Will Hilgen den Hessentag in Kassel? - Pro und Kontra

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Festzug vor dem Rathaus: Bereits im Jahr 1964 war Kassel Gastgeber des Hessentags. Unser Archivfoto zeigt eine Trachtengruppe auf der Königsstraße.

Kassel. Wird Kassel zum zweiten Mal nach 1964 Veranstalter des Hessentages? Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) bestätigt zumindest, dass es entsprechende Überlegungen gibt. Das wirft Fragen auf.

Bertram Hilgen

Hilgens eigene Partei äußert sich deshalb auch recht zurückhaltend. Vellmar habe eine sehr verantwortungsbewusste Entscheidung getroffen, sagt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Enrico Schäfer. Bevor nicht genauere Zahlen auf dem Tisch lägen, werde man sich weder für noch gegen den Hessentag aussprechen.

Viel Zeit dafür bleibt nicht mehr. Wie gestern bekannt wurde, will die Landesregierung schon Mitte September entscheiden, wer den Hessentag im Jahr 2013 ausrichten soll. Als Ersatzkandidaten hatten sich zuletzt Korbach und Bad Wildungen in Spiel gebracht.

Stadion statt Konzertbühne

Befürworter eines Hessentages in Kassel argumentieren damit, dass hier eine wesentlich bessere Infrastruktur vorhanden sei als in Kleinstädten. Große Bühnen für Konzerte zum Beispiel müsse man nicht aufbauen. Dafür stehe das Auestadion zur Verfügung. So könne man die Kosten senken, ein Defizit möglicherweise vermeiden und Landeszuschüsse sinnvoll nutzen.

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Genau das werde jetzt geprüft, sagt Oberbürgermeister Hilgen. Zunächst müsse geklärt werden, ob das Land eine Stadt mit 200 000 Einwohnern überhaupt als Ausrichter akzeptiere. Zudem wolle man in aller Sachlichkeit die Vor- und Nachteile für die Stadtentwicklung, den Tourismus und die Finanzen bewerten.

Das Ergebnis wollen die Grünen vor einer Entscheidung abwarten. „Wir haben das noch nicht diskutiert“, sagt der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Thomas Flügge. Oberbürgermeister Bertram Hilgen müsse erst einmal belastbare Zahlen vorlegen. Das fordert auch die CDU, die sich aber im Grundsatz schon festgelegt hat. „Wir wollen den Hessentag 2013 in Kassel“, sagt der Fraktionsvorsitzende Dr. Norbert Wett. Die Großveranstaltung habe einen hervorragenden Werbeeffekt. Die Hotel- und Gastronomiebranche werde auf jeden Fall davon profitieren.

Der Hessentag in Kassel könnte zu einem großen Geburtstagsfest werden. Im Jahr 2013 feiert die Stadt ihr 1100-jähriges Bestehen.

Die Vorbereitungen dafür laufen schon eine ganze Weile. Auf Großveranstaltungen wollte man dabei bewusst verzichten, hatte Oberbürgermeister Hilgen bisher angekündigt. Das könnte sich jetzt ändern.

Pro: Es wäre die Krönung

Thomas Siemon ist für
den Hessentag in Kassel

Für Vellmar ist der Hessentag zu teuer, in Kassel soll er stattfinden. Das kann doch nur eine Schnapsidee sein. Oder vielleicht doch nicht? Möglicherweise ist eine Großstadt wie Kassel sehr viel besser dafür geeignet, das Fest der Hessen mit einem Millionenpublikum auszurichten. Das fängt beim Auestadion als Konzertarena an, geht beim gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr weiter und hört bei den Übernachtungsmöglichkeiten noch lange nicht auf. Das Jahr 2013 ist kein beliebiges Datum. Kassel feiert dann sein 1100-jähriges Bestehen. Doppelten Grund zum Feiern könnte es geben, wenn der Welterbe-Antrag für den Bergpark Wilhelmshöhe Erfolg hat.

Der Hessentag wäre die Krönung eines außergewöhnlichen Jahres. Allerdings nur, wenn die Finanzierung nicht zum unkalkulierbaren Risiko wird. Das Land kann seinen Teil dazu beitragen. Finanziell, aber auch konzeptionell. Die Debatte darüber, wie groß und aufwendig so ein Hessentag sein muss, hat längst begonnen. Kassel könnte zum Beispiel dafür werden, dass es auch anders geht.

Kontra: Es wäre ein teurer Fehler

Uli Hagemeier ist gegen den Hessentag in Kassel

Das überraschende Nein Vellmars zum Hessentag war eine gute Gelegenheit, über den Sinn dieser Massenveranstaltung nachzudenken. Zu groß, zu lang, zu teuer - es gibt sehr gute Gründe, das Hessenfest infrage zu stellen. Stattdessen denkt man in Kassel darüber nach, den Hessentag hierher zu holen. Hat denn am Montag im Rathaus niemand zugehört, was der Kämmerer zum Schuldenstand Kassels gesagt hat? Oder kommt es bei über 70 Millionen Euro neuer Schulden im nächsten Jahr und einer ähnlichen Planung für 2013 auf fünf weitere Millionen Miese nicht mehr an? Wer glaubt, rote Zahlen schrieben nur kleine Kommunen als Ausrichter, in Kassel könnte man mit so einem Fest Geld verdienen, der irrt.

Das Stadtjubiläum 2013 sollte von Kasselern für Kasseler ausgerichtet werden. Waren die wortreichen Begründungen dieses Ansatzes nur Geschwätz? Oder glaubt man, wenn zum Hessentag die Massen in die Stadt rollen, zahlt das Land doch noch mehr für den Altmarkt-Umbau und das Grimm-Museum? Leute, wacht auf. Kassel hat genug andere Probleme

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