Junge Union schießt gegen Vorsitzende

Wieder Streit um Kasseler CDU-Chefin Kühne-Hörmann

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Eva Kühne-Hörmann

Kassel. Aus Richtung der Jungen Union (JU) Kassel wird erneut gegen die CDU-Kreisvorsitzende und Ministerin Eva Kühne-Hörmann geschossen.

Knapp drei Wochen vor der Landtags- und Bundestagswahl kracht es mal wieder heftig in der Kasseler CDU. Patrick Poerschke (35), der Vorsitzende des CDU-Stadtbezirksverbandes Wehlheiden, hat in einem Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier, Landesvorsitzender der CDU Hessen, seinen sofortigen Rücktritt mitgeteilt.

Den begründet er mit dem Agieren seines Stellvertreters Jan Hörmann und dessen Ehefrau, der CDU-Kreisvorsitzenden und hessischen Ministerin Eva Kühne-Hörmann. Diese habe einen „schlicht untragbaren Führungsstil“. Nachdem er sich in einer demokratischen Wahl „gegen den Ehemann unserer CDU-Kreisvorsitzenden durchgesetzt habe, wurden mir von Anfang an Steine in den Weg gelegt“, schreibt Poerschke, der auch stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union Kassel ist. Jetzt habe er feststellen müssen, dass ihm selbst vor den beiden wichtigen Wahlen am 22. September die Führung des Stadtbezirksverbandes unmöglich gemacht worden sei.

Ein schlechtes Ergebnis scheine dabei in Wehlheiden in Kauf genommen zu werden. Es sei blamabel, dass die CDU auf kommunalpolitischer Ebene in Kassel inzwischen hinter die Grünen gefallen sei.

Patrick Poerschke

Poerschke schlägt Bouffier vor, dass die Landespartei doch einmal recherchieren solle, aus welchen Gründen sehr viele Mitstreiter in der Kasseler CDU keine Freude mehr an der ehrenamtlichen Arbeit hätten und wo die Ursachen der „verpatzten OB- und Kommunalwahlen“ liegen würden. Der Anwalt Jan Hörmann, der im Stadtbezirksverband Wehlheiden einer von Poerschkes Stellvertretern ist, will sich zu dessen Rücktritt nicht äußern. Fest steht, dass die beiden ein zerrüttetes Verhältnis haben, das in einer Klage Hörmanns gegen Poerschke vor dem Zivilgericht gipfelte.

Poerschke, ein unbeschriebenes Blatt in der CDU, war im November 2011 überraschend zum neuen Vorsitzenden der CDU Wehlheiden gewählt worden. In einer Kampfabstimmung hatte er sich knapp gegen Hörmann durchgesetzt. Poerschke sei damals nur gewählt worden, weil viele Christdemokraten Hörmann nicht mehr an der Spitze haben wollten, heißt es aus CDU-Kreisen. Hörmann kümmere sich nur um den Ortsbeirat, die Parteiarbeit an der Basis interessiere ihn nicht. Allerdings war Betriebswirt Poerschke, der bei VW beschäftigt ist, in seinen knapp zwei Jahren als Vorsitzender auch nicht sehr erfolgreich.

Kaum einer im Stadtbezirksverband stand hinter ihm, mit seinen Vorschlägen sei er so gut wie nie zum Zuge gekommen. Mehrere Christdemokraten sollen ihm bereits vor einem halben Jahr nahegelegt haben, seinen Vorsitz niederzulegen, um mit einem blauen Auge davonzukommen. Bei den Vorstandswahlen in diesem Herbst hätte Poerschke, der als schweigsam gilt, wohl keine Chance mehr gehabt. Warum er ausgerechnet jetzt seinen Vorsitz niedergelegt hat, das wollte Poerschke gegenüber der HNA nicht konkretisieren. Er werde sich erst wieder nach den Wahlen äußern.

Kreisverband: Raum für Spekulationen

Der Kreisvorstand der CDU Kassel-Stadt hat folgende Stellungnahme zu dem Rücktritt von Patrick Poerschke abgegeben: „Herr Poerschke wurde am 23. November 2011 zum Vorsitzenden des Stadtbezirksverbandes der CDU Wehlheiden für zwei Jahre gewählt. Seine Amtszeit hätte in wenigen Wochen geendet. Die von ihm genannten Gründe werden zur Kenntnis genommen. Der offenbar mit Bedacht gewählte Zeitpunkt seines plötzlichen Rücktritts mitten in einem für Deutschland und Hessen entscheidenden Stadium des Wahlkampfes eröffnet Raum für Spekulationen der tatsächlichen Rücktrittsmotive. Wir enthalten uns insoweit einer Deutung.“ Die Stellungnahme wurde von Eva Kühne-Hörmann, Dr. Norbert Wett, Jörg Hildebrandt, Birgit Trinczek, Brigitte Thiel, Jutta Schwalm, Stefan Kortmann, Barbara Herrmann-Kirchberg und Dominique Kalb unterzeichnet. (use)

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