Aktion im Naturkundemuseum Ottoneum

Wie sich blinde Menschen im Alltag orientieren

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Martha Hurtado und ihr Blinden-Führhund Sylvie in einem Raum der Ausstellung „Leben im Dunkeln“, in dem gezeigt wird, wie sich blinde Menschen im Alltag orientieren.

Wie orientieren sich blinde Menschen in ihrem Alltag? Das durften Besucher im Kasseler Muesum Ottoneum testen.

Viele nachtaktive Tiere sind an das Leben in der Dunkelheit angepasst – darüber können junge und erwachsene Besucher viel lernen bei der Ausstellung „Leben im Dunkeln“, die im städtischen Naturkundemuseum läuft. Doch wie orientieren sich eigentlich blinde Menschen in ihrem Alltag? Dazu gab es am Sonntag einen Aktionstag im Museum gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen.

Dabei stand die zwölfjährige Sylvie im Mittelpunkt des Besucherinteresses. Die Labrador-Hündin führte gemeinsam mit ihrem blinden Frauchen Martha Hurtado vor, wie Blindenhunde helfen, die täglichen Wege außer Haus unfallfrei zu passieren.

Seit zehn Jahren sind die Beiden schon ein Team. „Vorher bin ich mit einem Stock gelaufen“, erzählt die Kasselerin. Unter Sylvies Führung aber sei sie „viel schneller und entspannter“ unterwegs.

Ihr ausgebildeter Führhund geleitet sie mit stoischer Gelassenheit zu Treppen und an Hindernissen vorbei und stoppt, sobald eine Passage weiträumiger blockiert ist. Auf das Kommando „Such Weg“ findet Sylvie dann eine Lösung, wie ihre Besitzerin weiterkommen kann.

Janis probiert mit Dr. Gudrun Schneider vom Museum den Blinden-Parcours aus.

Den Weg in die Straßenbahn findet Sylvie auch und steuert schon mal einen freien Sitz in Türnähe an. In welche Tram Martha Hurtado einsteigen muss, weiß der Hund natürlich nicht. Dabei gilt dasselbe wie an Fußgängerampeln, erklärt Hurtado: „Sylvie führt mich zur Ampel, aber die Signale kann sie nicht deuten. Den Befehl zum Losgehen gebe dann ich.“

Wie Blinde mit dem Taststock dorthin finden, können Besucher der Ausstellung selber ausprobieren. Der zehnjährige Janis hat sich eine blickdichte Augenmaske angelegt und ertastet mit dem Stock seinen Weg entlang der Rillen im Boden – bis Kacheln mit Noppen auf der Oberfläche kommen. „Hier müsste sich jetzt die Richtung ändern“, weiß Janis, der bei seiner Oma Ilona Förster in Witzenhausen zu Besuch ist. Die sagt: „Wir gehen immer ins Naturkundemuseum, wenn Janis da ist. Für Kinder ist es einfach super hier.“

Ein regelmäßiges Freizeitprogramm hat auch Blindenhündin Sylvie: In Bad Wilhelmshöhe, wo Martha Hurtado wohnt, geht das eingespielte Duo regelmäßig auf der Hundewiese an der Ochsenallee spazieren. Dort darf die betagte Hundedame frei laufen, ihr Frauchen nimmt dann den Stock. „Sylvie hat dann Freizeit; das gilt auch bei uns in der Wohnung“, sagt Martha Hurtado. Aber wenn sie Assistenz benötigt, genügt ein Ruf und Sylvie ist sofort an ihrer Seite.

Service: Ausstellung „Leben im Dunkeln“ im Naturkundemuseum am Steinweg noch bis zum 5. Mai.

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