Keine Gefahr für Besucher

Wildschweine wüten im Bergpark Wilhelmshöhe: Tiere kommen immer näher an bewohnte Bereiche

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Tiefe Furchen: Förster Arnd Kauffeld auf der Wiese, wo während der vergangenen Skisaisons am Hohen Gras im Habichtswald Autos geparkt haben.

Kassel. Umgepflügte Wiesen im Bergpark, aufgewühlte Erde bis an die Ränder der Druseltalstraße: Wildschweine sind im Bergpark auf Futtersuche und richten dabei Schäden an.

Weil es in diesem Jahr weniger Bucheckern gibt als in manch anderen Wintern, kommen die Tiere zudem immer näher an Wanderwege und bewohnte Bereiche. Die Schweine durchpflügen Grünflächen, um im Boden Engerlinge und Larven zu finden. Auch die Wiesen rund um das Weltkulturerbe sind aufgerissen. Besonders betroffen sind die waldnahen Bereiche. „Schon im letzten Jahr gab es eine Zunahme von Schäden durch Wildschweine“, sagt eine Sprecherin der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), die für die Bewirtschaftung des Bergparks zuständig ist. In den letzten Jahren seien Wildschweine im Herbst auch immer wieder im Bergpark gewesen. 

Uwe Zindel

Es handele sich aber nicht um ein örtliches Phänomen, sondern es sei auch in anderen Städten zu beobachten. „In diesem Jahr ist der Druck bei der Futtersuche jedoch bislang am höchsten, und die Wildschweine sind regelmäßig im Park“, erklärte die Sprecherin. Angst vor den Tieren muss man aber keine haben.

Durch die milden Winter in den vergangenen Jahren bekommen die Wildschweine mittlerweile das ganze Jahr über Nachwuchs. „Wir haben aktuell eine sehr starke Population, die sich nur über die Jagd regulieren lässt“, bestätigt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen, das den Habichtswald bewirtschaftet. In diesem Jahr seien 20 Prozent mehr Wildschweine geschossen worden als in den vergangenen Jahren. Im Bergpark, dem angrenzenden Habichtswald und in den Waldgebieten nördlich der A 44 waren das 200 Tiere.

Auf der Suche nach Nahrung: Auch die Wiesen in Höhe der Kaskadenwirtschaft sind von Wildschweinen durchwühlt worden.

Normalerweise halten sich Wildschweine vorwiegend in dicht bewaldeten Gebieten auf, erst wenn sie dort nicht mehr genügend Nahrung finden, dann wagen sie sich näher an belebte Wanderwege und Gärten heran. Schäden durch Wildschweine sind daher vorwiegend in den Herbst- und Wintermonaten zu beobachten. Die Wurzeln der Gräser, die Rhizome, mögen die Wildschweine besonders gern, weshalb sie mit ihren Nasen oftmals ganze Grünflächen umgraben. Aber nicht nur der Bergpark ist betroffen. Auch an vielen Stellen im Habichtswald oder beispielsweise an den Rändern der Drusetalstraße ist die Erde von den Tieren aufgewühlt worden. Wasser sammelt sich in den tiefen Furchen. In Baunatal war zuletzt durch Wildschweine ein Sportplatz beschädigt worden.

„In diesem Jahr gibt es weniger Bucheckern und Eicheln als in den vergangenen Wintern“, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen, das auch für den Habichtswald zuständig ist, der unmittelbar an den Kasseler Bergpark angrenzt. Einen konkreten Grund kann man dafür nicht nennen, das sei einfach von Jahr zu Jahr verschieden.

Häufiger Gast im Bergpark: das Wildschwein.

Förster Arnd Kauffeld, der das Revier Wahlershausen betreut, blickt auf die Wiesen in der Nähe des Parkplatzes Ziegenkopfes. Hier hätten in den vergangenen Jahren Wanderer und Wintersportler geparkt, momentan sei daran allerdings nicht zu denken. „Im Wald sind die Wildschweine für uns kein Problem“, sagt Kauffeld. „Wir brauchen das Schwarzwild“, sagt er, „da die Schweine den Mineralboden freilegen.“ Zum Problem würden sie für Landwirte, die die Schäden beispielsweise in ihren Wiesen beseitigen müssen.

Auch die Museumslandschaft Hessen Kassel rechnet damit, dass die Beseitigung der Schäden einige Wochen dauern wird. Spätestens zum Frühjahr sollen die Wiesen wieder grün sein.

Wer jetzt allerdings Sorge hat, dass ihm beim Spaziergang im Bergpark regelmäßig Wildschweine entgegenkommen, den kann Uwe Zindel beruhigen. Spaziergänger brauchen vor Wildschweinen keine Angst haben.

Wenn Spaziergänger auf Wildschweine treffen, sollten sie sich ruhig verhalten und einfach abwarten, bis die Tiere weitergezogen sind. Heutzutage habe man nur noch selten die Gelegenheit, Wildschweine zu beobachten. Solange die Tiere eine Fluchtmöglichkeit haben und nicht bedrängt werden, werden sie nicht zur Gefahr. Wenn allerdings eine Bache mit Frischlingen unterwegs ist, dann sollte man sich langsam von den Tieren entfernen.

Wussten Sie schon, dass...

• Wildschweine bis zu 250 Kilogramm schwer werden können? Das bezieht sich auf Keiler, die in Osteuropa zuhause sind.

• die Tiere bis zu 21 Jahre alt werden können? In freier Wildbahn erreichen sie aber maximal nur das Alter von zehn Jahren.

• männliche Wildschweine Keiler und ausgewachsene weibliche Wildschweine Bachen genannt werden?

• Wildschweine ein ausgeprägtes Sozialverhalten haben? Dabei ist eine Rotte ein Familienverbund von Wildschweinen, der von der Leitbache geführt wird.

• ein ausgewachsenes Wildschwein 44 Zähne hat?

• die Eckzähne der männlichen Wildschweine bis zu 20 Zentimeter lang werden? Das entspricht in etwa der Länge eines Taschenbuches.

• ein Wildschwein schneller ist als ein Mensch? Es bringt es auf Tempo 50, das schafft nicht einmal Usain Bolt.

• Wildschweine Allesfresser sind?

• das Auge der Wildschweine besser für das Dämmerungssehen als für das Farbsehen geeignet ist? Die langen Wimpern der Tiere sind ein Schutzmechanismus: Berührt im dichten Unterholz ein Ästchen die feinen Haare, löst dies einen reflexartigen Lidschlag aus.

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