Bilanz 2016

Wind bringt Energiewende in Nordhessen voran

Kassel. Durch neue Windkraftanlagen ist im vergangenen Jahr die Energiewende in Nordhessen vorangeschritten. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien legte in der Region über dem bundesweiten Durchschnitt zu.

Zu diesem Ergebnis kommt die in Kassel ansässige cdw-Stiftung. Die von den Gründern des Solartechnikherstellers SMA errichtete Stiftung untersucht seit dem Jahr 2011 den Fortschritt der Energiewende in der Stadt Kassel und den nordhessischen Landkreisen.

Thomas Flügge

Während von 2015 auf 2016 bundesweit der Anteil der regenerativ erzeugten Strommengen nur noch um 0,2 auf 32 Prozent gesteigert werden konnte, gelang es in Nordhessen, den Anteil um weitere sechs auf rund 48 Prozent zu steigern, berichtet Thomas Flügge, Geschäftsführer der Stiftung. Für das Ziel „100 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien vor dem Jahr 2050“ sei scheinbar die halbe Wegstrecke geschafft. Aber, so Flügge: „Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Energiewende kein Selbstläufer ist.“

Die Entwicklung

In absoluten Zahlen stellt sich die Entwicklung der regenerativ erzeugten Strommengen in Nordhessen so dar (im Jahresvergleich): Insgesamt stieg der Strom aus Erneuerbaren Energien von 1,72 Millionen Megawattstunden (MWh) 2015 auf 1,9 Millionen im Jahr 2016. So verteilt sich die regenerativ erzeugte Strommenge auf die Energiearten:
 • Windkraft: 775 230 MWh (2015: 598 510 MWh)
 • Photovoltaik: 576 730 MWh (2015: 599 510 MWh)
 • Wasserkraft: 72 590 MWh (2015: 63 920 MWh)
 • Biomasse: 478 290 MWh (2015: 453 180 MWh).

(Zum Vergleich: Ein mittleres Atomkratftwerk hat eine Leistung von 1400 MWh).

Die Probleme

Das Sorgenkind bleibt die Nutzung der Sonnenergie, die gegenüber dem Vorjahr stagnierte. „Die Photovoltaik konnte sich nicht von dem drastischen Markteinbruch erholen“, sagt dazu Thomas Flügge. Nur 14 Megawatt Leistung seien 2016 neu installiert worden, das entspreche einem Wachstum von gerade einmal zwei Prozent. „Damit versäumt es die Region, das enorme Potenzial an Wertschöpfung auszuschöpfen.“ Noch im Jahr 2012 habe die regionale Wertschöpfung allein für die Photovoltaik bei jährlich 94 Millionen Euro gelegen.

Die Perspektive

Nordhessen ist nach Einschätzung der Stiftung eine der führenden Regionen in Deutschland im Bereich der dezentralen Energieversorgung. In kaum einer anderen Region konzentrierten sich derart viele Institutionen zur Entwicklung von Lösungen für die Energiewende. Mehr als 15 000 Menschen in Betrieben, der Industrie, in Instituten und in der Universität Kassel arbeiten in Nordhessen inzwischen in diesem Bereich.

Die Anforderungen

Das Ziel „100 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien“ sei immer noch vor dem Jahr 2050 in Nordhessen erreichbar, glaubt Flügge. „Aber dafür muss der Ausbau mutig vorangetrieben werden.“ Neben dem Engagement der Städte, Kreise und Kommunen sei dafür das Engagement der einzelnen Bürger entscheidend. „Die Energiewende von unten ist mehr als ein Schlagwort.“

Hintergrund: Energiewende

Als Indikator für die Energiewende in Nordhessen dient der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch. Den jährlichen Gesamtstromverbrauch gibt die Stiftung mit 3,98 Millionen Megawattstunden (MWh) an. Davon entfielen 2016:
 • 52,2 Prozent auf konventionellen Strom (2015: 58,2 %)
 • 14,5 Prozent auf Photovoltaik (2015: 14,6 %)
 • 1,8 Prozent auf Wasserkraft (2015: 1,6 %)
 • 19,5 Prozent auf Windkraft (2015: 14,6 %) und
 • 12,0 Prozent auf Biomasse (2015: 11,0 %). 

Bis 2050 soll der Stromverbrauch in Nordhessen auf 3,68 Mio. MWh reduziert und der gesamte Strom regenerativ erzeugt werden.

Nähere Informationen und Daten bietet die cdw-Stiftung im Internet auf www.energiewendenordhessen.com.

Rubriklistenbild: © Schmidt/Aibotix/nh

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