Für den Chor war es ein ganz wichtiges Projekt. Denn es war das Einzige, was wir in der Coronazeit machen konnten. Der Videodreh mit unserem Filmprofi David Heise lief unter optimalen Bedingungen. Für einen Chor, der sich auch ergebnisorientiert trifft, ist es wichtig, dass er Ziele hat. Auch in solch einer Zeit.

Welche Wichtigkeit spielt Musik generell in der Kirche?

Die Musik ist der Zweig in der Kirche, der die meisten Menschen zusammenführt. Beim Musikmachen treffen sich noch mehr Leute als bei Gottesdienstbesuchen oder in der Jugendarbeit. Viele Menschen setzen sich vor allem über die Musik mit kirchlichen Inhalten auseinander. Darüber hinaus ist Kirchenmusik Teil des Verkündigungsauftrags der Kirche. Deshalb gibt es eigentlich auch keine Gottesdienste mehr, in denen die Gemeinde nicht singt. Sie muss beteiligt werden.

So wie beim ökumenischen Kirchentag, wo Ihr Song von Zehntausenden Menschen gesungen wird. Sind Sie schon aufgeregt?

Erst mal hoffe ich, dass wirklich alle singen dürfen. Das ist in diesen Zeiten ja noch sehr ungewiss. Ansonsten habe ich mit dem Song schon ein paar Erfahrungen gesammelt. Natürlich finde ich es toll, wenn er gesungen wird. Aber aufgeregt, ob der Song gut ankommt, bin ich nicht mehr.

Das Musikvideo zum Song finden Sie HIER. (Von Pascal Spindler)

Zur Person

Peter Hamburger (53) studierte Kirchenmusik an der Musikhochschule Köln und ist seit 1997 Kantor für Popularmusik bei der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Zudem ist er seit 2016 als Dozent an der Evangelischen Pop-Akademie in Witten tätig. Hamburger ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt in Kassel.

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