Ehemaliger Page im Hotel Reiss erinnert sich an Pierre Brice

Aufnahme entstand am 26. Oktober 1965 im Kasseler Hotel Reiss: Pierre Brice (rechts) war seinerzeit zu Besuch, um seinen Film „Winnetou III“ im Kaskade-Kino zu präsentieren. Hotel-Page Gerhard Hoffmeister, der sich auch mit dem Star ablichten ließ (3. von links), erinnert sich für die HNA. Archivfoto: privat/nh

Kassel. Schauspieler Pierre Brice ist am Samstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Winnetou-Darsteller war mehrfach zu Besuch in Kassel.

Wir werfen einen Blick zurück. Besonders schön ist die Erinnerung an seinen Besuch im Jahr 1965, als er in Kassel „Winnetou III“ vorstellte.

Die Enttäuschung war in Kassel vermutlich groß, als unsere Zeitung am 20. Oktober 1965 titelte „Pierre Brice kommt nicht“. Der Grund für die Absage seines Premierenbesuchs zu „Winnetou III“ im früheren Kasseler Kaskade-Kino war eine Kieferoperation. Eine Woche später holte der Apachenhäupling seinen Ritt nach Kassel nach.

Schon bei der Ankunft am Vorplatz des Hauptbahnhofs wurde Brice von jugendlichen Fans belagert. Die Schmerzen von der Operation waren dem Schauspieler noch anzusehen, wie unsere Zeitung seinerzeit zu berichten wusste. „Der melancholische Zug, der dem Apachenhäuptling so gut zu Gesicht steht, war an diesem Tag tiefer als sonst“, schrieb die Hessische Allgemeine.

Gerhard Hoffmeister

Gerhard Hoffmeister (74), damals Page im Hotel Reiss gegenüber des Hauptbahnhofs, nahm den Franzosen in Empfang und trug ihm das Gepäck aufs Zimmer. Der damals 25-Jährige hatte gerade erst in dem Hotel angefangen zu arbeiten. „Beim Besuch von Brice war schwer was los. Die hätten uns bald die Türen eingedrückt“, erinnert sich Hoffmeister. Ein „junger Bengel“ habe den Hotelbediensteten zugerufen, sie sollten sich bloß nicht einbilden, was Besseres zu sein. Ihm selbst sei der Trubel um den Star befremdlich gewesen: „Apachenfilme waren nicht so mein Ding.“

Doch an Brice hat er gute Erinnerungen: „Das war ein ruhiger Typ. Er sprach damals nur Französisch.“ Gemeinsam mit Leuten aus der Kinobranche und Mitarbeitern des Hotels habe man noch ein Bild in der Lobby gemacht.

Irgendwann habe sich der Schauspieler auf sein Zimmer zurückgezogen, um sich für seinen Premierenauftritt im Kino auf dem Königsplatz umzuziehen. „Als der von der Lobby rauf aufs Zimmer ging, haben sich die Kinder draußen die Nasen an der Scheibe des Hotels platt gedrückt“, erinnert sich Hoffmeister.

Fans warteten umsonst

Auf dem Vorplatz des Kasseler Hauptbahnhofs: Pierre Brice 1965 in einer Traube von Kindern und Jugendlichen, die für ihn schwärmen. Archivfoto: Lengemann/nh

Weil Brice an dem Tag offenbar keine Lust auf den Rummel hatte, bat er darum, dass Hotel durch den Hintereingang verlassen zu können. Hoffmeister holte den Schauspieler mit dem Fahrstuhl ab und führte ihn in die damals benachbarte Gaststätte „Hessenklause“, zu der es einen Durchgang gab. Gleichzeitig hätten andere Hotelangestellte die Menge vor der Hoteltür besänftigt. „Die nickten denen zu und taten so, als würde Brice gleich herauskommen.“

Während die Fans vergeblich warteten, schlüpfte Brice aus dem Seitenausgang der Hessenklause ins Freie und verschwand in einen bereit gestellten Wagen. „Wir haben den Leuten vor der Tür erzählt, dass Brice das Hotel aus einem Hintereingang verlassen habe. Wenn sie ihn noch sehen wollten, müssten sie schnell zum Kaskade laufen. Dann sind die wie die Verrückten losgerannt.“

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