Friedrich-Ebert-Straße: „Wie ein Taxi, nur kostenlos“

Freiwillige befördern mit Elektroauto Senioren durch die Baustelle

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Gut gelaunt: Christina Kiehl (26) fährt mehrmals die Woche mit einem Elektrofahrzeug Passanten über die Friedrich-Ebert-Straße.

Kassel. „Bitte einmal von der Post zum Penny“, schallt es aus dem Stadtbüro an der Friedrich-Ebert-Straße. Christina Kiehl hat gerade ihre Schicht angetreten. Sie ist eine von 30 Freiwilligen, die den Beförderungsservice entlang der Baustelle an der Friedrich-Ebert-Straße anbieten.

Vom Stadtbüro kriegt sie Aufträge mitgeteilt, die dort eingegangen sind.

Wer den Dienst nutzen möchte, kann sich einfach telefonisch im Stadtbüro melden. So hat es auch Jutta Hofer gemacht. Die Kasselerin wartet bereits vor der Post. Sie will zum Einkaufen in den Supermarkt. „Ich hatte vor einigen Tagen einen Hexenschuss und bin noch nicht wieder ganz so gut zu Fuß“, erzählt sie.

„Man glaubt gar nicht, wie lang die Friedrich-Ebert-Straße sein kann.“

Da sei der Service natürlich ein tolles Angebot. Sonst nutze man einfach Bus und Straßenbahn, aber wenn die nicht fahren, müsse man sich nach Alternativen umsehen. Ein Taxi könne einem auf dieser Strecke ja auch nicht weiterhelfen.

„Man glaubt gar nicht, wie lang die Friedrich-Ebert-Straße sein kann“, bestätigt auch Christina Kiehl. Mit dem angemieteten Elektrofahrzeug braucht sie für den Hin- und Rückweg vom Ständeplatz bis zur Querallee knapp 15 Minuten. „Aber es ist ein toller Job“, sagt sie strahlend. Die 26-Jährige ist gelernte Immobilienkauffrau und arbeitet jetzt mit einer halben Stelle bei einem Steuerberater. Außerdem ist sie im Nebenerwerb selbstständig. „So kann ich mir meine Zeit teilweise frei einteilen“, sagt sie. Mittwoch- und Donnerstagnachmittag ist sie entlang der Baustelle anzutreffen. Mit dem Elektrofahrzeug fährt sie auf der stadtauswärts gesehen rechten Seite auf dem Bürgersteig. „Wir sprechen Passanten an und machen sie auf unser Angebot aufmerksam“, erzählt Kiehl. Sonst würden die Caddys häufig auf Golfplätzen genutzt, um längere Wege zu überbrücken.

„Wie ein Taxi, nur kostenlos“, sagt ein Spaziergänger, der sich dankbar zur Straßenbahnhaltestelle chauffieren lässt. Man unterschätze ein wenig die Geschwindigkeit. Wenn man drauf sitzt, geht’s doch sehr zügig voran. Immer wieder muss Kiehl den Caddy anhalten. Die Neugier der Passanten, was es denn mit dem lautlosen Elektrofahrzeug auf sich habe, ist groß. „Wir würden das einfach gern mal ausprobieren“, gestehen zwei ältere Damen. Auch sie dürfen einsteigen und haben sichtlich ihren Spaß.

„Viele wollen sich nicht eingestehen, dass sie die Strecke zu Fuß nicht schaffen“, sagt Kiehl. Aber gerade bei den heißen Temperaturen sind doch besonders ältere Menschen sehr dankbar.

So kann man den Service nutzen

Wer das Angebot nutzen möchte, kann sich entweder auf der Friedrich-Ebert-Straße an die Fahrer der Elektrofahrzeuge wenden und wenn Platz ist, direkt einsteigen. Drei Fahrgäste finden im Elektrocaddy Platz. Wer eine Beförderung zu einem festen Termin benötigt, kann sich im Stadtbüro an der Friedrich-Ebert-Straße 32 unter der Telefonnummer 05 61/60 28 56 30 melden. Dort wird das Angebot koordiniert.

Kurzclip: Eine Fahrt durch die Baustelle

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