Altmarkt-Umbau: FDP fordert Verzicht auf Fußgängerüberwege

Der Altmarkt in Kassel.

Kassel. Die Kasseler Liberalen wollen auf Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) einwirken und erreichen, dass der 80-Prozent-Zuschuss des Landes zum geplanten Umbau der Altmarkt-Kreuzung nicht gezahlt wird.

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Matthias Nölke, stellvertretender Vorsitzender der FDP Kassel-Stadt erklärt, es dürfe nicht sein, dass trotz einer Zwei-Millionen-Investition die Situation für die Verkehrsteilnehmer auf dem Altmarkt schlechter werde. Und es dürfe auch nicht sein, dass das Land Hessen viel Geld ausgebe und die Kasseler unter einer schlechten Verkehrsplanung zu leiden hätten, sagt Nölke. Die FPD lehnt zusammen mit der CDU und den Freien Wählern den Bau von drei neuen Fußgängerüberwegen und die Schließung der Fußgängertunnel am Altmarkt ab.

Matthias Nölke

Die FDP-Rathausfraktion fordert, den Altmarkt-Umbau zu stoppen und die Tunnel zu erhalten. Erst durch den Neubau des Finanzzentrums, das nicht behindertengerecht an den Fußgängertunnel angebunden wurde, sei das Problem entstanden, sagt der FDP-Stadtverordnete Heinz Gunter Drubel. Er kritisiert, dass dem Investor für das Gebäude nicht zur Auflage gemacht worden sei, eine unterirdische Verbindung vom Tunnel direkt in das Finanzzentrum zu schaffen. Jetzt müsse noch mal geprüft werden, ob nicht doch der Einbau von Aufzügen in die Tunnel die bessere und günstigere Alternative zum Umbau der Kreuzung wäre, fordert Drubel.

Auch viele HNA-Leser kritisieren das Umbauvorhaben an der Kreuzung, über die täglich mehr als 60 000 Fahrzeuge rollen. „Es wird immer schlimmer, wir kommen nicht mehr in die Innenstadt“, klagt Magdalena Ostertag aus Niestetal-Heiligenrode. Kassel betreibe eine „Politik gegen die Autofahrer“, der gesamte Osten werde regelrecht abgewürgt, obwohl bei SMA inzwischen weit über 5000 Beschäftigte arbeiten würden. Statt in die Kasseler Innenstadt „fahre ich jetzt ins dez-Einkaufszentrum“, sagt die Autofahrerin.

Nach Einschätzung von Karl-Heinz Carthäuser aus Kassel werde durch zusätzliche Fußgängerüberwege am Altmarkt dort alles noch viel schlimmer. Längere Staus, längere Umwege, mehr Auspuffgase zählt er auf: „Das ist unmöglich.“ Ingrid von Bischofshausen hält es dagegen für richtig, dass Fußgänger und Radler nach oben sollen. Aber eine Fahrtrichtung des Autoverkehrs könne - wie in anderen Städten - in einen Straßentunnel unter der Kreuzung verlegt werden, um den Verkehrsfluss zu verbessern.

Heinz Gunter Drubel

Die HNA hatte eine seit 2008 im Rathaus unter Verschluss gehaltene verkehrstechnische Untersuchung öffentlich gemacht. Das Gutachten, das nicht einmal allen Stadtverordneten vorlag, war bisher nur auszugsweise öffentlich erörtert worden. Auch in einer Folgeuntersuchung 2009 wird deutlich, dass nach dem Umbau der Kreuzung ein Drittel der insgesamt 24 geprüften Wegebeziehungen so überlastet ist, dass mit Dauerstaus und langen Wartezeiten zu rechnen ist. Nach der Kritik am Umgang mit diesen Informationen hat Stadtbaurat Dr. Joachim Lohse das Gutachten auf den Internetseiten der Stadt veröffentlicht, um für mehr Transparenz zu sorgen.

www.stadt-kassel.de

Von Jörg Steinbach

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