Viele laufen vorbei, ohne zu wissen was es ist

Wilhelmsstraße: Linearuhr soll restauriert werden

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Bundespräsident bestaunte Kasseler Erfindung: Peter Hertha (links) erklärte Walter Scheel 1978 sein Kunstwerk. Beim Besuch von Scheel in Kassel waren auch der damalige Ministerpräsident Holger Börner (hinten Mitte) und der frühere Kasseler Oberbürgermeister Hans Eichel (rechts).

Kassel. Jeden Tag gehen Hunderte Kasseler an der Wilhelmssstraße an einer neun Meter hohen Uhr vorbei und wissen doch nicht, wie spät es ist. Das liegt daran, dass viele Passanten sie nicht als Uhr erkennen oder ihre Funktionsweise nicht verstehen.

Und das, obwohl die so genannte Linearuhr dort seit 1977 steht.

Nun wollen die Erben des verstorbenen Kasseler Erfinders Peter Hertha die Uhr restaurieren und mit Hinweistafeln dafür sorgen, dass die Linearuhr wieder stärker ins Bewusstsein der Kasseler rückt. Statt Ziffernblatt oder Digitalanzeige hatte Hertha bei seiner Erfindung auf eine neue Form der Zeitdarstellung gesetzt: 39 Lampen zeigen Stunden, Minuten und Sekunden an. Bereits in den 1960er-Jahren hatte der Ingenieur und Künstler erste Modelle entwickelt. Eines der Tischmodelle bekam der frühere Bundespräsident Walter Scheel geschenkt, als er im Oktober 1978 in Kassel zu Gast war.

Bereits ein Jahr zuvor war die große Version an der

Alles zur Linearuhr lesen Sie im Regiowiki

Wilhelmsstraße/ Ecke Ständeplatz aufgestellt worden. Dies geschah, nachdem zuvor Pläne verworfen worden waren, die Uhr an der Fassade des Rathaus-Erweiterungsbau an der Oberen Karlsstraße anzubringen. Peter Hertha, der auch den Kasseler Laser des documenta-Künstlers Horst H. Baumann mitentwickelte, ist

Sie setzen sich für die Linearuhr ein: Die Töchter des Erfinders, Susanne Hertha-Balhorn (links) und Stephanie Hertha (rechts), mit dem Freund der Familie, Jens Erben. Foto: L. Koch

1991 im Alter von 51 Jahren gestorben.

Nun kümmern sich seine Töchter Christiane und Stephanie Hertha sowie Ulrike Hertha-Wissemann und Susanne Hertha-Balhorn um sein künstlerisches Erbe. Unterstützt werden sie von einem Freund der Familie, Jens Erben. Gemeinsam wollen sie die in die Jahre gekommene Uhr wieder herrichten, die ohnehin auf LED-Technik umgerüstet werden muss, weil die nötigen Glühbirnen bald nicht mehr erhältlich sein werden. Das Kunstwerk soll nicht nur gereinigt und Dellen und Kratzer beseitigt werden, den Nachkommen geht es auch darum, die Uhr mit Hinweistafeln zu erläutern. Nicht nur, was ihre Funktionsweise angeht, sondern auch was die damit verbundenen Gedanken des Erfinders zum Thema „Zeit, Licht, Leben“ betrifft.

Eine weitere Idee ist es, die Produktion des Tischmodells, das Walter Scheel bis vor Kurzem in seinem Büro in Bad Krozingen stehen hatte, wieder aufzunehmen und diese Modelle dann zu vermarkten. Scheel hat sein Gastgeschenk den Nachfahren bereits zur Verfügung gestellt. Bei der Umsetzung ihrer Pläne hoffen die Erben auf weitere Unterstützer. Es sind nicht nur Sponsoren gesucht, sondern auch Menschen, die weitere Geschichten zur Uhr beitragen können.

Von Bastian Ludwig

So funktioniert die Uhr: Um die Uhrzeit von der Linearuhr abzulesen, muss man eigentlich nur die Addition beherrschen. Die 39 Glühbirnen sind in sechs Gruppen aufgeteilt – die vergleichbar sind mit den sechs Stellen einer Digitaluhr. Die ersten beiden Lampen zeigen an, ob die Uhrzeit mit einer 1 oder einer 2 beginnt (also die Zehnerstunden), die nächsten neun Lampen zeigen, welche Zahl folgt. Dieses System setzt sich für die Minuten und Sekunden fort. Eingestellt werden kann die Uhr von einer Steuerung, die im benachbarten Kaffee „The Coffee Store“ hängt. (bal)

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