Etliche Versuche über die Jahrhunderte

Wilde Zeiten: Kassels bewegte Zoo-Geschichte

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Fundstück: Diese Tasse, die im Restaurant des Zoos eingesetzt wurde, tauchte 1971 bei Bauarbeiten im Park Schönfeld auf.

Kassel. In der Geschichte Kassels gab es etliche Versuche, Tierparks und Zoologische Gärten zu etablieren. Doch alle scheiterten.

In Kassel gibt es - abgesehen vom Kleintierzoo am Rammelsberg - keinen großen Tierpark. Den Experten hatte es schon häufig gewundert: „Es ist ungewöhnlich, dass eine 200.000-Einwohner-Stadt wie Kassel keinen Zoo hat“, sagt Dr. Kai Füldner, Leiter des Naturkundemuseums. Ein Blick in die Geschichte offenbart, dass es in Kassel sogar mehrere Zoos in den vergangenen Jahrhunderten gab. Einige waren nur dem Adel vorbehalten.

Tiere am Hof

Am Kasseler Hof wurden schon sehr früh wilde Tiere gehalten. Die frühesten Belege stammen aus dem 15. Jahrhundert. Seinerzeit wurden rund um das alte Landgrafenschloss, auf dessen Areal heute das Regierungspräsidium steht, Gräben angelegt, die die Namen ihrer Bewohner trugen: „Löwengraben“ und „Bärengraben“. Auch gab es einen Löwenzwinger. Bis 1760 wurden die Tiere dort gehalten.

Menagerien

Landgraf Wilhelm IV. (1567-1597) war der erste, der auch außerhalb des Schlosses eine Menagerie (Vorläufer des Zoos) errichtete. Sie befand sich unterhalb des Schlosses am Rand der Aue. Zur Betreuung der Kamele wurde ein „Hofmohr“ eingesetzt.

Unter Landgraf Karl (1677-1730) wurde eine größere Menagerie in der Aue angelegt, für deren Vielfalt der Fürst bewundert wurde. Sie befand sich zunächst im Umfeld der ab 1703 erbauten Orangerie. Dort gab es unter anderem Löwen, Tiger, Luchse und Affen zu bestaunen.

Um 1728 zog die Menagerie um. Der neue Standort befand sich unterhalb des Weinbergs, dort, wo sich heute eine Kleingartenanlage erstreckt. Zu den Attraktionen gehörte auch ein Eisbär, den Landgraf Karl vom König von Preußen geschenkt bekam. Als Landgraf Karl 1730 starb, wurde die Menagerie aufgelöst. Die Kassen waren leer.

Erst sein Enkel, Friedrich II., baute 1764 die Menagerie wieder auf. Größter Publikumsmagnet war ein junger indischer Elefant. Auch im Theater wurde dieser präsentiert. Nach einer Vorführung stürzte er den Auehang hinab und starb. Er wurde seziert und das Skelett des sogenannten „Goethe-Elefanten“ ist bis heute im Naturkundemuseum zu sehen. 1785 wurde die Menagerie endgültig aufgelöst.

Zoologischer Garten

Logo: Ein Stempel des Zoologischen Gartens (zum Vergrößern Bild anklicken). 

Ab 1896 entstand im Park Schönfeld ein Zoologischer Garten. Carl Kreibe aus Gotha hatte das Areal gepachtet. Im Schloss richtete er eine Gaststätte ein und im Park baute er mehrere Tierhäuser: Es gab Elefanten, Bären, Tiger, Löwen, Wölfe, Zebras, Nilpferde und Büffel zu bestaunen.

Da die Einnahmen die hohen Ausgaben nicht deckten, musste der Betrieb schon nach zwei Jahren wieder eingestellt werden. Der letzte Tierzwinger wurde erst 1962 abgerissen. 1971 wurde bei Grabungen auf dem Areal des Botanischen Gartens eine alte Tasse des Zoos gefunden.

Ausgestorben: Der Zoologische Garten mit exotischen Tieren im Park Schönfeld existierte nur für zwei Jahren. 1898 wurde er geschlossen, weil nicht genügend Besucher gekommen waren.

Von 1911 bis 1923 gab es am Schloss Schönfeld nochmals einen kleinen Zoo mit Affen, Wildschweinen, Seehunden, Bären und Fahrgeschäften, der von Gastwirt August Aurin betrieben wurde.

Tiere als Lockmittel der Gastwirte: Am Schloss Schönfeld gab es ab 1911 nochmal einen kleinen Zoobetrieb.

Zoo am Park-Restaurant

Hinter dem Park-Restaurant in der Karlsaue, das sich auf dem großen Rondell in der Nähe des Küchengrabens befand, richtete der Gastwirt Otto Eckart 1928 einen Zoo ein. Er hielt dort unter anderem Kamele, Bären, Löwen, Antilopen, Zebras und Affen. Eines Tages büxten die Affen aus und sorgten dafür, dass eine Dame in Ohnmacht fiel. Auf polizeiliche Anordnung mussten zwei Tiere abgeschossen werden, weil sie nicht eingefangen werden konnten.

Zoo im Park: Hinter dem Park-Restaurant in der Karlsaue wurden von 1928 bis 1939 wilde Tiere gehalten.

Als Eckart 1939 starb, wurde der Zoo aufgegeben. Das Restaurant wurde im Krieg stark beschädigt und in der Nachkriegszeit abgerissen.

Tiergarten-Restaurant: Auch der Gastwirt am Auedamm hielt zwischen den beiden Weltkriegen exotische Tiere.

Tiergarten in der Karlsaue

Wo sich heute das Chinarestaurant „Augarden – Dschingis Khan“ am Auedamm befindet, stand früher das Restaurant „Tiergarten“. Auf dem Areal war bis 1830 heimisches Wild gehalten worden. Noch zwischen den beiden Weltkriegen hielten die Betreiber aber auch exotische Tiere wie Affen, um die Gäste zu locken. Das Restaurant wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Neue Pläne für Zoos

In der Nachkriegszeit gab es verschiedene Bestrebungen, einen neuen Zoo in Kassel zu bauen. Bereits 1953 wurde der der Frankfurter Zoodirektor und Fernseh-Tierexperte Dr. Bernhard Grzimek nach Kassel eingeladen, um hier nach einem geeigneten Standort zu suchen. Dem Park Schönfeld wurden die größten Chancen eingeräumt. Es gab bereits erste Pläne und Kostenaufstellungen. So sollten ein Elefant, Zebras, Kamele, Bären, Löwen, ein Flusspferd, eine Giraffe und heimisches Wild gehalten werden.

Aus finanziellen Gründen scheiterte das Projekt. Es entstand aber ein Vogelpark im Park Schönfeld, der vom Tierparkverein geführt wurde. Wegen der schlechten Haltungsbedingungen wurde die Anlage 1969 aufgegeben.

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- Mehr zum Zoo am Rammelsberg erfahren Sie im Regiowiki.

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