Der Wind sorgt für Strom

Bis zu 250 Windkraftanlagen sollen in Nordhessen die Elektrizitätsversorgung sichern

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Rotoren im Wald: Die größengerechte Simulation zeigt einen Teil des geplanten Windparks Niestetal/Söhrewald, und zwar den Blick auf den Standort Warpel in der Söhre von Lohfelden aus.

Kassel. Machen erneuerbare Energien den Strom unbezahlbar? Nein, ist Kassels Stadtwerke-Vorstand Dr. Thorsten Ebert überzeugt. Würde die Industrie ebenfalls zur Kasse gebeten, müssten die privaten Stromkunden nur noch die Hälfte der EEG-Umlage zahlen.

Der Zuschlag auf den Strompreis nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz liegt derzeit bei 5,3 Cent pro Kilowattstunde.

Dr. Elisabeth Benecke von der Verbraucherzentrale Hessen kritisierte beim 3. Nordhessischen Energiegespräch ebenfalls die „ungleiche Verteilung der Lasten“ bei der Förderung der Stromproduktion aus Wind, Sonne und Biomasse.

Auch die milliardenteuren Windparks auf hoher See stehen in der Kritik. Solche Offshore-Windparks könnten sich nur die großen Energiekonzerne leisten, „das ist für Stadtwerke eine Nummer zu groß“, sagte Ebert. Es gehe offenbar darum, den Konzernen den Wechsel von einer Großtechnologie zur nächsten zu ermöglichen.

Nordhessen will weiter auf dezentrale Stromerzeugung setzen. Bis zu 250 Windenergie-Anlagen sollen errichtet werden und künftig 60 Prozent des Stroms für 700 000 Menschen in der Region liefern, erklärt Martin Rühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfhagen und der Stadtwerke-Union Nordhessen (SUN). Der Zusammenschluss von bisher sechs Stadtwerken (Kassel, Bad Sooden-Allendorf, Eschwege, Homberg (Efze), Witzenhausen und Wolfhagen) will drei Viertel der GmbH-Anteile für die Beteiligung von Bürgerenergiegenossenschaften und Kommunen reservieren. Damit soll erreicht werden, dass viele Menschen von dem Stromgeld, das in der Region bleibt, profitieren können.

Die Windenergie werde künftig den Löwenanteil des Stroms erzeugen, erklärte Rainer Baake, Direktor des Denklabors Agora Energiewende. Windenergieanlagen seien zwar teuer, aber dafür seien die Betriebskosten „nahe null“, während die bisherigen Kraftwerke hohe Betriebskosten vor allem für Brennstoffe hätten. Die Herausforderung der Zukunft sei, die wetterabhängige Stromeinspeisung mit dem Verbrauch zu synchronisieren: „Wir müssen unser Stromsystem neu erfinden.“

Von Jörg Steinbach

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