Kühne-Hörmann kündigt „neue Kommunikationswege“ an und bleibt Stadtverordnete

Die CDU will Neuanfang

Kassel. Es scheint so, als hätten sich die führenden Köpfe in der Kasseler CDU offen die Meinung gesagt. Anders als in den Tagen nach der Kommunalwahl begründete Parteichefin Eva Kühne-Hörmann das schlechte Ergebnis von 24,2 Prozent (minus fünf Prozent) nicht nur mit überregionalen Einflüssen. Auch in der Kasseler CDU gebe es Ursachen, räumte sie ein.

Das Abschneiden bei der Wahl werde die CDU offen bei Klausurtagungen aufarbeiten. Bereits am Wochenende will sich die Parteiführung zusammensetzen. Anfang Mai geht die Fraktion in Klausur.

Im Gespräch mit der HNA ging Kühne-Hörmann auch auf die Kritik an ihrem Führungsstil ein: „Ich glaube, dass auch ich nicht alles richtig gemacht habe.“ Offenbar sei nicht allen das Gefühl vermittelt worden, mitgenommen zu werden. Obwohl die Partei vor der Wahl „so viel eingebunden wurde wie nie“, könne man „immer noch mehr miteinander reden“. Kühne-Hörmann kündigte „neue Kommunikationswege“ innerhalb der Partei an. Außerdem solle über die inhaltliche Ausrichtung diskutiert werden.

„Ich glaube, dass auch ich nicht alles richtig gemacht habe.“

CDU-Vorsitzende Eva Kühne-Hörmann

Offenbar hat die Partei die Vorsitzende dazu ein Stück weit gedrängt. „Ein Weiter-so kann es nicht geben“, betonte der wiedergewählte Fraktionschef Dr. Norbert Wett. Die Wahlniederlage sei gerade für die Ehrenamtlichen persönlich und emotional belastend. Niemand im Parteivorstand habe warnende Anzeichen für Frust wahrgenommen.

Herrscht in der Kasseler CDU zu viel Basta-Mentalität? „Vielleicht“, sagte Wett. „Wir hätten früher einschreiten müssen, als wir Bauchschmerzen hatten.“ Über Schlussfolgerungen aus dem Wahlergebnis werde es weitere kritische Gespräche geben, sagte Parteivize Martin Engels. „Die CDU Kassel hat verstanden.“ Gemeinsam mit Barbara Hermann-Kirchberg und Heinz Schmidt soll Engels die CDU künftig im ehrenamtlichen Magistrat vertreten.

Aber man dürfe Kühne-Hörmann nicht für alles verantwortlich machen, sagte Wett. Der ganze Vorstand müsse sich selbstkritisch hinterfragen. Beispiel ist die Nominierung von Oberbürgermeister-Kandidat Ernst Wegener, den inzwischen viele Christdemokraten als Fehlgriff sehen. Zwar hatte Kühne-Hörmann Wegener vorgeschlagen, doch sowohl im Vorstand als auch auf dem Parteitag hatte niemand seine Bedenken laut geäußert.

Bei ihrer konstituierenden Sitzung einigte sich die Fraktion auf das Personaltableau. Welche Ämter die im Land geforderte Wissenschaftsministerin Kühne-Hörmann in Kassel übernimmt, sei noch nicht besprochen worden. Klar sei aber, dass sie „auf jeden Fall“ ihr Stadtverordneten-Mandat ausüben werde, sagte sie.

Neben Wett gehören zur Fraktionsspitze: Dr. Maik Behschad, Bernd-Peter Doose, Wolfram Kieselbach und Waltraud Stähling-Dittmann. Nicht mehr dabei ist Parteivize Michael Bathon. Aus beruflichen Gründen habe er verzichtet, hätte bei Bedarf aber zur Verfügung gestanden. Das habe er Wett signalisiert, sagte Bathon. HINTERGRUND KOMMENTAR

Von Claas Michaelis

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