Anwohner beschweren sich

Wildwest im Westen: Ruhestörung endet mit Attacke

Kassel. Nächtliche Ruhestörung mit Folgen: Eine Gruppe Feiernder hat im Vorderen Westen für erhebliche Unruhe gesorgt. Ein vom Lärm genervter Anwohner und Vater eines Kleinkindes wollte dem Trubel ein Ende machen. Nun muss er sich wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung verantworten.

Der Vater soll am vergangenen Sonntagmorgen einen 23-Jährigen mit einer Stange auf den Kopf geschlagen haben. Der junge Mann aus Großalmerode erlitt eine Platzwunde, die behandelt werden musste.

Der Vorfall ereignete sich im Kneipenviertel an der Ecke Querallee/Goethestraße. Die jungen Leute sollen nach einem Verkehrsunfall auf die Kreuzung gezogen sein, eine tragbare Musikanlage laut aufgedreht, gegrölt und getanzt haben. Außerdem sollen sie die provisorisch aufgestellten Verkehrsschilder rausgerissen und die Bauzäune umgestellt haben, sodass die Fahrbahn blockiert war. So schildern Anwohner den Vorfall.

Bei der Polizei ist über die nächtliche Ruhestörung anscheinend nur wenig bekannt. Laut Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch waren die Beamten kurz nach 1 Uhr vor Ort, um den Unfall aufzunehmen, der in keinem Zusammenhang mit dem Angriff gestanden habe. Allerdings hätten dieselben Beamten später einen Krankenwagen gerufen, damit der 23-Jährige ärztlich versorgt werden konnte.

Nach den Aussagen der Beteiligten soll der durch den Lärm aufgebrachte Anwohner aggressiv auf die Gruppe zugegangen sein und mit einer Sonnenschirmstange zugeschlagen haben, die im Gras gelegen hatte. Ob die jungen Leute betrunken waren, ist unklar. „Die waren mehr als alkoholisiert“, sagt ein älterer Anwohner, der durch den Lärm aufgeschreckt worden war. Die Polizei hat laut Jungnitsch bei der Gruppe keine Tests veranlasst. Ein Alkoholtest des nun beschuldigten Anwohners sei negativ gewesen.

Der 36-Jährige, der seit Längerem gegen nächtlichen Lärm aus den umliegenden Kneipen kämpft, fühlte sich in seiner Not in jener Nacht von der Polizei offenbar alleingelassen. „Fakt ist, das nichts geschehen ist“, sagt er. Nach seiner Darstellung haben die Jugendlichen längere Zeit Krach gemacht und die Musik gegen 1.30 Uhr derart laut aufgedreht, dass sein Kind erneut weinend aufgewacht sei. „Da ist mir das Herz gebrochen“, sagt er. Die Polizei habe nichts unternommen. Er sei dann auf die Straße gegangen und habe die Gruppe der acht bis zehn jungen Leute aufgefordert zu gehen. Statt seiner Bitte zu folgen, habe einer zu ihm gesagt: „Ich bin Deutscher. Ich darf das.“ Er bereue, dass die Situation eskaliert sei. „Ich darf keine Selbstjustiz üben.“ Es sei schon falsch gewesen, überhaupt nach draußen zu gehen. „Das war eine ganz üble Truppe.“

Von Ellen Schwaab

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