Zum Rückrundenstart

Wie viel Fußball-Bundesliga steckt eigentlich in Kassel?

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Er hat viel Bundesliga im Angebot: Sven Bertel vom Fan-Point am Friedrichsplatz.

Kassel. Die Rückrunde der Fußball-Bundesliga beginnt heute. Wir haben bekannte Menschen aus Kassel nach ihrem Lieblingsverein gefragt.

Die Fußball-Bundesliga ist überall – auch in Kassel, selbst wenn das mit dem Aufstieg des örtlichen KSV Hessen nie geklappt hat. Aber sonst? Genügt ein Blick auf die Hecks der Autos mit KS-Kennzeichen, die auf einem Parkplatz stehen. Da geben kleinere und größere Aufkleber oder Schriftzüge am Nummernschild Aufschluss über den Lieblingsverein: Bayern, Dortmund, Bremen – es sind alle dabei. Manche verkleiden sogar ihre ganze Balkonfront mit einer Vereinsfahne – wie jene Bewohner, die in der Wilhelmshöher Allee ein großes Banner aufgehängt haben – für jeden sichtbar.

Wer mehr über das Interesse der Kasseler an Deutschlands höchster Spielklasse erfahren will, der sollte mit Sven Bertel vom Fan-Point am Friedrichsplatz sprechen. Er verkauft nicht nur Trikots und andere Fanartikel, sondern organisiert auch Bustouren zu Bundesligaspielen. Nach Dortmund geht es zu jedem Heimspiel, oft macht sich der Fan-Point nach Schalke und München auf.

Die Nachfrage ist nach wie vor groß, auch wenn Bertel festgestellt hat: Für die Fans aus Kassel und damit für jene fernab von einem großen Klub ist die Bundesliga nicht einfacher geworden: Die Termine werden erst kurzfristig bekanntgegeben, der Spielplan ist zerfleddert. „Der Kunde plant aber eher langfristiger“, sagt Bertel. Außerdem: „Für kleine Kinder kommen die Spiele an einem Sonntag- oder bald an einem Montagabend nicht infrage.“

Trotzdem nimmt die Sympathie für die Bundesliga kaum ab. Sie lässt sich auch am Verkauf von Trikots festmachen – der ist nach wie vor sehr hoch: Bayern schlägt hier alles, dann kommen Dortmund, Schalke und Frankfurt: „Dass die Nordhessen etwas gegen Südhessen haben, kann ich deshalb nicht bestätigen“, sagt Bertel, der weiß: Mittlerweile gibt es nicht mehr den typischen Fan. Fast alle interessieren sich – Mann, Frau, Junge, Alte. Das merkt er auch, wenn er samstags auf der Autobahn unterwegs ist: „Das ist Wahnsinn, wie vielen Fans man dort begegnet – und viele haben KS-Kennzeichen.“

Viele Kasseler besuchen die Spiele vor Ort. Das ist auch ein Grund, warum Carsten Bischoff zur Einschätzung kommt, dass nicht mehr so viele wie früher die Sky-Übertragungen in Kneipen verfolgen. Bischoff ist einer der Inhaber von Joe’s Garage. Auch er sieht den Spielplan mit vielen unterschiedlichen Anstoßzeiten als Problem.

Die Zahl der privaten Sky-Abonnenten steigt dagegen. Laut Sky-Pressestelle liegt sie nun bei insgesamt mehr als fünf Millionen, vor einem Jahr lag sie noch bei 4,6 Millionen. Der Trend geht dahin, im Stadion oder auf dem Sofa die Bundesligaspiele zu verfolgen.

Das hat auch Holger Brück festgestellt. Wenn es darum geht, wie viel Bundesliga in Kassel steckt, dann darf er nicht fehlen. Der gebürtige Kasseler hat lange bei Hertha BSC Berlin gespielt, ehe er über Umwege in seine Heimat und zum KSV Hessen zurückkehrte. Auch heute geht er noch regelmäßig ins Auestadion. Dort sind immer weniger Zuschauer: „Weil viele auf der Couch Sky schauen.“

Wer wem die Daumen drückt:

Name: Klaus Stern

Alter: 49
Beruf: Dokumentarfilmer
Fan von: Hertha BSC Berlin

Klaus Stern

Deshalb bin ich Hertha-Fan: Weil ich mein erstes Bundesligaspiel in Berlin gesehen habe – mit meinem Onkel Georg: 1980 gegen Köln. 1:0, Eigentor des damals 20-jährigen Bernd Schuster. Ich habe noch das Programmheft mit einem Autogramm von Holger Brück.
Das zeichnet meinen Klub aus: Eigentlich nichts. Aber ich habe dem Verein selbst dann die Treue gehalten, als er in der Oberliga Berlin spielte. Ich bin nicht von ihm weggekommen.
Da landet mein Verein: Ich bin überzeugt von unserem Trainer Pal Dardai und unserem Torwart Rune Jarstein. Wir werden Siebter.

Name: Kostas Vick
Alter: 58
Beruf: Gastronom (Düsseldorfer Hof)
Fan von: Bayern München

Kostas Vick

Deshalb bin ich Bayern-Fan: Weil mein Vater schon immer wusste, was gut für mich ist. Er nahm mich mit ins Stadion an der Grünwalder Straße. Jetzt bin ich Mitglied mit einer ganz niedrigen Nummer.
Das zeichnet meinen Klub aus: Dass er stabil ist und gut mit den Spielern umgeht.
Da landet mein Verein: Ganz vorn – Triple mit Heynckes.

Name: Harald Fischer
Alter: 63
Beruf: Dechant
Fan von: Eintracht Frankfurt

Harald Fischer

Deshalb bin ich Frankfurt-Fan: Weil es der einzig richtig große Klub in Hessen ist, ich in Frankfurt studiert und fünf Jahre dort gelebt habe. Ich fühle mich verbunden mit der Stadt. Ein gutes Wochenende ist für mich jetzt, wenn die Eintracht und der KSV Hessen gewinnen und Bayern verliert. Passiert nur selten.
Das zeichnet meinen Klub aus: Dass er jetzt das zweite Jahr in Folge nichts mit dem Abstieg zu tun hat. Außerdem finde ich die Debatte darüber spannend, dass Präsident Peter Fischer keine AfD-Wähler als Mitglieder haben will.
Da landet mein Verein: Wieder im Mittelfeld.

Name: Heidi Möller
Alter: 57
Beruf: Psychologie-Professorin
Fan von: Borussia Dortmund

Heidi Möller

Deshalb bin ich BVB-Fan: Weil ich schon mit meinem Papa ins Stadion Rote Erde gegangen bin. Das waren exklusive Momente, die sich eingraviert haben in die Seele. Heute habe ich eine Dauerkarte.
Das zeichnet meinen Klub aus: Die einzigartige Atmosphäre im Stadion und in der Stadt. Da läuft einem ein angenehmer Schauer über den Rücken.
Da landet mein Verein: Auf Platz zwei.

Name: Rolf-Dieter Postlep
Alter: 71
Beruf: Ökonom, einst Uni-Chef
Fan vom: Hamburger SV

Rolf-Dieter Postlep

Deshalb bin ich HSV-Fan: Weil ich aus Wolfsburg komme und es damals im Norden nur einen großen Verein gab: den HSV mit Seeler und Dörfel. Heute habe ich auch noch Sympathien für Frankfurt.
Das zeichnet meinen Klub aus: Damals war der HSV ohne Skandale. Heute ist er immerhin noch der einzige Klub, der nie abgestiegen ist.
Da landet mein Verein: Vor den Abstiegsplätzen. Wie immer.

Name: Holger Schach
Alter: 55
Beruf: Regionalmanager
Fan vom: 1. FC Köln

Holger Schach

Deshalb bin ich Köln-Fan: Weil ich in Köln geboren bin. Und dann ist man lebenslänglich Köln-Fan, auch wenn natürlich Sympathien für den KSV Hessen dazukommen.
Das zeichnet meinen Klub aus: Die tolle Stimmung, auch wenn es schlecht läuft. Es gilt das Kölner Sprichwort: Et hätt noch immer jot jejange.
Da landet mein Verein: Auf dem Relegationsplatz. Et hätt noch immer jot jejange.

Name: Christian Geselle
Alter: 41
Beruf: Oberbürgermeister
Fan von: Schalke 04

Christian Geselle


Deshalb bin ich Schalke-Fan: Weil ich den Klub seit der Jugend sympathisch finde, vor allem Olaf Thon und Klaus Fischer haben mir imponiert. Außerdem bin ich leidensfähig.
Das zeichnet meinen Klub aus: Es ist ein Arbeiterklub mit viel Tradition. Er kommt nicht aus der Retorte. Schalke ist eben eine Herzensangelegenheit.
Da landet mein Verein: Ich hoffe, dass wir den zweiten Platz halten.

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