Winter setzt Krähen zu

Am Lutherplatz wurden vermehrt tote Vögel gefunden – Vermutlich Futtermangel

Wie vom Himmel gefallen: Diese tote Rabenkrähe lag gestern auf dem Grünzug an der Lutherkirche. In den vergangenen Tagen wurden dort mehrfach tote Vögel entdeckt. Vermutlich finden die Tiere durch den anhaltenden Schnee nicht genug Futter.

Kassel. Krähensterben am Lutherplatz: Nach Angaben von Passanten lag am Mittwoch ein halbes Dutzend tote Krähen in dem Grünzug an der Lutherkirche. Gestern waren noch zwei tote Vögel auf der schneebedeckten Fläche um die Kirche zu finden - einer mit ausgebreiteten Flügeln unter Bäumen, einer unter einem Strauch.

Mehr zur Geschichte, zur Lage und zum Friedhof am Lutherplatz lesen Sie in unserem Regiowiki:

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Um ein mysteriöses Massensterben, wie zuletzt aus den USA und Schweden bekannt geworden, handelt es sich dabei aber nicht. Beim städtischen Umwelt- und Gartenamt hörte man am Mittwoch erstmals von der vermehrten Zahl toter Vögel auf dem Lutherplatz. Eine Anfrage beim Veterinäramt blieb gestern unbeantwortet.

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Bislang sei den Mitarbeitern der Grünpflege kein Vogelsterben im größeren Stil aufgefallen, sagt stellvertretender Amtsleiter Dr. Jürgen Drewitz. „So etwas würde Aufmerksamkeit erregen.“ Dass hin und wieder ein toter Vogel gefunden wird, sei normal. „Auch eine Krähe lebt nicht ewig.“ Drewitz vermutet, dass die seit Wochen geschlossene Schneedecke zu einem eingeschränkten Nahrungsangebot für die Vögel geführt hat. Daher würden möglicherweise alte oder schwache Tiere sterben.

Weil der Lutherplatz mit seinen hohen Bäumen ein beliebter Schlafplatz für Krähen und Dohlen sei, würden dort auch eher tote Vögel zu finden sein.

In Ferien keine Butterbrote

Martin Jentsch

Diese Vermutung hat auch der Kasseler Hobbyornithologe (Vogelkundler) Martin Jentsch. Futtermangel führe zu einer Schwächung der Krähen, dann setze ihnen die Kälte stärker zu, sodass vermehrt Tiere sterben können. Gut ernährt halten Krähen laut Jentsch auch minus 20 Grad Celsius aus.

Den Futtermangel der Vögel verschärften die Schulferien, sagt Jentsch: „Es gibt auf den Pausenhöfen keine Butterbrote mehr, die sich die Krähen holen können.“

Grundsätzlich seien Krähen als Wildvögel aber scheuer als Tauben, Amseln oder Spatzen. Daher profitierten sie auch nicht von den Fütterungen durch Menschen. Ursprünglich sei die Krähe ein „Stadtflüchter“, sagt Martin Jentsch und merkt an, dass der Rabenvogel nicht unbedingt ein Gewinn für die Stadt und die hiesige Vogelpopulation sei. „Im Frühjahr nehmen Krähen die Nester aus und fressen auch Jungvögel.“ Ein gezieltes Füttern der Krähen hält der Vogelkundler nicht für sinnvoll.

Diese Einschätzung teilt sein Fachkollege Uffe Fokken vom Vorstand des Naturschutzbundes (NABU) Kreisverband Kassel. „Im Prinzip sollte der Mensch so wenig wie möglich in die Natur eingreifen“, sagt der Ornithologe und Jäger. „Tiere sind im Prinzip darauf ausgerichtet, den Winter zu überstehen.“

Mehr Probleme als Krähen, die als Allesfresser in der Stadt in der Regel auch im Winter genug Essbares fänden, hätten Greifvögel in der freien Natur. Unter der Schneedecke fänden sie die Kleintiere, von denen sie sich ernähren, nicht mehr. Das führe zum Teil zu einem Schrumpfen der Bestände um die Hälfte, sagt Fokken. „Bei seltenen Arten wie der Schleiereule macht uns das große Sorgen.“ Daher sei es in diesem Fall sinnvoll, kleine Fleischbrocken auf Pfählen für Greifvögel bereitzulegen.

Allesfresser Krähe

Rabenkrähe und Saatkrähe sind neben Kolkrabe und Dohle in der Region vorkommende Rabenvögel. Krähen ernähren sich von allen fressbaren tierischen und pflanzlichen Stoffen. Neben Getreide, Samen und Früchten fressen sie auch Abfälle, Aas, andere kleinere Vögel, Eier und Fisch. Vor allem ihre Jungen füttern sie mit tierischer Nahrung. Krähen könnnen weit über zehn Jahre alt werden. (rud)

Von Katja Rudolph

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