Bäder: Wille ist da, Weg fehlt

+
Streitobjekt: Das Freibad Wilhelmshöhe verfügt über ein 28 000 Quadratmeter großes Grundstück. Die SPD will es verkaufen, die Mehrheit der Stadtverordneten nicht.

Kassel. Die Landtagswahl findet zwar erst am 22. September statt, der Wahlkampf hat aber bereits am Montag begonnen. Im Verlauf einer Sondersitzung zur Zukunft der Kasseler Freibäder attackierte die CDU-Landtagsabgeordnete und Ministerin Eva Kühne-Hörmann die Spitzen der SPD ungewohnt scharf.

„Sie haben die Beschlüsse der Stadtverordneten missachtet“, warf sie Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) vor.

Stattdessen trete er bürgerschaftliches Engagement im Förderverein Freibad Wilhelmshöhe mit Füßen. Barthel und Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) warf sie vor, sie seien gegen die Bäder und nur an dem Grundstück in Bad Wilhelmshöhe interessiert. Einen konkreten Vorschlag, wie Sanierung und Betrieb der Bäder zu finanzieren seien, blieb Kühne-Hörmann schuldig.

Investitionen gedeckelt

Lesen Sie auch

Bäder in Wilhelmshöhe und Harleshausen werden saniert

Genau das forderten Redner der SPD immer wieder ein. Oberbürgermeister Hilgen berichtete von einem Gespräch mit Regierungspräsident Lübcke (CDU). Demnach dürfe die Stadt im kommenden Jahr nicht mehr als 16,25 Millionen Euro investieren. Für die Schwimmbäder werde diese Deckelung nicht angehoben. Genau dies sei der Grund für den Vorstoß der SPD, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christian Geselle. Seit dem ersten - auch von der SPD mitgetragenen - Beschluss zur Sanierung der Bäder im Jahr 2008 hätten sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, hielt Dr. Norbert Wett, der Vorsitzende der CDU-Fraktion dagegen. Er warf der SPD vor, Stadtteile gegeneinander auszuspielen.

Auf Konfrontationskurs mit der SPD in der Bäderfrage geht auch deren Kooperationspartner, die Grünen. Für Projekte, die von den Genossen gewollt seien, habe es immer Geld gegeben, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Gernot Rönz. Als Beispiele nannte er das Lange Feld, das Auestadion, den Flughafen und die Grimmwelt. Bäder seien Teil einer kinder- und familienfreundlichen Stadt. „Finden Sie zurück zur erfolgreichen rot-grünen Kooperation der vergangenen Jahre“, appellierte er an die SPD. „Wenn wir jetzt ein Bad schließen, dann ist das für immer“, warnte Dieter Beig (Grüne).

Während die FDP nach internen Querelen im Vorfeld den Vorschlag machte, die Verantwortung für die Bäder an eine Bürgergenossenschaft abzugeben, setzten sich Linke und Piraten vehement für die Sanierung ein. Kassel habe sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt, sagte Kai Boeddinghaus (Linke). „Und ausgerechnet jetzt sind wir angeblich nicht mehr in der Lage, wichtige Infrastruktureinrichtungen zu halten? Wer soll das glauben?“

Die Mehrheit der Stadtverordneten (35) sah das ähnlich und erneuerte den Auftrag an den Magistrat, die Bäder zu sanieren. Die 24 SPD-Abgeordneten lehnten das ab.

Von Thomas Siemon

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.