Wild auf Wildfleisch: Nachfrage nach Produkten aus heimischen Wäldern steigt  

Darf es etwas Hirschsalami sein? Wolfgang Schmidt und Renate Herbort präsentieren einige Produkte aus dem Waldladen Habichtswald. Das Wildfleisch ist mit der Qualitätsmarke des Landes Hessen zertifiziert. Foto: Konrad

Kassel. Die Nachfrage nach Wildfleisch aus heimischen Wäldern steigt von Jahr zu Jahr. Im Waldladen des Hessischen Forstamtes Wolfhagen herrschte im Jahr 2011 Hochkonjunktur. „Es lief noch nie so gut wie in diesem Jahr“, sagt Theodor Arend, stellvertretender Leiter des Forstamtes Wolfhagen.

Besonders nachgefragt werden Rehwild und Wildschwein. Laut Wolfgang Schmidt, Förster im Revier Habichtswald, gehen im Waldladen jährlich 300 Rehe, 150 Wildschweine, je zehn Stück Rot- und Damwild und zwei Mufflons hauptsächlich portioniert und bratfertig über den Ladentisch. Hinzu kommen Wildwurst und Wildschinken.

Vor allem in den Monaten von Oktober bis Dezember wird das meiste Wild verzehrt. „In dieser Zeit verkaufen wir die Hälfte unserer Waren“, sagt Förster Schmidt. Und das, obwohl frisches Wildfleisch das ganze Jahr über erhältlich ist. „Wildfleisch eignet sich auch hervorragend zum Grillen im Sommer“, empfiehlt Schmidt.

Die gestiegene Nachfrage nach Wildfleisch aus der Region erklärt sich der Förster vor allem durch eine zunehmende Verunsicherung der Verbraucher, etwa durch Fleischskandale, und generell mit einem steigenden Gesundheitsbewusstsein der Menschen. „Wildfleisch ist ein sehr hochwertiges Produkt, es ist fettarm und reich an Eiweiß, Vitaminen und Nährstoffen“, erklärt Schmidt.

Der Waldladen, der seit sieben Jahren existiert, ist seit fünf Jahren mit der Qualitätsmarke des Landes Hessen zertifiziert. Für jedes Stück Fleisch ist dokumentiert, welcher Jäger das Tier wo erlegt hat, wo es ausgeweidet, zerlegt, verarbeitet und gelagert wurde. Nach den Beobachtungen von Verkäuferin Renate Herbort kommen zunehmend auch junge Kunden in den Waldladen.

Auch viele Fleischereien in der Region haben laut Dirk Nutschan, Obermeister der Fleischerei-Innung Kassel, mittlerweile Wild im Angebot. „Der Verkauf von Wildfleisch macht bei uns etwa 35 Prozent des Fleischverkaufs aus“, sagt er. Eine steigende Nachfrage hat er nicht beobachtet. „Allerdings macht der Fleischverkauf in den Metzgereien heute nur noch zwei bis drei Prozent aus“, sagt er. Das Hauptgeschäft sei der Wurstverkauf. Die meisten Menschen kauften Schweine- und Rindfleisch heute in den Supermärkten. Ähnlich äußerte sich sein Kollege Dieter Rohde. Auch er hat Wild im Angebot, das er von den Förstereien des Forstamtes Wolfhagen bezieht. Eine gestiegene Nachfrage hat auch er nicht beobachtet. Dies führt er darauf zurück, dass die Förstereien das Fleisch zunehmend selbst vermarkten, vor allem im Waldladen. „Und das finde ich auch sehr gut“, sagt Rohde. Laut Förster Schmidt kommen allerdings 70 Prozent des Wildfleischs, das in Deutschland auf den Markt kommt, aus Australien, Neuseeland und Südafrika. (mkx)

Der Waldladen Habichtswald, Ehlener Straße 32, Tel. 05 61 / 3 10-23 39, hat am heutigen Samstag von 9 bis 14 Uhr geöffnet sowie ab 3. Januar dienstags von 15 bis 17 Uhr. www.forst-hessen.de

Von Mirko Konrad

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