Andreas Olbrich berichtet von seiner Rettung vom Kreuzfahrtschiff Costa Concordia

„Wie auf der Titanic“: Gudensberger berichtet vom Unglück auf der Concordia

Andreas Olbrich

Gudensberg. „Erst durch die Fernsehbilder ist mir wirklich bewusst geworden, was uns da eigentlich passiert ist“, sagt Andreas Olbrich. Der 51-Jährige Kasseler ist am Sonntag wohlbehalten zurückgekehrt.

Das Ehepaar aus Gudensberg-Deute war mit vier Freunden aus Kassel an Bord des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia, das am Wochenende vor der toskanischen Küste leckgeschlagen war. „Wir haben unheimlich viel Glück gehabt“, sagt der Drucker, der beim Kasseler Zeitungsdruck Dierichs im Industriegebiet Waldau arbeitet.

Lesen Sie auch:

- "Costa Concordia": Ein Deutscher unter den Toten

- Die Schreie - das war schrecklich": Schauenburger Paar reiste auf "Costa Concordia"

- "Concordia, ist alles ok?" - das Gesprächsprotokoll mit dem Kapitän

Zusammen mit seiner Frau und den Freunden saß er am Freitagabend um 21.45 Uhr auf Deck 3 beim Essen, als es einen „Riesenkrach“ gab. „Das Schiff blieb stehen. Ich dachte zuerst an einen Maschinenschaden.“ Dass mehr passiert sein muss, auf diesen Gedanken kamen die Passagiere schon einen Augenblick später. Das Kreuzfahrtschiff mit 4200 Menschen an Bord neigte sich, die Flaschen fielen vom Tisch und kullerten kreuz und quer durch den Raum. Leichte Panik habe sich verbreitet, aber es sei noch alles geordnet verlaufen. Die Olbrichs machten sich auf den Weg zu ihrer Kabine auf Deck 7. „Zunächst wollten wir nur Zigaretten holen.“ Dann entschieden sie sich anders. Aus dem Safe in der Kabine griffen sie Portemonnaie und Papiere und nahmen auch die Schwimmwesten mit.

„Irgendwas stimmt hier nicht, haben wir gedacht.“ Andreas Olbrich ließ sich auch nicht von den Durchsagen, dass alles in Ordnung sei, beruhigen.

Unterwasser-Fotos: Taucher suchen nach Kreuzfahrtunglück nach Vermissten

Unterwasser-Fotos: Taucher suchen nach Kreuzfahrtunglück nach Vermissten

Am ersten Tag an Bord, in Verona, hatten die Olbrichs an einem Sicherheitstraining für den Notfall teilgenommen. Bei der Übung seien viele Offiziere dabei gewesen, sagt Olbrich. Beim Ernstfall am Freitagabend habe er kein Führungs- beziehungsweise Sicherheitspersonal gesehen.

Der Einstieg ins Rettungsboot sei „relativ geordnet“ gewesen: Allerdings habe das Boot zuerst nicht ins Wasser gelassen werden können, weil es klemmte. Dann klappte es doch. „Wie auf der Titanic, haben einige Passagiere gesagt“, erzählt Olbrich. Die Reisegäste hätten sehr unterschiedlich auf das Unglück reagiert: Einige seien gelassen und ruhig gewesen, er habe aber auch Schlägereien auf dem sinkenden Schiff beobachtet.

Um 23.30 Uhr hatten die Olbrichs und ihre Freunde festen Boden unter den Füßen. Es sei allerdings sehr bedrückend gewesen, von dort aus Menschen mit den leuchtenden Rettungswesten ins Wasser springen zu sehen.

Für Ute und Andreas Olbrich war es die erste Schiffsreise. Bis zu dem Unglück sei es auch wunderschön gewesen. Er könne sich auch vorstellen, wieder an Bord eines Kreuzfahrtschiffs zu gehen, sagt Olbrich. Denn er ist davon überzeugt, dass Kapitän Francesco Schettino durch sein „eigenmächtiges und fahrlässiges Handeln“ für das Unglück verantwortlich ist.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.