Kasseler Unternehmen wird Teil neuer Gesellschaft

Wingas-Führung ausgetauscht - Folgen für Kasseler Beschäftigte unklar

Die Erdgasspeicher der Wingas-Tochter Astora gehören zu den größten in Europa: In der Verdichterstation in Bunde, in der Nähe von Leer in Ostfriesland, wird Erdgas für Norddeutschland komprimiert. Die Verdichterstation übernimmt Erdgas aus der Nordsee und auch aus Norwegen. Archivfoto: Wingas/nh

Nur wenig Worte braucht Gazprom-Germania, um die komplette Wingas-Führung auszutauschen: Mit Wirkung zum 9. Februar seien Lavrenty Pilyagin und Slawa Margulis als neue Geschäftsführer der Wingas GmbH bestellt worden.

Pilyagin und Margulis – Prokuristen der Gazprom Germania – folgen als Geschäftsführer auf Dmitry Kotulskiy, Dr. Ludwig Möhring und Vitaly Vasiliev. Pilyagin ist auch Geschäftsführer der Gazprom-Tochter GM&T (Gazprom Marketing und Handel) in London.

Keine weiteren Angaben zu den neuen Geschäftsführern in Kassel, nichts zu den Gründen warum die Manager gehen mussten. Kein Kommentar, heißt es bei Gazprom Germania in Berlin. Die Aufgaben des Vertriebschefs soll der Vertriebsmanager Matthias Peter übernehmen. Dem Vernehmen nach wird er nicht Mitglied der Geschäftsführung sein, heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens.

Im Oktober 2016 verließ der damalige Wingas-Chef Gerhard König das Unternehmen. Begründet wurde dies seinerzeit mit der Integration von Wingas in den Gazprom-Konzern sowie mit der Stärkung des Europa-Geschäfts. Mit der Entlassung Möhrings sind nun sämtliche Verbindungen in die Geschichte des Unternehmens gekappt. Gestartet war Wingas als deutsch-russisches Gemeinschaftsunternehmen von Wintershall und Gazprom. Seit 2010 war Möhring Geschäftsführer für den Vertrieb, zuletzt auf der Führungsebene.

Folgen für Beschäftigte in Kassel unklar

Welche Folgen diese Entwicklung für die 400 Beschäftigten am Standort Kassel haben wird, ist unklar. Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu hören, dass sich Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz sorgen und dass es bereits zu Kündigungen seitens der Mitarbeiter gekommen sei. Auf einer betriebsinternen Veranstaltung soll auch von Stellenabbau die Rede gewesen sein.

Aus einer Mitteilung der Gazprom-Germania geht hervor, dass der russische Energieriese beschlossen habe, „die operative Struktur für ihre Exporttätigkeit, einschließlich Marketing und Handel, zu reorganisieren“. Das neue Unternehmen setzte „die Bildung eines integrierten internationalen Geschäftsbereichs für Absatz voraus, der für Lieferung, Handel und Marketing im Rahmen des gesamten Exportportfolios der PAO Gazprom zuständig sein wird“. Dies soll in den kommenden zwei Jahren erfolgen.

Im ersten Schritt würde das Geschäft und das Vermögen „der Unternehmen, die der Gazprom Germania-Gruppe angehören, zusammengeschlossen und optimiert“ – zu jenen Unternehmen gehört auch die Wingas und deren Tochterunternehmen Astora. Im zweiten Schritt sollen die „umstrukturierte Gazprom Germania und Gazprom Export ihre operativen Aktivitäten vereinigen, um den internationalen Geschäftsbereich für Absatz zu bilden“.

Zusammenlegung nach Übernahme

Mit dieser Neuaufstellung würde vollzogen, was seit der Übernahme der Wingas durch die Gazprom 2015 spekuliert wurde: die Gazprom-Töchter GMT (London), Wingas (Kassel, Vertrieb) und die Gazprom Germania (Berlin) werden zusammengelegt. Wie das Unternehmen künftig aussehen wird, wo es seinen Sitz hat, wäre jetzt Spekulation, sagt ein Insider. Aber sicher sei, dass sich einiges ändern wird.

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